Iran-Krieg

US-Flugzeugträger im Visier: Iran droht mit neuen Langstreckenraketen

Teherans Revolutionsgarden wollen weitere Aggression mit der Anwendung neuer militärischer Fähigkeiten beantworten. Auch Europa könnte in Reichweite geraten.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Kommandeure der Revolutionsgarden bei einer Militärkundgebung in Teheran im Januar 2025 mit einer im Iran gefertigten Langstrecken-Boden-Boden-Rakete

Kommandeure der Revolutionsgarden bei einer Militärkundgebung in Teheran im Januar 2025 mit einer im Iran gefertigten Langstrecken-Boden-Boden-Rakete

© Morteza Nikoubazl/imago

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) haben angekündigt, im Fall einer neuen militärischen Auseinandersetzung Raketen mit deutlich größerer Reichweite, höherer Präzision und stärkerer Sprengkraft einzusetzen. Das berichtete am Dienstag die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

Die technische Grundlage dafür sei vorhanden, die Produktion hänge von einer politischen Entscheidung in Teheran ab, so der Sprecher der Garden, Hossein Mohebbi, in einem Interview mit der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA. Mohebbi sagte zudem, das Schlachtfeld sei der beste Ort, um neue Waffen zu erproben. Konkrete Reichweiten oder Waffentypen nannte er nicht.

Teheran behauptet Treffer, Washington widerspricht

Der Sprecher erklärte zudem, iranische Streitkräfte hätten kürzlich einen US-Flugzeugträger und ein Kriegsschiff der US-Marine angegriffen. Die Rakete habe den Träger in einer Entfernung von 500 Kilometern getroffen, sagte Mohebbi laut Xinhua. Der Angriff habe den Träger nicht kampfunfähig gemacht, aber beschädigt. Iran gehe davon aus, dass es Opfer gegeben habe. Die USA hatten dies nicht bestätigt.

Bei dem von Teheran als erfolgreich dargestellten Angriff dürfte es sich um einen auf die „USS George Washington“ gehandelt haben. Der atomgetriebene Flugzeugträger operierte Anfang September im Arabischen Meer.

Ein F/A-18 Super Hornet startet am 1. September vom Flugdeck des US-Flugzeugträgers „USS George Washington“.

Ein F/A-18 Super Hornet startet am 1. September vom Flugdeck des US-Flugzeugträgers „USS George Washington“.

© US-Navi/AFP

Militärfachquellen identifizieren ihn als Ziel des iranischen Raketenangriffs vom 5. September. Das US-Zentralkommando bestätigte diesen, erklärte jedoch, der Träger und ein begleitender Zerstörer hätten den Raketen ausweichen können und seien nicht getroffen worden.

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Warnung an die USA

Anfang September hatte bereits der Sekretär des iranischen Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Rezaei, im Staatsfernsehen IRIB von einem iranischen Angriff auf einen US-Flugzeugträger gesprochen. Rezaei bezeichnete diesen als Warnung, dass die von den USA verhängte Seeblockade verwundbar sei.

Am Montag drohte Mohebbi im arabischsprachigen iranischen Staatssender Al-Alam mit einer Ausweitung möglicher Angriffe. Im Fall einer neuen Aggression werde die IRGC nach seinen Worten „die Geografie des Krieges verschieben“ und neue Ziele ins Visier nehmen.

Das im Ausland betriebene iranische Nachrichtenportal IranWire wies darauf hin, dass sich die Angaben des IRGC-Sprechers zu neuen Fähigkeiten der Revolutionsgarden nicht unabhängig überprüfen lassen.

Am Dienstag erklärte zudem laut dem Sender Iran International Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, Iran könne präzise ballistische Raketen über mehrere tausend Kilometer einsetzen.

Keine Belege für Interkontinentalraketen

Nach Einschätzung des Washingtoner Thinktanks Center for Strategic and International Studies (CSIS) verfügt Iran über das größte und vielfältigste Raketenarsenal im Nahen Osten.

Die bekannten ballistischen Mittelstreckenraketen wie die Sejjil und Varianten der Shahab-3 werden dort mit Reichweiten bis rund 2000 Kilometern geführt. Eine Rakete, die die USA erreichen könnte, hat Teheran nach Angaben des CSIS bislang weder getestet noch stationiert.

Das Londoner Institut für Strategische Studien (IISS) hält es in einer Analyse zum Weltraumprogramm der Revolutionsgarden für plausibel, dass die dort verwendeten Feststofftriebwerke technisch die Grundlage für Raketen jenseits der von Iran selbst gesetzten Grenze von 2000 Kilometern bilden könnten.

Für den Umbau einer schweren Trägerrakete in eine Interkontinentalrakete wären dem IISS zufolge weitere Entwicklungen nötig, etwa ein Hitzeschild für den Wiedereintritt in die Atmosphäre.

Diego-Garcia-Angriff nährt Sorgen in Europa

Hinweise auf eine tatsächlich vergrößerte Reichweite hatte es bereits im März gegeben. Damals feuerte Iran nach Angaben britischer Regierungskreise, die einen Bericht des Wall Street Journal bestätigten, zwei ballistische Raketen auf den rund 4000 Kilometer entfernten US-britischen Militärstützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean.

Beide Flugkörper hätten ihr Ziel verfehlt: Eine Rakete versagte im Flug, die andere wurde offenbar von einem US-Kriegsschiff abgeschossen. Ein britischer Regierungsvertreter sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einem „erfolglosen Angriff“.

Der Vorfall galt als Signal, dass Teheran über Systeme jenseits der lange offiziell angegebenen 2000 Kilometer verfügen könnte. Bei einer Reichweite von 4000 Kilometern lägen laut dpa auch Teile Europas in Reichweite iranischer Raketen.

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