Japan scheiterte wieder einmal mit dem Versuch, das Fangverbot für die Meeressäuger zu lockern

Die Wale bleiben geschützt - vorerst

Angela Köhler
3 Min

TOKIO, 20. Juni. Zum Auftakt der 57. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in der südkoreanischen Küstenstadt Ulsan ist der Versuch Japans gescheitert, die Diskussion über besondere Schutzgebiete für Meeressäuger von der Tagesordnung zu streichen. Auch der Wunsch Tokios, künftig nur noch geheim abstimmen zu lassen, scheiterte überraschend.Eigentlich hatte sich die japanische Walfang-Lobby sehr gute Chancen ausgerechnet, das seit 1986 bestehende Moratorium über das vorläufige Verbot des kommerziellen Walfangs diesmal im Handstreich zu kippen. Unter den 66 Mitgliedstaaten des IWC glaubte Japan auf eine sichere Mehrheit zählen zu können, weil zahlreiche kleine Länder von der Entwicklungshilfe aus Tokio abhängen. Da aber acht Mitglieder sich der Stimme enthielten oder dem ersten Votum fernblieben, musste Japan eine schwere Niederlage kassieren.Tierschutzverbände begrüßten vor allem, dass auch künftig offen abgestimmt werden muss. Die Waljagdbefürworter könnten nicht mehr einfach durch Stimmenkauf ihre Position durchdrücken. Allerdings sei damit die Konferenz von Ulsan noch nicht entschieden, sagte Sandra Altherr vom Artenschutzverband Pro Wildlife: "Die Gefahr, dass sich die Mehrheitsverhältnisse noch verschieben können, besteht weiter." Es bleibt also vorläufig beim Patt und den verhärteten Positionen. Das ist immerhin eine gute Nachricht für die Wale, denn ihr Abschuss kann nur durch eine Zweidrittel-Mehrheit frei gegeben werden, und das gilt als eher unwahrscheinlich.Aber die Befürworter - vor allem Japan, Norwegen und Island - werden auch diesmal den Druck erhöhen, befürchtet die Umweltstiftung WWF Deutschland. Das Moratorium werde schon heute durch den sogenannten wissenschaftlichen Walfang umgangen. Die japanische Walfangflotte fischt unter diesem Deckmantel kräftig die Meere ab. In den vergangenen zwei Dekaden wurden trotz des Verbots schätzungsweise 7 000 Zwerg-, Pott-, Sei- und Brydewale erlegt, behauptet der WWF.Jetzt will Tokio im Zuge seines umstrittenen "wissenschaftlichen Walfangprogramms" die Abschussquote für Zwergwale im Schutzgebiet Antarktis auf 900 mehr als verdoppeln und künftig - nach einer zweijährigen Übergangsfrist - auch jeweils 50 Finn- und Buckelwale offiziell jagen. Mehr als 300 000 Delfine, Tümmler und Wale verenden jedes Jahr als "Beifang" in den Netzen. Auch die Meeresverschmutzung, und die generelle Überfischung der Ozeane gefährden den Bestand.Die Zukunft des internationalen Walfangmoratoriums ist ständig in Gefahr, weil Japan schon mehrfach damit gedroht hat, der IWC den Rücken zu kehren und auch den kommerziellen Walfang wieder aufzunehmen. Bisher blieb es bei solchen Ankündigungen, weil die Regierung in Tokio dafür einen Parlamentsbeschluss braucht, für den ihr derzeit die Mehrheit fehlt. Aber das öffentliche Verständnis für das "Kulturrecht", Wale zu verzehren, wächst nicht nur in Japan. Auch in Ulsan bieten Restaurants offen die verbotene Delikatesse an.------------------------------Moratorium mit LückenDie internationale Walfangkommission (IWC), die gegenwärtig im südkoreanischen Ulsan ihre 57. Jahrestagung abhält, wird von 66 Ländern beschickt.Das Walfangverbot besteht seit 19 Jahren. Ausgenommen ist lediglich der "wissenschaftliche Walfang". Auf diese Klausel berufen sich Länder wie Japan.7 000 Zwerg-, Pott-, Sei- und Brydewale wurden dem WWF zufolge im Namen der Wissenschaft in den letzten 20 Jahren von japanischen Fischern getötet.------------------------------Foto: Unter dem Vorwand, wissenschaftlichen Walfang zu betreiben, dürfen Fischer trotz Moratoriums Wale töten.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner