Energiemarkt

Trotz Trumps Seeblockade: Iran verschifft heimlich Flüssiggas – Bericht deckt Tankerrouten auf

Trotz US-Seeblockade bringt der Iran weiter Flüssiggas außer Landes. Satellitendaten enthüllen geheime Tankerrouten und eine brisante Treibstofflieferung nach Myanmar.

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Tanker und Frachtschiffe im Golf von Oman: Trotz der US-Seeblockade transportiert der Iran laut einer Reuters-Recherche weiterhin Flüssiggas ins Ausland.

Tanker und Frachtschiffe im Golf von Oman: Trotz der US-Seeblockade transportiert der Iran laut einer Reuters-Recherche weiterhin Flüssiggas ins Ausland.

© Uncredited/AP

Der Iran hat offenbar einen Weg gefunden, trotz der amerikanischen Seeblockade weiterhin Teile seiner Energieproduktion zu exportieren. Mindestens acht Tanker mit iranischem Flüssiggas haben seit Mitte Juli den Golf von Oman verlassen. Ein weiteres Schiff transportierte Flugzeugtreibstoff nach Myanmar. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Recherche der Nachrichtenagentur Reuters hervor, die sich auf Satellitenaufnahmen, Schiffsbewegungsdaten und Angaben von Sicherheitsexperten stützt.

Die Erkenntnisse werfen Fragen zur Wirksamkeit der Blockade auf, mit der US-Präsident Donald Trump die iranischen Energieexporte unterbinden will. Das amerikanische Militär bezeichnet seine Kontrollen als praktisch undurchdringlich. Doch Reuters dokumentiert mehrere Transporte, die das amerikanische Vorgehen offenbar nicht verhindert hat.

Dabei geht es nicht um gewöhnliches Erdgas oder LNG, sondern um Flüssiggas aus der Erdölverarbeitung, international als LPG bezeichnet. Es wird unter anderem zum Heizen, Kochen und als Rohstoff in der chemischen Industrie verwendet.

Iranische Tanker nutzen Umladungen vor Oman

Nach Recherchen der amerikanischen Organisation United Against Nuclear Iran (UANI), die den iranischen Schiffsverkehr mithilfe von Satellitenbildern und Positionsdaten überwacht, haben seit Mitte Juli mindestens acht Gastanker iranisches Flüssiggas aus dem Golf von Oman transportiert.

Die Gesamtmenge wird auf rund 4,1 Millionen Barrel geschätzt. Sechs der acht Tanker stehen bereits wegen des Transports iranischer Erdöl- und Petrochemieprodukte auf amerikanischen Sanktionslisten.

Besonders auffällig sind die Routen der Schiffe. Vier mit den Transporten vertraute Sicherheitsexperten erklärten Reuters, iranische Ladungen würden zunehmend unter den zahlreichen Umladungen anderer Golfstaaten verborgen.

Einige Tanker hätten ihre Fracht vor den omanischen Küstenstädten Schinas und Suhar auf andere Schiffe umgeladen. Andere hätten im Golf von Oman gewartet, bevor sie die amerikanische Blockadezone passierten.

Die meisten dokumentierten Transporte führten nach Angaben der UANI-Analystin Jemima Shelley in Gewässer vor Malaysia. Dort könnten weitere Umladungen stattgefunden haben, möglicherweise mit China als endgültigem Bestimmungsort.

Shelley wertet die Fahrten allerdings nicht als Beleg für eine umfassende neue iranische Exportstrategie. Vielmehr handele es sich um vereinzelte Gelegenheiten, die verbliebenen Transportmöglichkeiten zu nutzen.

Flugzeugtreibstoff aus dem Iran erreicht Myanmar

Besonders brisant ist eine weitere Lieferung, die Reuters mithilfe zusätzlicher Satellitenbilder und Analysen des Schifffahrtsdienstleisters SynMax nachvollziehen konnte.

Demnach erreichte im September ein Tanker mit iranischem Flugzeugtreibstoff Myanmar. Auch dieses Schiff steht auf einer amerikanischen Sanktionsliste.

