JAN THOMSEN wirft einen wehmütigen Blick zurück auf den Bau des Berliner Stadtschlosses.

Schöner alter Westpalast

Jan Thomsen
2 Min

Ach wie schade - wenn es erst vorbei sein wird. Wenn das Schloss einfach so dasteht, von vorne und den Seiten (fast) wie früher. Wenn man sich an den Anblick erst gewöhnt hat, vielleicht so in zehn Jahren: Dann fährt man an einem nasskalten Dezembertag des Jahres 2017 sicher längst wieder am Lustgarten vorbei, ohne einmal aufzublicken zum sogenannten Humboldt-Forum, das doch immer nur Schloss genannt wird. Drinnen wird dann ausgestellt und sich begegnet und international diskutiert, draußen kreisen die Touristen und die Städter um sich selbst.Vergessen sind dann all die großen und kleinen Geschichten rund um den Schlossbau, der Mitte Dezember 2007 mit dem Start des Architektenwettbewerbs begann: Die Baukostenexplosion, das absehbare Finanzierungsdesaster, die Schwarzarbeiter-Schwemme auf der Schlossbaustelle, die Firmenpleiten, der Pfusch am Bau, und das ausgerechnet an der heiligen historischen Fassade. Ach, und erst der Streit um die Kuppel, bei dem die Modernisten und Traditionalisten der Hauptstadt in manchen Debatten geradezu tumultartige Zwiste ausfochten. Ganz zu schweigen von der neu gestalteten Spreeseite des "Westpalastes" (wie der Osten das Schloss schon kurz nach der Grundsteinlegung 2011 taufte), die fünfmal umgeplant werden musste, weil die ultradekonstruktivistischen Entwürfe des Architektenbüros keiner unabhängigen statischen Prüfung standhielten - ach, schön war die Zeit. Seite 19

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