Die Vorwürfe wiegen schwer: Der irakische Sicherheitsberater Qasim al-Aboudi behauptet, „Zellen der Ukraine“ hätten Anschläge auf irakische Regierungseinrichtungen verübt. Kiew weist die Vorwürfe rund um die Ukraine und Irak-Anschläge umgehend und scharf zurück.
Damit scheinen sich zwei zuvor getrennte Konflikte immer stärker zu verzahnen. Der Streit spielt sich zudem vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen Kiew und Teheran ab.
Was der Irak konkret behauptet
Der irakische Sicherheitsberater Qasim al-Aboudi äußerte die Vorwürfe in einem Interview mit dem irakischen Sender Dijlah TV, wie etwa die iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtet. Neue Informationen deuteten auf eine „ukrainische Einmischung im Irak“ hin, sagte er dort.
Man habe eine kleine Gruppe von Personen festgenommen, die gestanden hätten, für die Ukraine zu arbeiten. „Sie haben einige irakische Regierungseinrichtungen mit Bombenanschlägen ins Visier genommen“, so al-Aboudi.
Zugleich schränkte er ein, dass weitere Ermittlungen nötig seien, „bevor wir dieser oder jener Seite eine Anschuldigung machen können“. Details nannte er nicht – weder zu den betroffenen Einrichtungen noch zu den Festgenommenen.
So reagiert Kiew
Die Ukraine wies die Anschuldigungen am Dienstag scharf zurück. Das Außenministerium in Kiew erklärte, es weise „die unbegründeten und unbelegten Vorwürfe“ zurück.
„Es gibt keine Fakten oder Beweise, die diese Anschuldigungen stützen – ein Punkt, den der irakische Vertreter in seinem Interview selbst eingeräumt hat“, so das Ministerium. Vor derart öffentlichkeitswirksamen Aussagen habe die irakische Seite keine entsprechenden Informationen über diplomatische Kanäle übermittelt.
Es sei „inakzeptabel und unverantwortlich“, dass ein hochrangiger Vertreter eines befreundeten Staates solche Aussagen ohne belastbare Beweisgrundlage öffentlich verbreite. Das widerspreche den Prinzipien des gegenseitigen Respekts und schade den ukrainisch-irakischen Beziehungen.
Der Vorwurf: Russische Propaganda
Kiew geht in seiner Antwort noch einen Schritt weiter. Die Aussagen deckten sich mit „russischen Propagandanarrativen“, die darauf abzielten, die Ukraine zu diskreditieren und ihre Beziehungen zu Ländern des Nahen Ostens zu untergraben, so das Außenministerium.
Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Vorfall Teil einer „koordinierten Informations- und psychologischen Operation“ sei, die darauf ausgelegt sei, die ukrainisch-irakische Partnerschaft zu destabilisieren.
Das Ministerium rief die offiziellen Stellen des Irak dazu auf, angemessen auf die Verbreitung der unbegründeten Vorwürfe zu reagieren.
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Der Hintergrund: Spannungen mit dem Iran
Die Vorwürfe fallen in eine Phase erhöhter Spannungen zwischen Kiew und Teheran. Im Irak übt der Iran erheblichen politischen und militärischen Einfluss aus.
Ein Zwischenfall vor wenigen Tagen könnte die Spannungen zwischen den Ländern verschärft haben. Die Ukraine erklärte am 25. Juli, sie habe im Kaspischen Meer ein Schiff angegriffen, das militärische Fracht zwischen dem Iran und Russland transportiert habe.
Irans Außenministerium erklärte später, der Angriff habe ein Handelsschiff getroffen, dabei sei ein Seemann getötet und ein weiterer verletzt worden. Teheran verurteilte den Angriff als „Akt der Aggression“, der „nicht unbeantwortet bleiben“ könne.
Die Spannungen zwischen dem Iran und der Ukraine haben seit 2022 zugenommen, als Teheran begann, seine Shahed-Kampfdrohnen an Russland zu liefern. Diese Drohnen zählen zu den wichtigsten Waffen, mit denen Russland ukrainische Städte angreift.
So sind die Beziehungen zwischen dem Irak und der Ukraine
Die Beziehungen zwischen dem Irak und der Ukraine gelten als vergleichsweise begrenzt. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine bemüht sich Bagdad um einen außenpolitischen Balancekurs: Einerseits hat der Irak den Krieg nicht offen unterstützt und der Ukraine humanitäre Hilfe geleistet, andererseits vermeidet die Regierung eine klare Positionierung gegen Russland.
Hintergrund ist die enge wirtschaftliche und sicherheitspolitische Verflechtung des Landes mit dem Iran sowie das Bestreben, die Beziehungen sowohl zu Teheran als auch zu den USA und Russland aufrechtzuerhalten. Wirtschaftlich waren vor allem ukrainische Getreidelieferungen für den Irak von Bedeutung.
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