WASHINGTON, 28. November. Gleich zwei prominente amerikanische Politiker zog es an diesem Thanksgiving-Feiertag zu einem Truppenbesuch an die Front. Nach einer Überraschungsvisite von US-Präsident George W. Bush am Donnerstag bei den Soldaten der der Ersten Panzer Division und der 82nd Luftlandetruppen, war die Senatorin Hillary Clinton am Freitag in Bagdad. Sie kam aus Afghanistan, wo die ehemalige First Lady Truppen besucht hatte. In Bagdad aß sie mit Soldaten zu Mittag und traf sich später mit Mitgliedern des irakischen Regierungsrats und Frauengruppen. Das Programm ähnelte also dem des Präsidenten am Vortag stark und ihr Besuch sollte insgesamt nur etwas länger dauern als der Bushs. Hillary Clinton ist zwar weder das erste Mitglied des Senats, das Irak besucht, noch die erste weibliche US-Politikerin, die in diesem Jahr nach Bagdad reiste. Trotzdem finden ihre Truppen-Besuche mehr Erwähnung als die ihrer Kollegen. Clinton ist eben noch immer eine der prominentesten Figuren in der US-Politik und eine mit vielen Interessen. Mit ihrer Visite bei den Soldaten will die Senatorin nicht nur die Aufmerksamkeit ihrer Partei für das Schicksal der Soldaten demonstrieren, sie will deutlich machen, dass sie sehr wohl ein Interesse an der Sicherheit ihres Landes hat. Hillary Clintons Besuch fand in den amerikanischen Medien bei weitem nicht das Echo wie der des Präsidenten. Gleichwohl sehen Beobachter darin einen weiteren Hinweis für die politischen Ambitionen der Senatorin von New York. Es gibt derzeit zwar kaum jemanden innerhalb der Demokratischen Partei, der ernsthaft damit rechnet, dass die beliebteste Demokratin ihre Kandidatur für das Weiße Haus bekannt gibt - in knapp zwei Monaten sind die ersten Vorwahlen. Die neun Präsidentschaftskandidaten führen bereits Wahlkampf. Dennoch weiß man, dass Clinton ihre Ambitionen für das Weiße Haus nicht leugnet. Selbst wenn die Visiten im kommenden Wahlkampf noch keine Rolle spielen sollten, so werden sie weder dem Image Frau Clintons noch ihren Chancen bei einer Kandidatur schaden - wenn nicht schon 2004, dann doch 2008.Präsident Bush wird jedenfalls von der Reise profitieren. Überwiegend positiv war das Echo für den Präsidenten am Tag nach seinem Überraschungsbesuch in Bagdad. Der Besuch wurde weitgehend als ein Erfolg gewertet. Vor allem Republikaner lobten den Mut des Präsidenten, in die irakische Hauptstadt zu fliegen, die Moral der Soldaten zu stärken und seine Rolle als Oberkommandierender der US-Streitkräfte wahrzunehmen. Am Tag nach der Reise senden US-Medien die Bilder aus Bagdad unentwegt über den Bildschirm: Sie zeigen den mächtigsten Mann der Welt in bescheidener Servierer-Pose am wichtigsten Feiertag für die Amerikaner. Bush reichte den Soldaten Teller mit Truthahn, dankte ihnen für ihr Engagement und versichert ihnen die Unterstützung der gesamten Nation. Für eine Nation, die an diesem Tag traditionell im Kollektiv Danke sagt, ist das ein starkes Bild, das vor allem ein anderes aus der Erinnerung der Wähler verdrängen soll: Das Bild von Bush in Top-Gun-Uniform an Deck des Flugzeugträgers Abraham Lincoln vor neun Monaten. Damals im Mai hatte Bush die Kämpfe für beendet erklärt. Seitdem sind in Irak mehr US-Soldaten durch Anschläge ums Leben gekommen als während des Feldzugs. Nun will man beweisen, dass Bush seinen Bezug zur Realität nicht verloren hat.Doch was den einen als mutig gilt, sehen die Anderen als einen Beweis für die gescheiterte Irak-Politik: Während Republikaner Bush dafür rühmen, dass er es gewagt hat, im Dunkeln in Bagdad zu landen, sehen Demokraten darin einen Beweis, für die schlechte Lage und die Macht der Terroristen. Selbst die demokratischen Präsidentschaftskandidaten, die seit Monaten Bush wegen des Irak-Kriegs kritisieren, hatten Schwierigkeiten die Reise zu bewerten: "Es ist schön, dass er das geschafft hat", sagte ein Sprecher für den Kandidaten Howard Dean der New York Times. "Aber der Besuch ändert nichts an der Tatsache, dass es falsch war, diese tapferen Männer und Frauen zum Kämpfen nach Irak zu schicken". Das Wahlkampfteam von John Kerry gab bekannt, dass "der Besuchs Bush richtig für das Land war", allerdings äußerte Kerry auch die Hoffnung, dass der Präsident seine Irak-Politik revidiert, wenn Thanksgiving vorbei ist.Reiseprotokoll // Mittwoch, 26. November, 19 Uhr Ortszeit, (Donnerstag 2 Uhr MEZ): Der US-Präsident George W. Bush und seine Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice verlassen in einer als Privatwagen getarnten Karosse seine Ranch im texanischen Crawford, wo er sich mit seiner Familie zum Erntedankfest versammelt hatte.19. 27 Uhr: Bush fliegt von Waco (Texas) nach Washington.23. 06 Uhr: Abflug der Präsidentenmaschine Air Force One in Richtung Bagdad.23. 19 Uhr: Bush ist eingeschlafen.Donnerstag, 27. November, 17. 31 Uhr Ortszeit Bagdad, (15. 31 Uhr MEZ): Mit ausgeschalteten Lichtern landet die Maschine in Bagdad. Kurz darauf feiert Bush mit US-Soldaten auf dem Flughafen das Erntedankfest.18. 58 Uhr: Bush trifft sich mit Vertretern des amtierenden Regierungsrats. Anschließend führt er Gespräche mit amerikanischen Offizieren, Mitgliedern des Stadtrats von Bagdad und dem inoffiziellen Bürgermeister.20. 03 Uhr: Der US-Präsident verlässt Irak.AP/DUSAN VRANIC Hillary Clinton im Gespräch mit irakischen Politikerinnen. Die frühere First Lady sagte, es sei noch nicht zu spät für eine stärkere Einbeziehung der Vereinten Nationen beim Wiederaufbau.AP/PABLO MARTINEZ MONSIVAIS "Ich habe mich gerade nach einer warmen Mahlzeit umgesehen. "
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