Israels Verteidigungsminister Israel Katz hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor einer Ausweitung der türkischen Militärpräsenz in Syrien gewarnt. Erdogan ziehe sein Land in „gefährliche Abenteuer in Syrien“ hinein, schrieb Katz am Donnerstag auf Hebräisch und Türkisch im Onlinedienst X. „Israel wird niemandem erlauben, seine Sicherheit zu bedrohen.“
Es sei besser für Erdogan, „weiterhin leere, wahnhafte Reden gegen Israel im türkischen Parlament zu halten, als Israels Entschlossenheit zur Selbstverteidigung auf die Probe zu stellen“.
Hintergrund ist ein israelischer Luftangriff vom Dienstag auf den seit 2012 außer Betrieb befindlichen Militärflughafen Abu Duhur in der nordwestsyrischen Provinz Idlib. Nach syrischen Angaben gab es keine Toten. Israel begründete den Angriff damit, dass Damaskus im Begriff gewesen sei, eine türkische Truppenstationierung auf dem Gelände zuzulassen.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte in einem auf X veröffentlichten Video, Israel dulde keine türkische Militärpräsenz, die weiter nach Süden reiche. Man habe Ankara eine Botschaft übermittelt, diese sei jedoch offenbar nicht gehört worden: „Wir haben dafür gesorgt, dass sie besser verstanden wurde.“
Türkei und Syrien bestreiten Stützpunktpläne
Die Türkei wies eine Militärpräsenz auf dem Flughafen zurück. „Vor oder während des israelischen Angriffs“ habe sich keine türkische Militärabordnung auf dem Stützpunkt befunden, sagte Zeki Aktürk, Sprecher des türkischen Verteidigungsministeriums, laut der Nachrichtenagentur AFP vor Journalisten.
Die israelischen Vorwürfe zielten darauf ab, „die Stabilität, die Sicherheit, die Einheit und die Integrität Syriens zu untergraben“. Ankara werde Syrien weiter beim Aufbau eigener militärischer Fähigkeiten unterstützen. Israel solle „solche rücksichtslosen Angriffe einstellen“ und das Völkerrecht einhalten.
Syriens Außenminister Asaad al-Schaibani sagte dem US-Portal Axios, es gebe keine Pläne für einen türkischen Stützpunkt in Abu Duhur. Türkische Offiziere hätten die Anlage einige Tage vor dem Angriff besucht, dies sei aber Teil einer „laufenden militärischen Zusammenarbeit im Bereich Ausbildung und Erfahrungsaustausch“ gewesen. Ähnliche Kooperationen bestünden auch mit Saudi-Arabien, Jordanien, Katar und Russland.
Nach Angaben von Reuters hatte al-Schaibani das Thema türkischer Militäraktivitäten am 14. August in einem seltenen Telefonat mit dem Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Roman Gofman, erörtert.
Türkei seit Jahren militärisch in Nordsyrien präsent
Die türkische Militärpräsenz in Syrien reicht weit über den aktuellen Streit hinaus. Reuters bezifferte sie 2025 auf einige Tausend Soldaten, unter anderem in Afrin, Azez, Jarablus, Ras al-Ain und Tal Abyad. Diese Einflusszonen entstanden durch mehrere türkische Militäroperationen seit 2016, darunter die Einnahme Afrins 2018 und der Vorstoß zwischen Tal Abyad und Ras al-Ain 2019.
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Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bezeichnet große Teile Nordsyriens auch in ihrem Bericht für 2026 als von der Türkei faktisch besetzt und kontrolliert. Ankara begründet seine Präsenz vor allem mit dem Vorgehen gegen kurdische Kräfte, die es als mit der PKK verbunden betrachtet.
USA arbeiten an Vermittlungsmechanismus
Aus Washington kam Kritik am Vorgehen Israels. Der US-Sondergesandte für Syrien, Tom Barrack, bezeichnete den Luftangriff laut Reuters als „unnötige Eskalation“, die der regionalen Stabilität nicht dienlich sei. Die USA arbeiteten an einem Mechanismus zur Konfliktvermeidung zwischen Israel, der Türkei und Syrien.
Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, sagte Reuters, ein „Deeskalationsprozess“ werde gerade aufgebaut, müsse aber noch verfeinert werden. Er sehe kein unmittelbares Risiko einer direkten Konfrontation zwischen Israel und der Türkei.
Die Türkei ist ein wichtiger Verbündeter der syrischen Übergangsregierung von Präsident Ahmed al-Scharaa, der das Land seit dem Sturz von Baschar al-Assad im Dezember 2024 anführt.
Israel hat seither mehrfach Ziele in Syrien angegriffen und Truppen in eine zuvor von UN-Kräften kontrollierte Pufferzone im Süden entsandt. Als Begründung wurden unter anderem der Schutz der drusischen Minderheit und die Einrichtung einer „Sicherheitszone“ im Süden Syriens genannt.
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