Ein Arbeitszeugnis, geschrieben mit Software? In vielen Betrieben ist das längst Alltag. Jedes siebte Unternehmen in Deutschland lässt Arbeitszeugnisse inzwischen mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellen – 14 Prozent, wie eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergeben hat.
KI in Personalabteilungen ist damit auf dem Vormarsch, auch wenn der flächendeckende Durchbruch nach Einschätzung des Verbands noch aussteht. Für Beschäftigte bedeutet das: Zeugnisse, Einarbeitung und Weiterbildung laufen zunehmend über automatisierte Werkzeuge. Und mehr als die Hälfte der Firmen zeigt Interesse, künftig ebenfalls KI für Arbeitszeugnisse zu nutzen.
Noch kein flächendeckender Durchbruch, aber wachsendes Interesse
Insgesamt tut sich der Personalbereich mit KI schwerer als andere Unternehmensteile. Die Zahlen zeigen aber eine klare Richtung.
Neben den Betrieben, die bereits Anwendungen einsetzen, signalisiert jeweils ein großer Teil der Unternehmen Interesse an einem künftigen Einsatz. Das gilt quer durch fast alle abgefragten Aufgaben – vom Zeugnis bis zur internen Anfrage.
Wofür Unternehmen KI in Personalabteilungen bereits nutzen
Am weitesten verbreitet ist die Technik in der Weiterbildung. 16 Prozent der Betriebe arbeiten hier mit KI-Werkzeugen, 2024 waren es noch zwölf Prozent. Weitere 58 Prozent können sich einen solchen Einsatz vorstellen.
Beim Onboarding, also der Einarbeitung neuer Mitarbeiter, greifen 14 Prozent auf KI zurück. Vor zwei Jahren waren es elf Prozent. Weitere 36 Prozent planen entsprechende Schritte oder ziehen sie in Betracht.
„Immer verfügbar“: Was KI beim Onboarding leisten soll
Gerade zum Start im neuen Job soll die Technik Fragen abfangen, für die sonst niemand sofort greifbar ist.
„Wer neu im Job ist, hat viele Fragen. Eine gut trainierte KI kann Antworten geben, bei der Orientierung helfen und ist immer verfügbar“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.
Der Vorteil aus seiner Sicht: Den Beschäftigten in der Personalabteilung bleibe dadurch mehr Zeit für die individuelle Betreuung persönlicher Anliegen.
Belastungsanalyse und Leistungsbewertung: Wo der Einsatz zulegt
Die stärkste Dynamik zeigt sich bei der Analyse der Arbeitsbelastung. Dort hat sich der Anteil der KI-Nutzer von sechs Prozent im Jahr 2024 auf aktuell 13 Prozent verdoppelt. Weitere 28 Prozent stehen dem offen gegenüber.
Bei der formalen Bewertung der Arbeitsleistung setzen derzeit zwölf Prozent der Unternehmen KI ein, 27 Prozent können es sich vorstellen.
Automatisierte Chat- und Servicesysteme für interne Anfragen nutzen 13 Prozent der befragten Firmen. 53 Prozent ziehen einen solchen Einsatz künftig in Erwägung.
Warum KI im Personalbereich langsamer ankommt als anderswo
Trotz steigender Akzeptanz bleibt die Personalabteilung zurückhaltender als viele andere Unternehmensbereiche.
Als wesentliche Bremse gelten der Studie zufolge die strengen Vorgaben zum Schutz sensibler Beschäftigtendaten. Hinzu kommen Rechtsunsicherheiten rund um den europäischen AI Act.
Dieser stuft nach Angaben des Verbands etliche KI-Anwendungen im Personalbereich als Hochrisiko-Systeme ein.
„Gerade im Personalbereich ist die Hemmschwelle für den Einsatz von KI höher als in vielen anderen Unternehmensbereichen“, erklärte Rohleder.
An der Befragung nahmen mehr als 600 Unternehmen. teil.
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