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Diplomatie

Israel und Hamas stimmen erster Phase von Friedensplan zu – Geiseln sollen freigelassen werden

Israel und die Hamas haben der ersten Phase eines Friedensplans von US-Präsident Donald Trump zugestimmt. Sie soll voraussichtlich am Donnerstagabend in Kraft treten.

Anika Schlünz AFP/Anika Schlünz
5 Min
US-Präsident Donald Trump

US-Präsident Donald Trump

© Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Nach rund zwei Jahren Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas haben beide Seiten einer ersten Phase eines Friedensplans von US-Präsident Donald Trump zugestimmt. „Das bedeutet, dass alle Geiseln sehr bald freigelassen werden und Israel seine Truppen auf eine vereinbarte Linie zurückziehen wird, als erste Schritte hin zu einem starken, dauerhaften und ewigen Frieden“, erklärte Trump in seinem Onlinedienst Truth Social.

Die Hamas bestätigte laut der Nachrichtenagentur Reuters, dass man sich auf eine Beendigung des Krieges geeinigt habe. Das Abkommen beinhalte demnach einen Rückzug Israels aus dem Gazastreifen und einen Austausch von Geiseln und Gefangenen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach in einem Beitrag auf X von einem „diplomatischen Erfolg“. „Mit der Genehmigung der ersten Phase des Plans werden alle unsere Geiseln nach Hause gebracht“, so Netanjahu.

Laut einem Bericht der Zeitung Times of Israel will die israelische Regierung gegen 18 Uhr (Ortszeit) zusammentreten, um einen Plan zur Freilassung aller in Gaza festgehaltenen Geiseln zu besprechen. Der Waffenstillstand im Gazastreifen soll demnach am Donnerstagabend in Kraft treten, nachdem die Regierung das Abkommen offiziell ratifiziert habe, hieß es. Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich kündigte in einem Beitrag auf X an, er werde nicht für einen Waffenstillstand stimmen, drohte jedoch nicht mit dem Sturz der Koalitionsregierung Netanjahus.

Verhandlungen in Ägypten

Das Vermittlerland Katar bezeichnete die Vereinbarung als „erste Phase des Gaza-Waffenruheabkommens“, das zur Beendigung des Krieges, zur Freilassung israelischer Geiseln und palästinensischer Gefangener und Bereitstellung von Hilfsgütern führen werde, erklärte ein katarischer Außenamtssprecher. Die Einzelheiten würden später bekannt gegeben.

Vermittler der USA, Katar und der Türkei waren in den vergangenen Tagen in Scharm el-Scheich an den Gesprächen zur Beendigung des Kriegs im Gazastreifen beteiligt. Laut staatsnahen ägyptischen Medien trafen am Mittwoch schließlich der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn des Präsidenten und Mitverfasser des Plans, in dem ägyptischen Badeort ein, um an den Gesprächen teilzunehmen.

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Grundlage für die Gespräche ist ein 20-Punkte-Plan, der vor rund einer Woche nach einem Treffen von Trump mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu bekannt gegeben wurde. Dieser sieht eine vollständige Entmachtung und Entwaffnung der Hamas im Gazastreifen vor sowie die sofortige Freilassung der verbliebenen israelischen Geiseln. Dafür soll die israelische Armee schrittweise aus dem Küstenstreifen abziehen und auch palästinensische Gefangene freilassen. Zudem umfasst der Plan eine Übergangsregierung unter der Führung eines internationalen Gremiums, dem Trump vorsitzen würde.

Trump: Geiseln könnten am Montag freigelassen werden

Aus Hamas-Kreisen hieß es, dass im Rahmen der ersten Phase 20 lebende Geiseln freigelassen werden sollen. Im Gegenzug sollen fast 2000 Palästinenser aus der Haft entlassen werden. 250 der freizulassenden palästinensischen Häftlinge verbüßen den Angaben nach lebenslange Freiheitsstrafen.

Es befinden sich noch immer 47 Geiseln in der Gewalt der Hamas, wobei einige nach Angaben der israelischen Armee bereits tot sind. Die Freilassung solle binnen 72 Stunden nach der Unterzeichnung des Abkommens erfolgen, hieß es weiter aus Hamas-Kreisen. Einem Reuters-Bericht zufolge sollte das Abkommen am Donnerstag gegen 11 Uhr in Ägypten unterzeichnet werden.

Trump sagte später in einem Interview mit dem Sender Fox News, er gehe von der Freilassung der Geiseln am Montag aus. „Es wird so viel unternommen, um die Geiseln freizubekommen und wir glauben, dass sie alle am Montag zurückkommen werden“, sagte er. Dazu gehörten auch die Leichen der Geiseln, die nicht mehr am Leben sind. Trump sagte außerdem, dass die USA eine Rolle beim Wiederaufbau des Gazastreifens und der Wahrung von Frieden und Sicherheit spielen würden.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf eine mit den Einzelheiten der Vereinbarung vertraute Quelle, dass israelische Geiseln bereits am Samstag freigelassen werden könnten.

Am Donnerstagmorgen waren Reuters zufolge im Süden Israels Explosionen im Gazastreifen zu hören und zu sehen, nur wenige Stunden nachdem Israel und die Hamas erklärt hatten, sie hätten sich auf einen Waffenstillstand und die Freilassung der Geiseln geeinigt.

In einem zuvor auf Truth Social veröffentlichten Beitrag dankte Trump den Vermittlerländern Katar, Ägypten und der Türkei. Kurz vor Bekanntgabe der Einigung hatte Trump gesagt, er werde „möglicherweise“ am Ende der Woche in den Nahen Osten reisen – wahrscheinlich nach Ägypten, er ziehe aber auch eine Reise in den Gazastreifen in Betracht.

Die israelische Armee bereitet sich nach eigenen Angaben auf die Aufnahme der Geiseln vor. Die Hamas hatte bereits eine Liste an palästinensischen Häftlingen in israelischen Gefängnissen übermittelt, die sie in der ersten Phase freigelassen sehen will.

Ausgelöst worden war der Krieg im Gazastreifen durch den Überfall von Kämpfern der Hamas und mit ihr verbündeter Islamisten auf Israel am 7. Oktober 2023. Nach israelischen Angaben wurden dabei mehr als 1200 Menschen getötet. 251 Menschen wurden in den Gazastreifen verschleppt.

Seither geht Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, mehr als 67.100 Menschen getötet. Die humanitäre Lage in dem Palästinensergebiet ist katastrophal.

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