Island hat den US-Botschafter Billy Long einbestellt, nachdem Präsident Donald Trump das Land auf einer Karte als Teil der Vereinigten Staaten dargestellt hatte. Außenministerin Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir habe Long am Montag deutlich gemacht, dass Trumps Beitrag „vollkommen unangemessen“ sei, berichteten der isländische Rundfunk RÚV und das Nachrichtenportal Vísir.
Die von Trump ohne Erklärung auf Truth Social veröffentlichte Karte zeigt die USA, Kanada, Grönland, Island, Mexiko, Mittelamerika und die Karibik unter einer US-amerikanischen Flagge. Die gesamte Landmasse ist mit „Vereinigte Staaten von Amerika“ beschriftet. Nach Angaben von Vísir wurde die Karte offenbar mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.
„Das ist meiner Meinung nach kein Scherz. Und wenn es ein Scherz sein soll, dann ist es ein schlechter“, sagte Gunnarsdóttir am Dienstag nach Angaben der isländischen Zeitung Heimildin. Island sei ein souveräner und unabhängiger Staat, der selbst über sein Schicksal entscheide. „Niemand sonst kann über unsere Unabhängigkeit oder Souveränität verfügen.“ Ministerpräsidentin Kristrún Frostadóttir bezeichnete den Unterton des Beitrags als lächerlich und als Beleidigung für Isländer, Kanadier und Grönländer.
Post von US-Präsident Donald Trump
© Screenshot/Truth Social
Botschafter sorgte schon zuvor für Ärger
Long hatte bereits vor seinem Amtsantritt einen diplomatischen Streit ausgelöst. Im Januar soll er gegenüber US-Abgeordneten gescherzt haben, Island werde nach Grönland der 52. Bundesstaat der USA und er selbst dessen Gouverneur. Nach Protesten in Island entschuldigte sich der frühere republikanische Kongressabgeordnete. Die Bemerkung sei nicht ernst gemeint gewesen, sagte er damals laut dem isländischen Medium Heimildin. Long trat seinen Botschafterposten in Reykjavik im August offiziell an.
Trump hat bislang keine Absicht erklärt, die Kontrolle über Island zu übernehmen. Er fordert jedoch seit längerem die amerikanische Kontrolle über Grönland und hatte auch eine gewaltsame Übernahme des weitgehend autonomen dänischen Gebiets nicht ausgeschlossen. Die Regierung und die Bevölkerung Grönlands lehnen einen Anschluss an die USA ab.
Trumps Karte erschien wenige Stunden nach der Ankündigung neuer EU-Investitionen in Grönland. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte bei einem Besuch in Nuuk 200 Millionen Euro für die Insel zu.
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erklärte dort erneut, die Grönländer hätten wiederholt deutlich gemacht, dass sie nicht amerikanisch werden wollten. Das US-Außenministerium äußerte sich zunächst nicht zu der Einbestellung Longs.
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