Rüstungspaket

Trotz Empörung über 900-Kilo-Bomben in Gaza: Trump plant Zehntausende weitere für Israel

Joe Biden stoppte eine Lieferung dieser Munition aus Sorge vor hohen zivilen Opferzahlen. Nun bereitet die US-Regierung unter Donald Trump ein neues Paket für 2,8 Milliarden US-Dollar vor.

4 Min
Eine nicht explodierte Mark-84-Bombe steckt im Haus der Familie Al-Hatu in Gaza-Stadt. Bomben desselben Typs gehören zu dem geplanten US-Waffenpaket für Israel.

Eine nicht explodierte Mark-84-Bombe steckt im Haus der Familie Al-Hatu in Gaza-Stadt. Bomben desselben Typs gehören zu dem geplanten US-Waffenpaket für Israel.

© Omar Ashtawy/imago

Eine Mk84 wiegt rund 907 Kilogramm. Ihre Explosion kann große Krater reißen, Stahl und Beton durchschlagen und Splitter über weite Entfernungen schleudern. In dicht besiedelten Gebieten kann eine einzige Bombe dieses Typs ein großes Gebäude zum Einsturz bringen und umliegende Häuser schwer beschädigen.

Nun bereitet die Regierung von US-Präsident Donald Trump die Lieferung von 40.000 solcher Bomben an Israel vor. Das geplante Rüstungspaket hat einen Wert von 2,8 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 2,4 Milliarden Euro.

Die Angaben stammen von anonymen US-Beamten und Personen, die mit dem Vorhaben vertraut sind. Sie wurden von der Washington Post zuerst veröffentlicht und anschließend von Reuters und Associated Press bestätigt.

20.000 Mk84 und 20.000 BLU-117 für Israel

Das Paket umfasst demnach 20.000 Bomben vom Typ Mk84 und 20.000 BLU-117. Beide gehören zur Klasse der sogenannten 2000-Pfund-Bomben. Die BLU-117 ist eine Variante der Mk84 mit einer Schutzbeschichtung, die eine sicherere Lagerung auf Kriegsschiffen ermöglichen soll.

Nach Angaben der Washington Post sind außerdem 20.000 I-2000-Penetrator-Gefechtsköpfe vorgesehen. Diese Waffen sind für Angriffe auf stark befestigte oder unterirdische Ziele ausgelegt.

Das Geschäft ist noch nicht abgeschlossen. Die zuständigen Ausschüsse des US-Kongresses wurden bislang informell unterrichtet. Ein hochrangiger Regierungsbeamter erklärte gegenüber AFP lediglich, sämtliche Waffenverkäufe ins Ausland durchliefen das vorgeschriebene Verfahren.

Ein Soldat der US Air Force sichert eine GBU-31. Für diesen Typ kann eine Mark-84-Bombe mit einem satellitengestützten JDAM-Lenksatz ausgerüstet werden.

Ein Soldat der US Air Force sichert eine GBU-31. Für diesen Typ kann eine Mark-84-Bombe mit einem satellitengestützten JDAM-Lenksatz ausgerüstet werden.

© imago

Das US-Außenministerium teilte mit, geplante Verkäufe grundsätzlich erst nach der offiziellen Mitteilung an den Kongress zu kommentieren. Auch die israelische Botschaft äußerte sich zunächst nicht.

Schwere Bomben sorgten in Gaza für zivile Opfer

Israel setzte Bomben dieser Gewichtsklasse nach Recherchen der Washington Post Hunderte Male im Gazastreifen und im Libanon ein. Die Einsätze lösten internationale Kritik aus, weil der große Zerstörungsradius in dicht bebauten Gebieten zahlreiche Zivilisten gefährdet.

Das israelische Militär veröffentlicht nur wenige Angaben zu den verwendeten Munitionsarten. Fachleute identifizierten US-amerikanische 2000-Pfund-Bomben jedoch anhand von Trümmern, Einschlagskratern und Aufnahmen der Angriffe.

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Die Washington Post berichtete auch über Angriffe mit Mk84-Bomben auf Gebiete im Gazastreifen, die Israel zuvor als Schutzzonen für die Zivilbevölkerung ausgewiesen hatte. Israel erklärte, die schweren Bomben seien unter anderem gegen das Tunnelsystem und andere militärische Einrichtungen der Hamas eingesetzt worden.

Brian Finucane von der International Crisis Group sagte der Washington Post, die israelische Kriegführung im Gazastreifen und im Süden des Libanons wecke „ernste Bedenken“, wie solche Waffen in dicht besiedelten Gebieten verwendet würden.

Biden stoppte eine Lieferung – Trump hob Sperre auf

Der damalige US-Präsident Joe Biden ließ im Frühjahr 2024 eine Lieferung von 2000-Pfund-Bomben an Israel zurückhalten. Seine Regierung verwies auf die Gefahr hoher ziviler Opferzahlen bei einem Einsatz im Gazastreifen.

Trump hob die Sperre unmittelbar nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 auf. Im selben Jahr genehmigte seine Regierung laut Associated Press ein Rüstungsgeschäft mit Israel im Wert von fast drei Milliarden US-Dollar, das mehr als 35.500 Bomben dieser Gewichtsklasse umfasste.

Im Januar 2026 folgten weitere Waffenverkäufe an Israel im Gesamtwert von 6,67 Milliarden US-Dollar. Das nun geplante Paket wäre nach Angaben der Washington Post die größte einzelne Lieferung von 2000-Pfund-Bomben an Israel seit Jahren. Herstellung und Auslieferung könnten sich über mehrere Jahre erstrecken.

US-Steuergelder sollen Bomben finanzieren

Obwohl von einem Verkauf die Rede ist, soll der überwiegende Teil des Pakets aus der US-Militärhilfe finanziert werden. Über das Programm Foreign Military Financing stellt Washington Israel Geld zur Verfügung, mit dem das Land Waffen bei amerikanischen Herstellern kauft.

Im Kongress formiert sich Widerstand. Der demokratische Senator Chris Van Hollen kündigte an, Unterstützer gegen das Geschäft sammeln zu wollen. Die Lieferung von Bomben an die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu widerspreche Trumps Versprechen, amerikanische Interessen an die erste Stelle zu setzen, sagte er der Washington Post.

Zugleich haben die USA selbst mit Engpässen bei moderner Munition zu kämpfen. Ein Prüfbericht des US-Verteidigungsministeriums stellte fest, der gemeinsam mit Israel begonnene Iran-Krieg habe zu „strategischen Bestandslücken“ geführt und Probleme beim Nachschub offengelegt.

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