Bei dem für Jeans bekannten Label Levi’s mag man nicht unmittelbar an luxuriöse Red-Carpet-Roben denken. Mittlerweile sind zwar überproportional voluminöse Kleider – die etwa durch eine lange Schleppe den reibungslosen Ablauf auf den berühmten Stufen behindern – laut Kleiderordnung nicht mehr gern gesehen, doch die Filmfestspiele in Cannes bleiben der Ort schlechthin, um in puncto Glamour so richtig aufzufahren. Warum also ausgerechnet auf Levi’s setzen, wie im Fall von Model und Unternehmerin Toni Garrn?
Die Antwort ist einfach: Sie setzte auf eine Designerin, die die Codes der Marke richtig für den Anlass zu interpretieren versteht. Christelle Kocher, die für die Jeans-Marke das Kleid entwarf, ist Kreativdirektorin und Gründerin von Koché, einem Label, das traditionelles Wissen aus der Couture mit Streetstyle-Elementen und tragbarer Extravaganz verbindet.
Zudem ist die 48-jährige Französin künstlerische Leiterin bei Maison Lemarié, einem der renommiertesten französischen Kunsthandwerksateliers für Haute Couture. Das Haus ist weltweit vor allem für feinsten Federschmuck und künstliche Blumen bekannt und arbeitet seit Jahrzehnten eng mit Chanel zusammen. Dass Kocher ihr Handwerk perfekt beherrscht, beweist auch ein Blick auf ihre vorherigen Stationen: Vor ihrem eigenen Label durchlief sie namhafte Modehäuser wie Bottega Veneta, Dries Van Noten und Chloé. Eine absolute Expertin also, wenn es darum geht, mit Mode etwas Künstlerisches zu schaffen.
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Eine Nixe in Jeans
Auch das maßgeschneiderte Kleid für Toni Garrn verkörpert Kochers Couture-à-Porter-Ansatz par excellence. Ein langes, schulterfreies Bustierkleid, das je nach Lichtverhältnissen aufgrund seiner Jeans-Applikationen fast düster und tiefblau aussieht. Im Scheinwerferlicht der Fotografinnen und Fotografen offenbart sich allerdings die immense Feinteiligkeit des Kleides: Indigo, Schwarz, Violett und verblasstes Blau finden sich in den Strukturen wieder und schillern regelrecht nixenhaft.
Düstere Eleganz trifft auf kühles Styling: Mit Wet-Hair-Look und gebleichten Augenbrauen wirkt Toni Garrn wie eine geheimnisvolle Nixe.
© Marco Barada/ZUMA Press Wire/imago
Für den Look wurden über 2000 teils speziell beschichtete Denimblütenblätter aus Jeansstoff und hauchzarte Federblütenblätter einzeln zugeschnitten, geformt und von Hand auf das Kleid gestickt. Dadurch wirkt das gesamte Kleidungsstück organisch und ständig in Bewegung. Eigentlich grober, starrer Jeansstoff wird hier mit einem feinen, kunsthandwerklichen Ansatz neu interpretiert. Unten laufen die Blütenblätter schließlich auf einem transparenten, schwarzen Mesh sanft aus. Dazu kombiniert Garrn schlichte, schwarze Riemchen-Pumps, die dem Kleid nicht die Show stehlen.
Eine edgy Note bekommt der Look durch das restliche Styling: Die gebleichten Augenbrauen und die streng in einem Seitenscheitel zu einem Wet-Look nach hinten gegelten Haare brechen die Eleganz perfekt auf. Ein starker Auftritt, der beweist, dass Jeans eben doch auf den Teppich gehört.
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