KAIRO. "Willkommen, hundert Mal willkommen!" Als Muntasser al-Saidi gestern vor das Gefängnistor in Bagdad trat, erwartete ihn ein Empfang, der nicht herzlicher und überschwänglicher hätte sein können. Doch der Jubel galt ja auch nicht irgendwem, sondern dem Schuhwerfer von Bagdad, in dem viele Araber einen Helden sehen. Bei einem Besuch von George W. Bush im Irak im Dezember 2008 hatte Al-Saidi auf einer Pressekonferenz in Bagdad seine Schuhe in Richtung des damaligen US-Präsidenten geworfen und dabei gerufen: "Dies ist unser Abschiedsgeschenk für dich, du Hund!" Bush duckte sich weg.Neues Leben als HeldDer Journalist wurde festgenommen und wegen Angriffs auf ein ausländisches Staatsoberhaupt zunächst zu drei Jahren Haft verurteilt. Einen Menschen mit einem Schuh zu bewerfen bedeutet eine schwere Beleidigung in der muslimischen Welt, ebenso wie die Beschimpfung als "Hund".Ein Berufungsgericht verkürzte die Strafe wenig später auf ein Jahr Haft. Wegen guter Führung wurde Al-Saidi nun nach neun Monaten entlassen. In eine irakische Fahne gehüllt, erschien er nach seiner Freilassung in der Redaktion von El Baghdadia. Für diesen Satellitensender mit Sitz im ägyptischen Kairo arbeitet Al-Saidi seit drei Jahren als Reporter.Mit seiner Schuh-Attacke habe er die Opfer des Irak-Kriegs rächen wollen, sagte Al-Saidi. "Ich bin zwar frei, aber mein Zuhause ist immer noch ein Gefängnis", sagte er. Dann erhob er schwere Anklagen gegen die irakische Regierung und die Gefängnisbehörden: "Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat auf allen Kanälen behauptet, er könne nicht schlafen, weil er über mein Schicksal so beunruhigt sei. Zur gleichen Zeit wurde ich auf das Schlimmste gefoltert," sagte Al-Saidi. Er sei mit Stromkabeln und Eisenstangen geschlagen worden. Seine Bewacher hätten ihn ins Wasser getaucht und simuliert, sie wollten ihn ertränken. Al-Maliki habe dies angeordnet, behauptete Al-Saidi, denn mit seinem Schuhwurf habe er nicht nur den US-Präsidenten erniedrigt, sondern auch den Premier, der neben Bush gestanden habe. Maliki müsse sich bei ihm entschuldigen, forderte der Schuhwerfer.Danksagungstour ins AuslandAl-Saidi erwartet jetzt ein neues Leben. Bisher soll er nur zwei Paar Schuhe besessen haben. Eines verwendete er als Wurfgeschoss. In Zukunft wird sich der Journalist wohl viele neue Schuhe leisten können. Sein Arbeitgeber zahlte dem 30-Jährigen sein Gehalt auch während der Haft. Zudem ließ ihm der Sender ein Haus in Bagdad bauen. Außerdem erhielt er viele Geschenke von Bewunderern aus aller Welt. Denn er hat sich getraut, was sie gern getan hätten: Präsident Bush die Meinung zu sagen.In den kommenden Tagen wird Al-Saidi nach Angaben seiner Familie ins Ausland reisen, um sich zu bedanken. Als Reporter werde er aber in Zukunft nicht mehr arbeiten, sagte sein Bruder. Mit dem Geld seiner Fans wolle er ein Zentrum für Witwen und Waisen gründen. Der Journalist fürchte nämlich, dass Interviewpartner künftig eine heikle Frage mit der Gegenfrage beantworten: "Sollte ich nicht antworten, wirfst du dann deinen Schuh nach mir?" (mit AFP)------------------------------Heiratsangebote, Orden und ein PferdFamilie und Freunde des Schuhwerfers hatten schon am frühen Morgen ein Festzelt aufgebaut. Sie schlachteten zu seinen Ehren mehrere Schafe. Zudem wurde eine riesige Statue in Form eines Schuhs errichtet.Der Emir von Katar will ihm angeblich ein Pferd schenken; eine von Gaddafis Tochter angeführte Gruppe in Libyen verlieh ihm eine Auszeichnung. Zahlreiche Väter aus arabischen Ländern boten Al-Saidi ihre Töchter als Bräute an.------------------------------Foto: Wieder frei: Muntasser al-Saidi wird von seiner Schwester begrüßt.
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