Genozid

Signal an Türkei? Israel erkennt Massaker an Armeniern als Völkermord an

Das Kabinett in Jerusalem stuft das osmanische Verbrechen als Genozid ein. Das dürfte auch Folgen auf die Beziehungen mit Ankara haben.

3 Min
Der israelische Außenminister Gideon Saar hatte den Vorschlag zu Anerkennung des Verbrechens an Armeniern im osmanischen Reich vorgebracht.

Der israelische Außenminister Gideon Saar hatte den Vorschlag zu Anerkennung des Verbrechens an Armeniern im osmanischen Reich vorgebracht.

© Christian Spicker/imago

Die israelische Regierung hat die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg offiziell als Völkermord eingestuft. Das israelische Kabinett billigte dazu am Sonntag einstimmig einen entsprechenden Vorschlag von Außenminister Gideon Saar zu den Massaker des Osmanischen Reiches. Das teilte das israelische Außenministerium mit. Der Beschluss gilt als Signal an die Türkei, mit der die Beziehungen angespannt sind.

Saar bezeichnete den Schritt als moralische Pflicht des jüdischen Staates. „Es ist nie zu spät, das Richtige zu tun“, schrieb er auf der Plattform X. Bei der Kabinettssitzung sagte er laut dem Magazin Politico zudem: „Es ist weithin anerkannt, dass das Osmanische Reich systematisch Verbrechen begangen hat, die einem Völkermord gleichkommen, mit dem Ziel, das armenische Volk zu vernichten“.

Nach Schätzungen wurden zwischen 1915 und 1923 rund 1,5 Millionen Armenier von Truppen des Osmanischen Reiches getötet. Mehr als 30 Staaten haben die Massaker bislang als Völkermord eingestuft, darunter Deutschland, Frankreich und die USA. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches lehnt diese Einordnung ab und spricht von wesentlich niedrigeren Opferzahlen im Kontext von Bürgerkriegswirren.

Israels Verhältnis zur Türkei zerrüttet

Israelische Regierungen hatten eine formelle Anerkennung lange vermieden, um die einst engen Beziehungen zur Türkei und zum strategischen Partner Aserbaidschan nicht zu belasten, wie etwa das israelische Nachrichtenportal Ynet berichtet. Das Verhältnis zu Ankara verschlechterte sich nach Beginn des Gaza-Krieges im Oktober 2023 deutlich. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warf Israel wiederholt einen Völkermord im Gazastreifen vor, was die israelische Regierung zurückweist.

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Der türkische Vizepräsident Cevdet Yilmaz bezeichnete die israelische Resolution laut dem Nachrichtenportal Politico bereits vor der Abstimmung als Versuch, eigene Verbrechen zu verschleiern. Saar erklärte dagegen laut dem Portal, der Beschluss sei keine Vergeltung für die Haltung Ankaras. Dass die Türkei falsche Darstellungen über Israel verbreite, schütze sie nicht vor historischen Wahrheiten.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte sich zudem bereits im August 2025 erstmals persönlich für eine Anerkennung des Völkermords ausgesprochen, wie die Times of Israel berichtet. Auf einer Pressekonferenz am Samstagabend bekräftigte er seine Unterstützung für die nun beschlossene Resolution. Der Beschluss muss nun noch vom Parlament bestätigt werden, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet.

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