Nahost

Israel und Libanon verlängern Waffenruhe nach Treffen im Weißen Haus um drei Wochen

US-Präsident Trump empfing die Botschafter beider Länder. Am Vortag hatte Israel im Südlibanon mindestens fünf Menschen getötet, darunter eine Journalistin.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
US-Präsident Donald Trump spricht im Oval Office des Weißen Hauses zu den Diplomaten.

US-Präsident Donald Trump spricht im Oval Office des Weißen Hauses zu den Diplomaten.

© Mark Schiefelbein/AP

Israel und Libanon haben ihre Waffenruhe um drei Wochen verlängert. Das teilte US-Präsident Donald Trump am Donnerstag nach einem Treffen im Weißen Haus mit, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Die bisherige Vereinbarung wäre am Sonntag ausgelaufen.

Trump empfing nach Reuters-Angaben den israelischen Botschafter in Washington, Yechiel Leiter, und die libanesische Botschafterin Nada Moawad zu einer zweiten Runde von US-vermittelten Gesprächen im Oval Office. Anwesend waren auch Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio sowie die US-Botschafter in Israel und im Libanon, Mike Huckabee und Michel Issa.

Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump laut Reuters, das Treffen sei „sehr gut“ verlaufen. Die USA wollten mit dem Libanon zusammenarbeiten, um das Land vor der Hisbollah zu schützen. Die mit dem Iran verbündete Miliz war an den Gesprächen nicht beteiligt. Sie beansprucht für sich das „Recht auf Widerstand“ gegen Besatzungstruppen.

Trump sagte vor Reportern, er hoffe, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der libanesische Präsident Joseph Aoun während der dreiwöchigen Feuerpause zusammenkommen. Es bestehe eine „große Chance“ auf ein Friedensabkommen noch in diesem Jahr.

Beirut will über Truppenabzug verhandeln

Botschafterin Moawad ging nach Reuters-Angaben in das Treffen mit dem Ziel einer Verlängerung der Waffenruhe. Ein libanesischer Vertreter erklärte zuvor gegenüber Reuters, Beirut werde in einer nächsten Verhandlungsphase einen israelischen Truppenabzug, die Rückkehr in Israel inhaftierter Libanesen und die Festlegung des Grenzverlaufs verlangen.

Botschafter Yechiel Leiter erklärte nach Angaben der israelischen Botschaft in Washington, die Gespräche müssten sich auf die Entwaffnung der Hisbollah konzentrieren, nicht auf einen israelischen Rückzug. Solange Hisbollah und Angehörige der iranischen Revolutionsgarden mit „Samthandschuhen“ angefasst würden, sei das gemeinsame Ziel nicht erreichbar.

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Trump forderte den Libanon zudem auf, Gesetze gegen Kontakte zu Israel abzuschaffen. Auf entsprechende Vorschriften angesprochen, sagte er nach Reuters-Angaben: „Ist es strafbar, mit Israel zu reden?“ Er werde dafür sorgen, dass dies rasch beendet werde.

Tote im Südlibanon trotz Feuerpause

Die jetzt verlängerte Waffenruhe trat am 16. April in Kraft und reduzierte die Gewalt deutlich. Im Süden des Libanon kam es jedoch weiter zu Angriffen. Israel hält dort nach Reuters-Angaben einen selbst erklärten Pufferstreifen besetzt, der fünf bis zehn Kilometer tief auf libanesisches Gebiet reicht.

Nach libanesischen Angaben tötete Israels Armee am Mittwoch mindestens fünf Menschen, darunter die Journalistin Amal Khalil von der Zeitung Al-Akhbar. Es war der bisher verlustreichste Tag seit Beginn der Waffenruhe. Die israelische Armee teilte laut Reuters mit, sie überprüfe einen Vorfall, bei dem zwei Journalisten verletzt worden seien. Die Angriffe hätten Fahrzeugen gegolten, die ein von der Hisbollah genutztes militärisches Gebäude verlassen hätten. Israel ziele nicht auf Journalisten.

Nach Angaben der US-Journalistenschutzorganisation Committee to Protect Journalists (CPJ) sind seit dem 2. März im Libanon mindestens acht Journalistinnen und Journalisten bei israelischen Angriffen getötet worden: Mohamed Sherri, Hussain Hamood, Ali Shoaib, Fatima Ftouni, Mohamad Ftouni, Ghada Dayekh, Suzan Khalil und Amal Khalil. In mehreren Fällen prüft die CPJ noch, ob die Tötungen mit der journalistischen Tätigkeit der Betroffenen zusammenhingen. Israels Armee erklärte zu einzelnen Angriffen, die Vorwürfe würden geprüft; Journalisten seien nicht Ziel der Angriffe gewesen.

Der Hisbollah-Abgeordnete Hassan Fadlallah sagte nach Reuters-Angaben, seine Organisation wolle die Feuerpause fortsetzen, jedoch nur bei „vollständiger Einhaltung durch den israelischen Feind“. Er forderte die libanesische Regierung auf, alle direkten Kontakte mit Israel einzustellen.

Die Kämpfe zwischen der Hisbollah und Israel flammten am 2. März wieder auf, als die Miliz laut Reuters das Feuer eröffnete, um den Iran zu unterstützen. Seither sind nach libanesischen Behördenangaben rund 2500 Menschen im Libanon getötet worden. Die Waffenruhe im Libanon kam Reuters zufolge unabhängig von den US-Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts mit dem Iran zustande.

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