WASHINGTON. Wirtschaftskrise? Gesundheitsreform? Kriege in Afghanistan und Irak? Stoff gäbe es genug, die Bürgersprechstunden der Abgeordneten zu füllen, die im Sommer in ihre Wahlkreise zurückkehren. Stattdessen erwartet die republikanischen Repräsentanten und Senatoren ein altes, aber frisch aufgekochtes Thema: Ist Barack Obama ein Bürger der Vereinigten Staaten oder ein illegaler Einwanderer?Eine russisch-stämmige Anwältin nährt von Kalifornien aus Gerüchte, Obama sei nicht am 4. August 1961 in Hawaii zur Welt gekommen, sondern in einem kenianischen Slum. Damit sei er nicht berechtigt gewesen, für das Präsidentenamt zu kandidieren. Ihre Anhänger fordert Orly Taitz auf, mit Videokameras bewaffnet konservative Abgeordnete zur Rede zu stellen. Unfassbar, was die jetzt in Bürgersprechstunden erleben: zuletzt der Republikaner Mike Castle in Delaware. Eine Frau im Publikum präsentierte ihre mit Papierfähnchen geschmückte Geburtsurkunde. Warum er und seine Kollegen ignorierten, dass Obama in Kenia geboren sei, echauffiert sich die Frau. Als Castle sie mit den Fakten konfrontiert, buht das Publikum.Das Video von der Veranstaltung erzielte auf You Tube mehr als eine halbe Million Klicks. Rechte Radio-Talker wie Gordon Libby suggerieren allen Ernstes, Obama sei ein "illegaler Fremder". Als vergangene Woche CNN-Moderator Lou Dobbs das Thema aufgriff, griff der Chef des Senders ein, und ließ den Populisten Dobbs per E-Mail wissen, es gebe "keine legitime Grundlage" für die Story.Tatsächlich haben Organisationen, Medien und Politiker unterschiedlichster Couleur unabhängig voneinander die Echtheit der Geburtsurkunde überprüft und bestätigt. Nicht genug für ein gutes Dutzend Republikaner im Kongress: Ihr Gesetzesentwurf verlangt von Präsidentschaftsbewerbern, ihre Original-Geburtsurkunde vorzulegen.Die bizarre Fußnote zur Wahl des ersten schwarzen Präsidenten zeigt Potenzial, zum politischen Problem zu werden.
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