Jörg Pilawa stand im Schnee und war aufgeregt. Gleich erlebe man eine Weltpremiere, verkündete er enthusiastisch. Was soll man sagen? Er hatte ja Recht. Bislang hatte die Welt in der Tat darauf verzichtet, halbwegs prominente Prominente durch die Loipe zu jagen und anschließend auch noch Hartmut Engler auf Englisch singen zu lassen. Möglicherweise hatte die Welt bislang auf so etwas sogar sehr gut verzichten können. Nun, am Samstagabend in Ruhpolding war es zu spät für derlei Zweifel, und wie sollten sie auch aufkommen bei einer solchen Stimmung? Aus den Lautsprechern dröhnte der alte Holzmichl und die Hermes House Band und was sonst noch alles zum Zipp und Zapp einer derartigen Veranstaltung dazugehört. Zur Überbrückung der Bundesliga-Winterpause hatten sich die ARD-Oberen Anregung bei Stefan Raab geholt, der vermeintliche Promis ja schon auf Woks rodeln und auf Springpferden reiten lassen hat und sie schon bat, vom Turm ins Wasser zu hüpfen. Warum es nun ausgerechnet Biathlon sein musste, diese seltsame Sportart, Schießen und Wegrennen, keine Ahnung. Jörg Pilawa machte seine Sache im Start- und Zielbereich übrigens ganz vergnüglich, was man ohne Zweifel auch von Reporter Gerd Rubenbauer sagen kann: Der Mann lief unfreiwillig zur komischen Höchstform auf. Kaum waren all diese seltsamen Schauspieler, Moderatoren, Musiker, Sportler und Ex-Biathleten unterwegs, verlor er die Orientierung und konnte sich gleich in der ersten Runde nie ganz entscheiden, wer gerade erster war: Costa Cordalis? Wigald Boning? Oder vielleicht doch der Typ aus der "Lindenstraße", Moritz Sachs?Bei der Staffel sah er den tapferen Sachs sogar in zwei Runden vorne, obwohl er nachweislich nur eine mitlief - oder war uns da etwas verschwiegen worden? Auch die Regie schien zwischenzeitlich etwas die Übersicht verloren zu haben, dabei gab es doch eine ganz einfache Regel: Immer bei Sabrina Setlur bleiben, und der Abend ist gerettet. Die einst coolste, lässigste, rebellischste, unkonventionellste und schlecht gelaunteste Rapperin der Welt hätte sich sicher nie träumen lassen, dass sie einmal mit Costa Cordalis in einem Team stehen und auf Brettern durch den Schnee rutschen würde. Jawohl rutschen, und dann - nach dem ersten - Sturz - krabbeln. Auf allen Vieren. Nach einer Veletzung wurde sie schließlich ins Ziel gefahren. Kollege Cordalis, einst auf Skiern bei Olympia dabei, machte es auch nicht sehr viel besser. Was für eine Demütigung. Hoffentlich bastelt er keinen Song daraus. Am schnellsten war "Brisant"-Moderatorin Griseldis Werner. Und irgendwann war der Quatsch - zugegeben - dann doch ganz unterhaltsam. Aber nächste Woche, liebe ARD, gibt's trotzdem wieder Fußball, versprochen?
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