Deutschrap

„Ich habe Angst um mein Leben“: Einblick in die Ermittlungsakte von Capital Bra

Vor sieben Jahren soll der Berliner Rapper um Hunderttausende Euro erpresst worden sein. Nun kommen neue Details aus den damaligen Ermittlungen ans Licht.

5 Min
Capital Bra hält mit insgesamt 22 Nummer-eins-Singles den Rekord der deutschen Singlecharts.

Capital Bra hält mit insgesamt 22 Nummer-eins-Singles den Rekord der deutschen Singlecharts.

© Jan Huebner/imago

Er verkaufte mehr als zwölf Millionen Tonträger, 22-mal schafften es seine Singles auf Platz eins der deutschen Charts – häufiger gelang das keinem anderen Künstler. Capital Bra gehört damit zweifellos zu den erfolgreichsten Deutschrappern aller Zeiten.

Doch der Berliner sorgt nicht nur mit seiner Musik für Aufmerksamkeit. Immer wieder macht er auch abseits der Bühne von sich reden. Erst vor einigen Monaten musste er wegen Drogen mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden – wobei er sowohl die Fahrt als auch Teile der Behandlung selbst in einem Livestream auf TikTok übertrug.

Forderungen von 500.000 Euro bis 5 Millionen Euro

In einer neuen Dokumentation steht der 31-jährige Rapper nun ein weiteres Mal im Mittelpunkt. Dieses Mal jedoch nicht wegen etwaiger Drogenexzesse, sondern wegen seiner angeblichen Verbindungen zu Berliner Großfamilien und einer mutmaßlichen Erpressung vor sieben Jahren. Im zweiten Teil der Spiegel-TV-Doku „Im Verhör: Gangsterrap und Großfamilien“ gibt es nun Einblick in die Ermittlungsakten.

Gleich auf der ersten Seite steht die Strafanzeige des Rappers wegen Schutzgelderpressung vom 29. Oktober 2019 – genau der Zeit, als Capital Bra die deutschen Charts dominierte.

Laut der Akte erfuhr der Rapper von einem Freund, auf einer speziellen Liste zu stehen. Demnach hätten tschetschenische Männer – angeblich von der Familie Miri – eben jenen Freund in Wedding mit einem Auto ausgebremst und nach Capital Bra gefragt. Sie bekämen noch Geld von ihm, so die Unterstellung. Im Raum standen laut der Doku Forderungen von 500.000 Euro bis fünf Millionen Euro.

Das deckt sich ungefähr mit den Zahlen, die bereits damals kursierten. 2019 berichtete die Bild, dass es bei der mutmaßlichen Erpressung des Rappers um 500.000 Euro sowie Beteiligungen an seinen zukünftigen Einnahmen gehe. Demnach behaupteten die Erpresser damals, sie hätten Capital Bra beim Aufbau seiner Karriere geholfen.

Angeblich sollen neben einigen Tschetschenen auch Mitglieder des El-Zein- sowie des Miri-Clans in die Erpressung verstrickt gewesen sein. Auch die Berliner Zeitung berichtete damals.

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In der Doku tauchen nun auch Vernehmungsaufzeichnungen zwischen dem Rapper und dem für die Organisierte Kriminalität zuständigen Landeskriminalamt (LKA) 4 auf. Dabei soll Capital Bra auf die Frage, ob er der Familie Miri Geld schulde, geantwortet haben: „Nein, ich schulde niemandem Geld.“ Und auf die Nachfrage, ob er die Bedrohung ernst nehme: „Ja, ich habe Angst um mein Leben.“

In einer weiteren Vernehmung geht es um die Vorgeschichte des Falls. Am 30. Oktober 2019 schilderte Capital Bra, wie er sich von seinem früheren Team getrennt hatte. „Ich kam da nicht aus dem Vertrag raus“, so der Berliner Rapper. Von da an hätten plötzlich Leute aus Großfamilien mitbestimmen wollen, weshalb er sich Hilfe bei Albanern gesucht haben soll.

Doch auch danach wurde es laut dem Rapper nicht besser: „Ich habe relativ schnell gemerkt, dass ich von der einen Scheiße in die andere geraten bin.“

Später soll es laut Ermittlungsakten zu einem Treffen im Ritz-Carlton am Potsdamer Platz gekommen sein, bei dem Vertreter der Remmos, Tschetschenen und angebliche Mitglieder des Miri-Clans zusammensaßen. Das Treffen wurde von der Polizei mit Fotos dokumentiert, auf denen auch Ashraf und Issa Remmo zu sehen gewesen sein sollen. Letzterer sorgte zuletzt für Schlagzeilen, nachdem er auf der Wahlparty der Linken in Neukölln aufgetaucht war. Ashraf Remmo wiederum war damals laut Doku der Manager von Capital Bra.

Ahmad Miri: „Ich habe mit Capital nichts zu tun“

Nur wenige Tage nach den Vernehmungen statteten drei Beamte des LKA Issa Remmo einen Besuch ab. Im Vermerk heißt es, er habe sichtlich mit der Fassung gerungen und von großen Problemen gesprochen: „Er würde seit Tagen nicht schlafen können“, wird er wiedergegeben. Mit der Sache selbst, der angeblichen Schutzgelderpressung, habe er jedoch nichts zu tun. Über die Tschetschenen sagte er laut Akte, dass sie „wie Schatten“ seien.

Ashraf Remmo indes erschien mit seinem Anwalt zur Befragung und verweigerte seine Aussage.

Zwei mutmaßlich an der Erpressung beteiligte Brüder gaben derweil an, gut mit Capital Bra befreundet zu sein und keine Forderungen gegen ihn zu haben. In einer späteren Vernehmung lautete ihre Antwort auf die Frage, ob sie den Rapper überhaupt kennen würden, allerdings: „Nein, wer ist das?“

Bereits 2019 wies Ahmad Miri, ein führendes Mitglied des Miri-Clans, der auch „Patron“ genannt wird, in einem Video jede Verwicklung in den Fall zurück und erklärte, er habe den Musiker nur zwei- oder dreimal getroffen. „Die Frage, die mir am meisten gestellt wird: Ahmad, hast du mit der Sache etwas zu tun? Hast du Streit mit Capital? Hast du Capital bedroht? Hast du Capital erpresst? Ich muss etwas klarstellen: Ich habe mit Capital nichts zu tun“, betonte der Mann.

Capital Bra selbst machte es den Ermittlern offenbar alles andere als leicht. Er lud einen Instagram-Post hoch und wurde laut der Akte telefonisch gewarnt: „Ihm wurde erneut geraten, derartige Veröffentlichungen zu unterlassen und die Situation nicht weiter zu eskalieren.“ Ab Mitte November war der Rapper dann nicht mehr für das LKA erreichbar. Wie das Verfahren schließlich endete, wird in der Doku nicht klar. Einen Fragenkatalog ließ Capital Bra unbeantwortet.

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