Wer trägt die Schuld an einer Katastrophe irgendwo auf der Welt? Die Antwort steht beim „Israel Conspiracy Generator“ schon vorher fest: Israel. Der frühere Sprecher und Berater von Benjamin Netanjahu, David Keyes, hat eine satirische Internetseite veröffentlicht, die auf Knopfdruck neue Verschwörungserzählungen produziert.
Mithilfe der KI Grok kombiniert der Generator nach einem Bericht der Jerusalem Post einen zufällig gewählten Ort mit einem Unglück oder einer Katastrophe. Daraus entsteht eine Theorie, die stets zu Israel führt. Über der Anwendung steht der Satz: „Denn du weißt, wer es getan hat.“
Ceuta: Spielen Israel und Amerika eine Rolle? Was hinter den Theorien zur Krise steckt
Grok erzeugt auf Knopfdruck angebliche Israel-Komplotte
„Schaut euch meinen Israel-Verschwörungsgenerator an, damit ihr immer wisst, wem ihr die Schuld geben müsst“, schrieb Keyes auf X. Der frühere Auslandssprecher Netanjahus veröffentlichte dazu einen Link auf die mit Grok erstellte Seite.
Wenig später nahm Keyes sogar seine eigene englische Grammatik zum Anlass für einen weiteren Scherz. Er hätte „whom to blame“ schreiben müssen, sei aber so sehr auf Israel konzentriert gewesen, dass seine Grammatik gelitten habe. „Verdammt seist du, Israel“, schrieb er.
Die Seite ist eindeutig als Satire angelegt. Sie reagiert jedoch auf ein reales Muster: Nach internationalen Krisen verbreiten sich in sozialen Netzwerken immer wieder unbelegte Behauptungen, Israel oder Juden hätten die Ereignisse heimlich ausgelöst oder profitierten davon.
Ceuta-Krise wird mit altem Netanjahu-Beitrag verknüpft
Zuletzt wurde Israel ohne Belege mit dem Massenübertritt Zehntausender Menschen aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta in Verbindung gebracht. Accounts aus unterschiedlichen politischen Lagern behaupteten, Israel habe die Krise geplant oder unterstützt.
Als vermeintlicher Beleg diente unter anderem ein alter Beitrag von Jair Netanjahu. Der Sohn des israelischen Regierungschefs hatte 2019 gefordert, Israel und Spanien sollten keine Organisationen finanzieren, die territoriale Forderungen gegen das jeweils andere Land unterstützten. Dabei nannte er Ceuta und Melilla sowie das Westjordanland. Der Jahre zurückliegende Beitrag wurde nun aus seinem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und als Hinweis auf eine israelische Beteiligung verbreitet.
Auch die rechtskonservative US-Kommentatorin und Podcasterin Candace Owens teilte den alten Beitrag. Weitere Behauptungen kamen nach Angaben der Jerusalem Post sowohl von rechten als auch von linken Accounts. Für eine Beteiligung Israels an dem Massenübertritt liegen keine Belege vor.
Selbst der fehlende Kaffee in der eigenen Küche führt beim satirischen Generator am Ende zu Israel.
© David Keyes/israelconspiracygenerator.grok.me
Juden für Europas Waldbrände verantwortlich gemacht
Parallel verbreiteten sich Verschwörungstheorien zu den schweren Waldbränden in Europa. Die Organisation CyberWell entdeckte nach eigenen Angaben nahezu identische Beiträge auf Englisch, Französisch und Spanisch. Darin wurde behauptet, Juden hätten Brände in Norwegen, Frankreich und Spanien absichtlich gelegt oder aus politischen und finanziellen Gründen organisiert.
Allein Beiträge über die Feuer in Norwegen erreichten laut CyberWell mehr als zwei Millionen Aufrufe auf X. Inhalte zu den spanischen Waldbränden wurden demnach mehr als 69.000 Nutzern angezeigt. Die Organisation meldete die Beiträge bei der Plattform.
CyberWell spricht von einem wiederkehrenden „ereignisgetriebenen Antisemitismus“: Bei Katastrophen, Anschlägen oder Krankheitsausbrüchen würden bekannte Erzählungen über eine angebliche geheime jüdische Kontrolle an das jeweils aktuelle Thema angepasst. Mitunter gingen die Beiträge später in offene antisemitische Beschimpfungen, Vertreibungsforderungen und entmenschlichende Darstellungen über.
Ein gesunkenes Boot in der Antarktis und ein Stromausfall in Tokio: Der satirische Generator konstruiert auch daraus absurde Verbindungen zu Israel.
© David Keyes/israelconspiracygenerator.grok.me
Berlin verzeichnet mit Abstand die meisten antisemitischen Vorfälle
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