Westjordanland

Israels Armee schützt Abgeordneten – dann greift er zum Vorschlaghammer

Für einen genehmigten Rundgang wurden Soldaten von anderen Aufgaben abgezogen. Zvi Sukkot nutzte die Eskorte für eine nicht genehmigte Aktion – die Armee wirft ihm bewusste Täuschung vor.

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Palästinenser begutachten das beschädigte Denkmal in Madama nahe Nablus.

Palästinenser begutachten das beschädigte Denkmal in Madama nahe Nablus.

© Nedal Eshtayah/imago

Ein israelischer Abgeordneter hat im besetzten Westjordanland mit einem Vorschlaghammer ein palästinensisches Denkmal schwer beschädigt. Besonders brisant: Soldaten der israelischen Armee sicherten den Besuch von Zvi Sukkot und seinen Begleitern in dem Dorf Madama südlich von Nablus ab.

Aufnahmen zeigen den Politiker der rechtsnationalen Partei Religiöser Zionismus und mehrere Begleiter an dem Denkmal. Ein Soldat steht unmittelbar daneben, weitere Einsatzkräfte und ein Militärfahrzeug sind in der Nähe zu sehen. Sukkot bestätigte später, an der Aktion beteiligt gewesen zu sein.

„Jedes Kind, das jeden Tag ein riesiges Denkmal sieht, das Mörder von Juden verherrlicht, wird davon träumen, Terrorist zu werden“, schrieb der Abgeordnete auf X. Er habe die Armee zuvor mehrfach aufgefordert, solche Denkmäler zu beseitigen. Die Aktion in Madama sei lediglich „ein kleiner Vorgeschmack“ gewesen, berichtete die Jerusalem Post.

Armee wirft Sukkot Täuschung vor

Die israelische Armee widersprach jedoch Sukkots Darstellung, sein Vorgehen sei mit den Sicherheitskräften abgestimmt gewesen. Genehmigt worden sei lediglich ein Rundgang durch die Ortschaften Beita, Burin und Madama.

Sukkot hatte diesen nach Angaben der Armee am 12. August als „Tour zu Denkmälern“ angemeldet. Für den Besuch seien Soldaten von ihren regulären Aufgaben abgezogen worden. Die Zerstörung des Denkmals sei jedoch nicht Teil der Absprache gewesen.

Die Teilnehmer hätten „täuschend und manipulativ“, ohne Befugnis und entgegen dem genehmigten Ablauf gehandelt, erklärte das Militär. Nachdem die Soldaten ihre Vorgesetzten informiert hätten, sei die Aktion gestoppt und die Gruppe aus dem Dorf gebracht worden. Die eingesetzten Kräfte seien unnötig gefährdet worden, heißt es in der von der Times of Israel veröffentlichten Stellungnahme.

Auch Ynet berichtet, die Armee habe Sukkot vorgeworfen, die Soldaten belogen und manipuliert zu haben. Das Militär hatte demnach zuvor sogar empfohlen, den Besuch zu verschieben.

An wen erinnert das Denkmal?

Israelische Medien bezeichnen die beschädigte Anlage als „Märtyrerdenkmal“. Nach Angaben der Times of Israel erinnert sie an Bewohner Madamas, die im israelisch-palästinensischen Konflikt getötet wurden. Unter den Genannten sollen sich auch Männer befinden, die an Anschlägen auf Israelis beteiligt waren.

Der Vorsitzende des Dorfrats, Rami Nassar, beschrieb die Anlage gegenüber der Nachrichtenagentur AFP umfassender. Auf ihr stünden die Namen von Palästinensern, die bei einer Schlacht im Jahr 1968, während der ersten und zweiten Intifada sowie in den folgenden Jahren getötet worden seien.

Fotos nach dem Vorfall zeigen, dass das Denkmal noch steht, jedoch erheblich beschädigt wurde.

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Netanjahu nennt Vorgehen „inakzeptabel“

Die Aktion löste auch innerhalb der israelischen Regierung Kritik aus. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, allein die Armee sei im Westjordanland für die Umsetzung politischer Entscheidungen zuständig. Dass öffentliche Amtsträger das Gesetz in die eigene Hand nähmen, sei „inakzeptabel“ und behindere die Sicherheitskräfte bei ihren eigentlichen Aufgaben.

Außenminister Gideon Sa’ar betonte, Sukkot sei im Westjordanland „nicht der Souverän“. Entscheidungen müssten vom Staat und seinen Institutionen getroffen und umgesetzt werden.

Finanzminister Bezalel Smotrich, der wie Sukkot der Partei Religiöser Zionismus angehört, stellte sich nur teilweise hinter seinen Parteifreund. Der Staat hätte das Denkmal seiner Ansicht nach längst entfernen müssen. Eine solche Maßnahme dürfe jedoch ausschließlich von der Armee ausgeführt werden.

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