WIESBADEN/BERLIN, 11. Januar. Die Wirtschaft in Deutschland hat im vergangenen Jahr das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung erlebt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag trotz drastisch höherer Ölpreise real um 3,1 Prozent. Der Präsident der Bundesanstalt, Johann Hahlen, sprach von einem "rundum soliden Wachstum". 1998 hatte es bei 2,1 und 1999 bei 1,6 Prozent gelegen. Die Jahresteuerungsrate stieg wegen des höhen Ölpreises im vergangenen Jahr allerdings um 1,9 Prozent. Dieses Volumen wurde zuletzt 1997 festgestellt. Das Bundesfinanzministerium hob mit Blick auf die Daten aus Wiesbaden hervor, wichtige Wachstumsimpulse seien vor allem vom Außenhandel ausgegangen. Dieser habe vom kräftigen weltweiten Aufschwung, der gestiegenen deutschen Wettbewerbsfähigkeit und der schwachen Bewertung des Euro profitiert. Aber auch die Binnennachfrage sei "stark" gewesen. Vor allem die Ausrüstungsinvestitionen hätten zugelegt. Dagegen wirkten den Angaben zufolge die im Jahresvergleich nochmals rückläufigen Bauinvestitionen weiter als Konjunkturbremse. Fortschritte bei ProduktivitätHahlen betonte, der Exportboom im vergangenen Jahr sei nicht so sehr auf die Euro-Abwertung zurückzuführen, sondern eher auf die Produktivitätsfortschritte der deutschen Industrie und auf die moderate Lohnpolitik der Tarifpartner. Die konjunkturelle Entwicklung trug auch zur Besserung auf dem Arbeitsmarkt bei. Das Finanzministerium verweist darauf, dass die Erwerbstätigenzahl im Jahresdurchschnitt um 585 000 stieg und die Arbeitslosenzahl um 210 000 fiel. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine Fortsetzung des Aufschwungs sind aus der Sicht der Bundesregierung weiter günstig. Gleichwohl müsse damit gerechnet werden, dass die Dynamik im Jahresverlauf "etwas nachlassen" dürfte. Das Finanzministerium begründet diese Prognose, die sie zuvor mit 2,75 Prozent beziffert hatte, mit den nachlassenden außenwirtschaftlichen Impulsen, den auslaufenden Effekten des schwachen Euro und der straffen Geldpolitik der europäischen Zentralbank. Die ab Januar wirksam gewordenen Steuerentlastungen kämen daher "im richtigen Moment und stützen die Konjunktur". Welchen Einfluss die aktuelle Wechselkursentwicklung des Euro auf das Wachstum und die deutschen Exporte haben wird, ist nach den Worten von Präsident Hahlen nur schwer abzuschätzen. Eine entscheidende Rolle werde der Entwicklung der Weltwirtschaft zukommen, eine Abschwächung würde sich sicherlich auch auf die deutschen Exporte auswirken. Weitere Informationen:www.statistik-bund.de
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