Malaysia

Nach strittigen Thesen über „fliegende Malaien“: Islamische Universität feuert Professorin

Die IIUM hat sich von Professorin Solehah Yaacob getrennt. Ihre Behauptungen über alte Malaien, die fliegen konnten, hatten in Malaysia für Spott gesorgt. Nun klagt sie gegen ihre Kündigung.

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Eine Moschee auf dem Campus der International Islamic University in Malaysia

Eine Moschee auf dem Campus der International Islamic University in Malaysia

© Aisyaqilumar/imago

Eine der weltweit renommiertesten islamischen Hochschulen hat sich öffentlich von einer früheren Professorin distanziert. In Malaysia ist die Sprachwissenschaftlerin Solehah Yaacob nicht mehr an der International Islamic University Malaysia (IIUM) beschäftigt. Das bestätigte die Universität am Sonntag. Über die Entlassung der Professorin in Malaysia berichtete unter anderem die South China Morning Post.

Zuvor hatte Solehah mit der Behauptung für Aufsehen gesorgt, die alten Malaien hätten fliegen können und den Chinesen das „fliegende Kung-Fu“ beigebracht. Einen Grund für die Trennung nannte die Hochschule nicht. Die Wissenschaftlerin wehrt sich nun juristisch gegen das Aus.

Professorin in Malaysia entlassen: Was die IIUM mitteilte

Die Klarstellung veröffentlichte das Kommunikationsbüro der IIUM am Sonntag. Demnach endete Solehahs Dienstverhältnis bereits am 27. April. Seither darf sie keinen Titel und keine Verbindung zur Universität mehr für sich beanspruchen – weder in Werbematerial noch in Medienberichten, Publikationen oder Social-Media-Beiträgen.

„Sie ist keine Professorin mehr und hat kein Recht, eine Verbindung zur Universität zu behaupten“, zitierte die South China Morning Post die Mitteilung. „Die IIUM hofft, dass diese Klarstellung Missverständnisse ausräumt und das akademische Ansehen der Universität wahrt.“

Die IIUM gilt als eine der führenden islamischen Universitäten weltweit.

Thesen über fliegende Malaien und römischen Schiffbau

Bekannt wurde Solehah, die an der IIUM arabische Sprache und Linguistik lehrte, im vergangenen Jahr. Damals verbreitete sich ein Video, in dem sie erklärte, die Römer hätten den Schiffbau von den Malaien übernommen.

Ihre Aussage verteidigte sie später als Forschungshypothese auf Basis klassischer arabischer Quellen, wie die malaysische New Straits Times berichtete. Die Universität setzte daraufhin ein internes Prüfgremium ein.

Hochschulminister Datuk Seri Zambry Abdul Kadir riet Akademikern laut Malay Mail zudem, keine Aussagen außerhalb ihres Fachgebiets zu treffen.

Meteoriten in Kedah und weitere Behauptungen

Zuletzt verband Solehah die reichen Eisenerzvorkommen im Bundesstaat Kedah mit einem Meteoritenschauer. In einem Video auf ihrem TikTok-Konto zog sie laut New Straits Times eine Verbindung zwischen dem Berg Gunung Jerai und dem antiken Eisenverhüttungskomplex Sungai Batu.

Zu ihren früheren Behauptungen zählt außerdem, dass Khadija, die Ehefrau des Propheten Mohammed, Verbindungen zur malaiischen Welt gehabt habe. Für einen Fachartikel aus dem Jahr 2018 stand sie in der Kritik, weil sie darin einen satirischen Text des Portals The Onion als Quelle nutzte.

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Wie Historiker auf die Thesen reagieren

Historiker und Wissenschaftler bezeichneten Solehahs Aussagen wiederholt als unlogisch und schädlich für das historische Verständnis.

James Chin, Asienforscher an der University of Tasmania, verwies darauf, dass sie mit ihren Theorien eine große Anhängerschaft in der malaiischen Gemeinschaft gewonnen habe. Einen Beitrag dazu hätten bereits rund 800.000 Menschen gesehen, schrieb Chin auf Facebook.

Bezahlte Kreuzfahrten zu ihren Theorien

Nach Angaben von Chin bietet Solehah zudem kostenpflichtige Bootstouren an, die auf ihren Theorien aufbauen. Am 24. Juni bewarb sie sich als Rednerin für die viertägige Islamic Civilisation Voyage 3.0, eine Kreuzfahrt von Port Klang nach Phuket vom 30. November bis 3. Dezember. Für Seminare verlange sie rund 200 US-Dollar.

„Diese Kreuzfahrten sind eigens darauf ausgelegt, ihre Forschungsergebnisse zu bestätigen, indem sie die Passagiere zu genau den Orten bringen, die ihre Behauptungen stützen sollen. Ich mache keine Witze“, erklärte Chin am 12. August.

Chin unterstützte die Entscheidung der Universität. Es sei bemerkenswert, dass die IIUM erst wegen des Gegenwinds in sozialen Medien gehandelt habe, sagte er This Week in Asia.

Professorin wehrt sich gegen die Entlassung

Solehah selbst wehrt sich nun vor Malaysias Arbeitsgericht gegen ihre Entlassung und wirft der Universität Unprofessionalität vor, wie die South China Morning Post berichtete.

Dem Portal Free Malaysia Today sagte sie, das Hochschulministerium habe ihr noch einen Tag vor dem Rauswurf eine Auszeichnung im Rahmen des Malaysia Research Assessment verliehen.

„Ich wurde binnen 24 Stunden entlassen und durfte keine Berufung einlegen“, wurde sie zitiert. „Die IIUM wollte mir das Äquivalent von sechs Monatsgehältern zahlen, aber ich habe abgelehnt.“

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