Isländische Spezialkräfte haben das Anti-Walfang-Schiff Bandero auf hoher See unter ihre Kontrolle gebracht und dessen 21-köpfige Besatzung festgesetzt. Das zur Captain Paul Watson Foundation gehörende Schiff liegt inzwischen im Hafen von Reykjavík. Die Polizei beantragte die Abschiebung der Crew sowie ein Verbot für ihre erneute Einreise nach Island.
Auslöser des Einsatzes war eine Begegnung mit dem isländischen Walfangschiff Hvalur 9 am Donnerstagabend. Dessen Besatzung rief nach Angaben der isländischen Küstenwache um Hilfe, weil sie sich durch die Bandero bedroht fühlte. Die Aktivisten hätten zunächst die Anweisung ignoriert, die isländischen Gewässer zu verlassen, und später auch einem Befehl zum Stoppen der Maschinen nicht Folge geleistet. Das ist die Darstellung der Behörden.
Das isländische Walfangschiff Hvalur 9 läuft mit zwei getöteten Walen in die Walfangstation im Hvalfjörður ein (Archivbild)
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Spezialkräfte übernehmen Kontrolle über die Bandero
Gegen Mitternacht gingen Einsatzkräfte der Küstenwache und die polizeiliche Spezialeinheit Viking Squad an Bord. Sie übernahmen die Kontrolle über das Schiff und nahmen den Kapitän sowie die übrigen Besatzungsmitglieder fest. Anschließend wurde die Bandero von den Behörden nach Reykjavík gebracht.
Die Captain Paul Watson Foundation bestätigte die Beschlagnahmung. Nach ihrer Darstellung wurden den 21 Crewmitgliedern ihre Mobiltelefone abgenommen. Die Organisation erklärte, die Besatzung werde an Bord festgehalten. Paul Watson selbst befand sich nicht auf dem Schiff.
Die isländische Polizei beantragte nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders RÚV keine Untersuchungshaft. Die Crew darf die Bandero jedoch vorerst nicht verlassen. Gleichzeitig streben die Behörden ihre Abschiebung und ein Wiedereinreiseverbot an. Eine endgültige Entscheidung darüber stand zunächst noch aus.
Paul Watson im Januar 2026 bei der Trauerfeier für Brigitte Bardot in Saint-Tropez. Seine Stiftung betreibt das von Island beschlagnahmte Anti-Walfang-Schiff Bandero.
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Paul Watsons Crew wollte Islands Walfang stoppen
Die Bandero war im Rahmen der Kampagne „Operation 86“ nach Island gefahren. Die Captain Paul Watson Foundation hatte angekündigt, die Jagd auf Finnwale durch direkte Aktionen auf See verhindern zu wollen. Die Organisation wirft dem isländischen Unternehmer Kristján Loftsson und dessen Firma Hvalur vor, gegen das internationale Moratorium für kommerziellen Walfang zu verstoßen.
Island erlaubt den kommerziellen Walfang weiterhin und legt Quoten für Finn- und Zwergwale fest. Gemeinsam mit Norwegen und Japan gehört das Land zu den wenigen Staaten, in denen kommerzieller Walfang noch betrieben wird. Ein großer Teil des isländischen Walfleischs wird nach Japan exportiert. In Island selbst ist der Konsum inzwischen gering, zugleich wächst die Kritik an der Jagd.
Die Aktivisten hatten die isländischen Walfangschiffe bereits seit Wochen verfolgt. Mitte Juli war die Bandero zeitweise aus der isländischen Wirtschaftszone gefahren, später aber zurückgekehrt. Die Küstenwache hatte das Schiff wiederholt beobachtet und von ihm regelmäßige Positionsmeldungen verlangt.
Paul Watson wurde durch „Whale Wars“ bekannt
Der 75-jährige Paul Watson gründete einst die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd. Ihre teils spektakulären Konfrontationen mit Walfängern wurden durch die Fernsehserie „Whale Wars“ einem internationalen Publikum bekannt. 2022 verließ Watson Sea Shepherd und gründete seine eigene Stiftung.
2024 saß Watson fünf Monate in Grönland in Haft. Grundlage war ein japanischer Haftbefehl wegen eines Vorfalls aus dem Jahr 2010, bei dem Aktivisten ein japanisches Walfangschiff behindert haben sollen. Dänemark lehnte eine Auslieferung ab. Interpol strich Watson 2025 von seiner Fahndungsliste.
Watson hielt sich nun bewusst von der Bandero fern. Nach seiner Freilassung hatte er erklärt, er müsse vermeiden, in Island oder einem anderen Staat erneut aufgrund internationaler Fahndungsmaßnahmen festgenommen zu werden.
Bandero kollidierte mit Krill-Fangschiff
Die Bandero war bereits im März in einen schweren Zwischenfall verwickelt. Vor der Antarktischen Halbinsel kollidierte sie während einer Protestaktion mit dem norwegischen Krill-Fangschiff Antarctic Sea. Dessen Betreiber sprach von einem gezielten Rammmanöver, das die Besatzung und die Umwelt gefährdet habe.
Die Captain Paul Watson Foundation bezeichnete die Aktion dagegen als gewaltfreien Eingriff gegen die industrielle Krillfischerei. Nach ihrer Darstellung sollte das Fangschiff lediglich an seiner Arbeit gehindert werden. Die unterschiedlichen Schilderungen zeigen, weshalb Behörden Watsons Aktionen nicht nur als Protest, sondern auch als Sicherheitsrisiko behandeln.
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