ANKARA/STOCKHOLM. 21. Dezember. Die Türkei und Italien haben offenbar Gespräche über die Abschiebung von PKK-Chef Abdullah Öcalan in ein Drittland aufgenommen. Wie die halbamtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Montag aus Rom meldete, wollen beide Regierungen den Chef der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) an ein Drittland überstellen. Zu diesem Zweck seien türkische und italienische Diplomaten in der Nacht zum Montag in der türkischen Botschaft in Rom zusammengekommen. Aus der türkischen Botschaft verlautete lediglich, bei dem Treffen sei es um das Schicksal des PKK-Chefs gegangen. Unterdessen erstatteten zwei nach Schweden geflohene kurdische Familien Strafanzeige gegen Öcalan wegen Anstiftung zum Mord. Das römische Berufungsgericht wollte sich am Dienstag sowohl mit Öcalans Asylantrag als auch mit dem türkischen Auslieferungsantrag befassen.Die Türkei hatte am Freitag ihre Forderung nach Auslieferung des PKK-Chefs durch Italien bekräftigt, wo Öcalan im November eingereist und um politisches Asyl gebeten hatte. Das italienische Recht verbietet es aber, einen Verdächtigen an ein Land auszuliefern, in dem es die Todesstrafe gibt. Inzwischen kann sich Öcalan in Italien frei bewegen, nachdem das römische Berufungsgericht in der vergangenen Woche seinen Hausarrest aufgehoben hatte. Zur Begründung hieß es, Deutschland habe auf die Auslieferung des per Haftbefehl gesuchten Kurdenführers verzichtet.Wie die schwedische Nachrichtenagentur TT am Montag meldete, wirft eine der Familien Öcalan vor, Anfang der 90er Jahre den Mord an einem 30jährigen Syrer befohlen zu haben. Die zweite Familie macht ihn für das Attentat auf Lamia Baksi verantwortlich, der für die PKK in den türkischen Kurdengebieten aktiv war. Die Kläger hoffen, daß die schwedische Polizei Öcalan in Rom auch zu diesen Vorwürfen befragt. Öcalan hatte Stockholm angeboten, im Fall des Ende Februar 1986 ermordeten schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme auszusagen. Ein ehemaliger PKK-Kommandeur hatte im April erklärt, seine Organisation habe Palme getötet, da Schweden acht PKK-Aktivisten ausliefern wollte.In Ankara traf am Montag der italienische Industrieminister Pier Luigi Bersani ein. Er wollte sich um eine Verbesserung der Handelsbeziehungen bemühen, die durch die Öcalan-Affäre stark beeinträchtigt sind. Durch den türkischen Boykott italienischer Produkte entstand nach Angaben einer italienischen Quelle in Ankara ein Schaden von mindestens 320 Milliarden Lire (etwa 322 Millionen Mark). (AFP)
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