Die US-Regierung untersucht einen mutmaßlich amerikanischen Luftangriff auf eine Hochzeitsgesellschaft im Süden Irans. Bei dem Treffer auf ein Wohnhaus in Kuhestak nahe der Straße von Hormus wurden nach iranischen Angaben fünf Menschen getötet und fast 70 verletzt. US-Vizepräsident JD Vance bestätigte am Donnerstag, dass Washington den Vorfall prüfe.
Eine Auswertung verifizierter Bilder und Videos durch Reuters deutet derweil darauf hin, dass das Gebäude direkt von einer US-amerikanischen Fliegerbombe getroffen wurde. Mehrere Waffenexperten erklärten der Nachrichtenagentur, das Schadensbild passe nicht zu Trümmern einer abgefangenen Rakete oder einem Querschläger. Das mutmaßliche militärische Ziel, ein Kommunikationsturm, stand demnach nur rund 135 Meter entfernt.
Das Pentagon hat die Verantwortung bislang nicht übernommen. Das US-Militär erklärte, es greife Zivilisten nicht absichtlich an. Unter den Todesopfern waren iranischen Medien zufolge zwei Kinder. Eine 22-jährige Frau erlag am Donnerstag ihren Verletzungen.
Iran greift erneut US-Stützpunkt in Kuwait an
Die Explosion ereignete sich während der jüngsten Welle amerikanischer Angriffe auf iranische Stellungen. Das US-Zentralkommando Centcom erklärte, Luftabwehrstellungen, Radaranlagen, Kommunikationszentren und maritime Einrichtungen der Revolutionsgarden angegriffen zu haben. Die Operation sei eine Reaktion auf iranische Angriffe gegen Handelsschiffe und US-Soldaten gewesen.
Iran setzte seine Vergeltung am Donnerstag fort. Nach Angaben iranischer Staatsmedien richtete sich ein neuer Angriff gegen amerikanische Einrichtungen auf dem Luftwaffenstützpunkt Ahmed al-Dschaber in Kuwait. Bereits zuvor hatte Teheran Raketen und Drohnen gegen Ziele in Jordanien, Bahrain, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Irak eingesetzt.
Die betroffenen Staaten meldeten überwiegend erfolgreiche Abfangaktionen. Bestätigte Berichte über getötete amerikanische Soldaten liegen nicht vor. Behauptungen der Revolutionsgarden über hohe US-Verluste ließen sich nicht unabhängig überprüfen. AP zufolge kamen bei den iranischen Angriffen bislang keine Todesopfer außerhalb Irans zu Schaden.
Washington setzt Gespräche mit Teheran aus
Vance erklärte nach Angaben von Reuters, die USA verhandelten derzeit nicht mit Iran. Gespräche könnten erst wieder aufgenommen werden, wenn Teheran seine Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus einstelle. Einen Zeitplan für das Ende des seit mehr als sechs Monaten dauernden Konflikts nannte er nicht.
Die Straße von Hormus bleibt der zentrale Schauplatz der Auseinandersetzung. Iran hat weitere Schiffe auf eine Verbotsliste gesetzt und besteht darauf, selbst über die Durchfahrt zu entscheiden. Washington fordert dagegen freie Schifffahrt und hält an seiner Seeblockade gegen Iran fest. Die USA haben mehr als 50.000 Soldaten und fast 20 Kriegsschiffe in der Region stationiert.
Ölpreise steigen um fast zehn Prozent
Die neue Eskalation lässt die Energiepreise deutlich steigen. Die Nordseesorte Brent kostete am Freitagmorgen laut Reuters rund 95,70 Dollar je Barrel, US-Öl der Sorte WTI etwa 91,60 Dollar. Brent steuert damit auf ein Wochenplus von gut sieben Prozent zu, WTI auf knapp zehn Prozent. Es wäre der stärkste wöchentliche Anstieg seit Mitte Juli.
Zusätzliche Sorgen löste eine Warnung Irans vor einer Ausweitung des Krieges auf den Libanon aus. Nach Informationen von Reuters ließ Teheran Washington über Oman wissen, dass ein größerer israelischer Angriff auf den von der Hisbollah gehaltenen Höhenzug Ali al-Taher im Südlibanon eine massive iranische Reaktion auslösen würde. Israel bestreitet, dass dort Angehörige der Revolutionsgarden stationiert sind.
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