Vier Monate lang haben wir einmal pro Woche abends in der Volkshochschule in Kreuzberg den Erläuterungen von Signora Giulia gelauscht, haben auf ihre Fragen geantwortet, Vokabeln gepaukt und Unmengen von verflixt unregelmäßigen Verben konjugiert. Nun folgt der Praxistest: Wir fahren nach Italien. Schon vor der Fährüberfahrt von Neapel zu unserer kleinen Insel vor Sizilien kommt die Ernüchterung. Auf unsere Frage, wo denn das Schiff ist (dov' è nave?), gibt der befragte Neapolitaner prompt zurück: "Do you speak English?"Im Urlaubsort können wir ebenfalls wenig von unserem Schulwissen anbringen. Die Frage nach der Haltestelle des Busses, der zum Museum fährt, entfällt - auf dem Inselchen gibt es weder ein Museum noch Straßen. Dort traben nur Maultiere über steile Treppenpfade. Auch die Öffnungszeiten der Post kriegen wir ohne langes Palaver mit: Einmal am Morgen eine Stunde. Dafür diskutieren wir des öfteren mit unseren neuen Freunden Maria Teresa und Natale: über Berlusconi, den teuren Euro, die Fußball-Europameisterschaft und die enttäuschende italienische Mannschaft. Wenn die Worte fehlen, kommen Hände und Füße zum Einsatz.Wir haben gelernt, antworten wir nach der Rückkehr auf Signora Giulias Frage, wie der Urlaub war. Nämlich, dass man sich auch mit kleinem Wortschatz und schlechter Grammatik gut verstehen kann.
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