Ernährung

Iran-Krieg treibt Afrika in Richtung Hungerkrise

Der Iran-Krieg lässt die Preise für Dünger weltweit weiter steigen. Der Chef des weltgrößten Düngemittelkonzerns warnt nun vor dramatischen Folgen für ärmere Staaten in Afrika.

3 Min
Kinder ziehen Wasserkanister durch eine trockene Landschaft in Ostafrika.

Kinder ziehen Wasserkanister durch eine trockene Landschaft in Ostafrika.

© Brian Inganga/AP

Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran könnte nach Einschätzung des weltgrößten Düngemittelherstellers eine neue Ernährungskrise in Afrika auslösen. Svein Tore Holsether, Chef des norwegischen Konzerns Yara International, warnte im Gespräch mit dem Guardian vor drastisch steigenden Düngerpreisen und möglichen Versorgungsengpässen in besonders armen Staaten südlich der Sahara.

„Wir müssen jetzt Alarm schlagen“, sagte Holsether der britischen Zeitung. Es drohe eine Art globaler Wettlauf um Düngemittel, bei dem sich wohlhabende Staaten die verfügbaren Mengen sichern könnten, während ärmere Länder leer ausgingen. Europa werde keine Hungersnot erleben, sagte der Yara-Chef. „Aber wir müssen uns bewusst machen, wem wir das Essen wegnehmen.“

Besonders betroffen seien Staaten in Afrika, die stark auf Düngemittelimporte angewiesen sind und zugleich kaum finanzielle Reserven hätten. Länder wie Äthiopien oder Kenia gelten laut dem Analysehaus S&P Global als besonders abhängig von stickstoffhaltigem Dünger aus dem Nahen Osten.

Golfregion ist Schlüssel für Düngemittelproduktion

Der Hintergrund ist die zentrale Rolle der Golfstaaten auf dem Weltmarkt für Harnstoff und Ammoniak, zwei entscheidende Bestandteile vieler Düngemittel. Rund 35 Prozent des weltweiten Harnstoffangebots stammen laut Guardian aus der Golfregion. Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar seien die Preise für Harnstoff bereits um 60 bis 70 Prozent gestiegen.

Gleichzeitig gerät die Produktion zunehmend unter Druck. Mehrere Staaten hätten wegen der Sicherheitslage ihre Ammoniakproduktion eingeschränkt oder gestoppt. Katar etwa habe Anlagen zeitweise stillgelegt. Ammoniak gilt als hochgefährlicher Stoff. Die Lagerung und der Transport seien in Kriegszeiten besonders riskant.

Sorge vor Ernteausfällen in Subsahara-Afrika

Holsether warnte, die Folgen könnten sich schnell auf die Landwirtschaft auswirken. In Subsahara-Afrika beginne bald die Aussaat. Viele Bauern müssten zugleich bereits Vorräte für die kommende Saison im Jahr 2027 aufbauen.

Anders als in Europa könnten Landwirte dort den Einsatz von Dünger kaum reduzieren, ohne massive Ernteausfälle zu riskieren. „In Europa ist die Landwirtschaft bereits stark optimiert“, sagte Holsether dem Guardian. In Afrika werde vielerorts dagegen ohnehin zu wenig gedüngt. „Deshalb mache ich mir dort derzeit die größten Sorgen.“

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Benzinmangel und Stromausfälle legen Teile Ostafrikas lahm

Die Warnung passt zu einer sich bereits verschärfenden Energie- und Versorgungskrise in mehreren Staaten Ostafrikas. In Malawi, Burundi oder dem Südsudan sorgen steigende Treibstoffpreise und Lieferprobleme schon jetzt für massive Belastungen im Alltag. In Malawi haben sich die Preise für Busfahrten vielerorts mehr als verdoppelt, Diesel wird auf Schwarzmärkten zu extrem hohen Preisen verkauft und Reservekraftwerke fallen wegen Treibstoffmangels aus. Auch in Juba im Südsudan wird Strom inzwischen zeitweise rationiert. Regierungen der Region verweisen dabei auf gestörte Lieferketten und höhere Transportkosten infolge der Spannungen rund um die Straße von Hormus.

Die Europäische Union hat inzwischen Hilfen für Landwirte angekündigt, darunter Zuschüsse wegen höherer Energie- und Düngerkosten. Vergleichbare Unterstützungssysteme existieren in vielen afrikanischen Staaten jedoch kaum oder gar nicht. Experten warnen deshalb, dass steigende Düngerpreise dort deutlich schwerere Folgen haben könnten als in Europa.

Viele Bauern in Subsahara-Afrika arbeiten bereits mit ausgelaugten Böden und vergleichsweise wenig Dünger. Schon kleine Kürzungen beim Einsatz könnten daher erhebliche Ernteverluste auslösen – mit Folgen für Lebensmittelpreise, Versorgungssicherheit und politische Stabilität in einigen der ärmsten Regionen der Welt.

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