Der Bestimmungsort ist politisch heikel. Die Militärregierung Myanmars setzt seit dem Putsch von 2021 Kampfflugzeuge gegen bewaffnete Gegner ein. Dabei wurden nach Angaben der Vereinten Nationen auch zahlreiche Zivilisten getötet.

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Die USA verhängten deshalb bereits 2023 gezielte Sanktionen gegen Unternehmen und Personen, die an der Beschaffung und Verteilung von Flugzeugtreibstoff für Myanmars Militär beteiligt waren. Das US-Finanzministerium begründete die Maßnahmen ausdrücklich mit den Luftangriffen auf die Zivilbevölkerung.

Ob die jetzt dokumentierte iranische Lieferung tatsächlich für die Streitkräfte Myanmars bestimmt war, lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht feststellen. Die Militärregierung beantwortete eine entsprechende Anfrage von Reuters nicht. Sie bestreitet grundsätzlich, gezielt Zivilisten anzugreifen.

US-Militär spricht von undurchdringlicher Seeblockade

Die amerikanische Seeblockade wurde erstmals am 13. April verhängt. Nach einer vorläufigen Verständigung zwischen Washington und Teheran wurde sie im Juni aufgehoben. Als diese scheiterte, setzten die USA die Blockade am 14. Juli erneut in Kraft.

Das für die Region zuständige US-Zentralkommando Centcom bezeichnet die Blockade als „ironclad“, also undurchdringlich. Nach eigenen Angaben zwangen amerikanische Streitkräfte während der ersten drei Monate der erneuten Blockade 135 Schiffe zur Umkehr. Vier Handelsschiffe wurden außer Gefecht gesetzt.

Erst am vergangenen Wochenende meldete das US-Militär einen weiteren Zwischenfall. Ein amerikanisches Kampfflugzeug beschädigte nach Reuters-Angaben im Golf von Oman den Antrieb eines Frachters, der Warnungen der US-Streitkräfte missachtet haben soll.

Ein amerikanischer Militärvertreter betonte gegenüber Reuters jedoch, dass nicht jede Schiffspassage automatisch einen Verstoß gegen die Blockade darstelle. Jedes Schiff werde einzeln überprüft. Unter bestimmten Voraussetzungen könnten Durchfahrten beispielsweise aus humanitären Gründen erlaubt werden.

Auch das US-Finanzministerium stellte die Aussagekraft der Schiffsverfolgungsdaten infrage. Tanker könnten falsche Positionssignale senden oder unter anderen Identitäten operieren. Aus der dokumentierten Bewegung eines Schiffes lasse sich daher nicht zwangsläufig auf eine erfolgreiche Umgehung der Kontrollen schließen.

Trotz einzelner Transporte: Irans Rohölexporte eingebrochen

Die von Reuters aufgedeckten Lieferungen bedeuten nicht, dass die amerikanische Blockade insgesamt wirkungslos ist.

Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler sanken die iranischen Rohölexporte im September auf null. Seit Beginn der systematischen Erfassung im Jahr 2013 war dies demnach erstmals der Fall. Auch der Schifffahrtsdatenanbieter Vortexa meldete zuletzt einen weitgehenden Stillstand der iranischen Rohölausfuhren.

Das ist für die iranische Wirtschaft ein schwerer Einschnitt. Die Regierung ist auf Einnahmen aus dem Export von Erdöl und Erdölprodukten angewiesen. Washington versucht, diese Einnahmen mit militärischen Kontrollen und zusätzlichen Sanktionen zu unterbinden.

Der Energiehandel wird zugleich durch den Krieg belastet, den die USA und Israel im Februar mit Angriffen auf den Iran begonnen haben. Teheran greift seinerseits Schiffe und Infrastruktur in der Golfregion an. Nach Reuters-Recherchen hat der Iran zuletzt seine Taktik bei Angriffen auf den Schiffsverkehr verändert.

Für die internationale Schifffahrt steigen dadurch Risiken und Kosten. Laut einer weiteren Reuters-Analyse haben sich die Transportkosten für Erdöl auf wichtigen Routen zuletzt vervielfacht. Die jetzt dokumentierten Flüssiggaslieferungen zeigen allerdings, dass die Blockade nicht sämtliche iranischen Energieprodukte vom Weltmarkt fernhält.

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