Er ist mit großen Ambitionen gestartet: Der Journalist und Autor Constantin Schreiber, nach Stationen als „Tagesschau“-Sprecher und als Global Reporter bei Axel Springer nun wieder für eigene Formate unterwegs, besucht den Osten Deutschlands.
Sein Befund über die Berichterstattung anderer Kollegen fällt im Vorfeld kritisch aus: So, wie viele Journalisten über „den Osten“ berichteten, wirke es manchmal wie ein Zoobesuch, so der 47-Jährige.
„Man kommt aus Hamburg, Köln oder Berlin, schaut sich in Magdeburg um und berichtet einem Publikum im Westen, warum ‚der Osten‘ so anders ist“, analysiert Schreiber auf Instagram. Das finde er journalistisch schwierig.
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Die Perspektive mal umdrehen
Nun, kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, macht sich der gebürtige Niedersachse selbst auf den Weg, um es besser zu machen. „Ich will versuchen, die Perspektive mal umzudrehen: Was kann ich lernen? Warum berichten wir häufig so anders? Warum ist ‚der Westen‘ der Maßstab?“
Seine These: Viele Menschen in den neuen Bundesländern würden sich von traditionellen Medien abwenden, weil ihnen immer gesagt werde, sie seien anders, komisch, lebten in einem Krisengebiet.
Auf seinen Social-Media-Kanälen kann man Ausschnitte jener Gespräche sehen, die Schreiber derzeit in Sachsen-Anhalt führt. Besonders gut kommt ein Video mit einem 88 Jahre alten Mann aus Naumburg an, der in Schreibers Mikro sagt, er sei mit seinem Leben und den Zuständen vor Ort zufrieden.
Das manchmal vermittelte Bild, im Osten seien alle unzufrieden, kann der Rentner nicht bestätigen. Er werde versorgt, habe Kinder und Enkelkinder, komme mit allen gut aus. Er wisse, dass er aus der DDR komme, kenne auch die Nachkriegszeit. Man müsse alles annehmen, wie es komme, aber auch selbst aktiv sein und sich den Herausforderungen im Leben stellen.
„Jammerossi? Von wegen!“, befindet Schreiber im Nachgang – wohl ein Fingerzeig an den Kabarettisten Florian Schroeder, der jüngst mit einer Abrechnung über die Ostdeutschen für Aufregung gesorgt hatte.
Schreiber sagt, er sei in Naumburg ganz gerührt gewesen nach dieser Begegnung. Auch dieser 88-Jährige sei Sachsen-Anhalt: „Wir sollten nicht nur das Extreme und Schlechte sehen und zeigen!“
Eine andere Begegnung mit dem Landrat Götz Ulrich (CDU) im Burgenlandkreis führt zur Frage, warum bei der Bundestagswahl hier die AfD insgesamt den höchsten Stimmenanteil in Sachsen-Anhalt hatte. Ulrich spricht über die punktuelle Aufmerksamkeit vor Wahlen bei Journalisten oder Politikern, aber auch über das Gefühl der Menschen in der Region, ihr kleines Glück bedroht zu sehen.
„Erst die Treuhand, jetzt Constantin Schreiber“
Bei Schreibers Followern kommt das Reportageformat überwiegend gut an. „Bitte mehr davon“, heißt es in den Kommentaren. „Ich denke, es gibt noch viel mehr zufriedene Menschen. Nur werden die eben nie gezeigt. Es tut gut zu sehen, dass es auch anders geht.“
Eine im Osten aufgewachsene Zuschauerin meint: „Ja, wir haben unsere Vergangenheit, aber wir leben im Hier und Jetzt.“ Sie lobt, dass nicht die gängigen Klischees bedient würden.
Es gibt allerdings auch andere Stimmen. Manche Beobachter monieren, die Situation sei im ganzen Land die gleiche: „Überall drohen Arbeitsplätze wegzubrechen, die Krisen und Kriege machen überall Angst usw.“ Die AfD habe darauf auch keine Antworten.
Eine Kommentatorin bemerkt: „Auch den Menschen im Ruhrgebiet ist es so ergangen … nur mal so nebenbei. In Emden in Niedersachsen sieht es auch nicht rosig aus.“
Auf der Plattform X witzelt ein User über das aktuelle Engagement des Ex-Nachrichtensprechers: „Erst die Treuhand, jetzt Constantin Schreiber. Ostdeutschland bleibt nichts erspart.“
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