Jetzt bittet der Aufsichtsrat zum Tanz

Elmar Schütze
3 Min

Peter Glückstein klingt bitter: "Ich bin nur noch Frühstücksdirektor. Ich habe hier nichts mehr zu sagen, dabei ist das Goya doch meine Erfindung." Es hat gekracht im Goya, dem Club der Aktionäre am Nollendorfplatz, der angetreten war, Berlins Ausgehszene umzukrempeln. Richtig gekracht. Glückstein, Vorstandsvorsitzender der Aktiengesellschaft, ist bis auf weiteres von allen Aufgaben entbunden. Das teilte er jetzt allen Aktionären in einem Brief mit. An seiner Stelle führt jetzt Karl-Hinrich Fromm, Rechtsanwalt mit Kanzlei am Kudamm, die Geschäfte.Fromm, der gestern für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung stand, ist Chef des Aufsichtsrates - jenes Gremium, das jetzt den Vorstandsvorsitzenden entmachtet hat. Er muss jetzt versuchen, die in finanzielle Schwierigkeiten geratene Aktiengesellschaft zu retten.Dem für 12 Millionen Euro vom Architekten Hans Kollhoff aufwändig umgebauten Goya im ehemaligen Metropol fehlt Geld. Zwar waren in der Aufbauphase 2 700 Aktionäre gefunden worden, doch deren Einlagen reichen offenbar nicht aus. Zu selten kamen sie ins Goya, da nutzten auch allerlei Vergünstigungen nichts. Da auch das komplett zahlende Publikum schwächelte, war es im Goya viel zu oft viel zu leer. "Wir waren von Anfang an auf Volllast ausgelegt - und mussten auf Halblast fahren", sagt Erfinder Glückstein. Einzig an den vorigen beiden Wochenenden, als in einem Anfall von Panik gar kein Eintritt mehr genommen wurde, war's voll. Da standen die Leute bis zur Straßenecke und meckerten, weil es an der Garderobe nicht schneller ging.Genützt haben diese Besucherrekorde - zumindest kurzfristig - offenbar nichts. Immer wieder kursieren Gerüchte, Angestellte würden nicht bezahlt. Bestätigen kann Glückstein das nur für sich selbst: "Ich habe mir seit der Eröffnung am 1. Dezember kein Gehalt bezahlt."Dennoch hält er seine Entmachtung für falsch. "Wenn ein Unternehmen in eine schwierige Situation kommt, braucht man nicht mit dem Finger auf eine einzelne Person zu deuten. Fehler sind von einer Reihe von Menschen begangenen worden, nicht nur von mir." Er hält sich weiterhin für den richtigen Mann, um das Goya aus der Krise zu holen. Doch zunächst gibt's weiter Ärger. Glückstein: "Ich werde noch viel stärker in die Schusslinie geraten. Da muss ich durch. Und das mache ich aufrecht."Und das Goya selbst? Macht erst mal weiter! Ach ja, schon wieder mit einem neuen Konzept. Ab sofort soll der Eintritt donnerstags 5, freitags 8 und sonnabends 10 Euro kosten. Nach den Worten von Sprecherin Viviana Giaretti sind das Marktpreise. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die Sonnabende stets gut besucht waren, die Donnerstage dagegen waren immer schwierig. Neue Preise gibt's auch für das Txoko, das dreigängige baskische Menü, mit dem die drei Abende jeweils um 20 Uhr beginnen. Es kostet jetzt 42 statt 35 Euro. "Die Preise haben sich so entwickelt", sagt Sprecherin Giaretti, der Anfangspreis sei doch sehr günstig gewesen.------------------------------Foto: Peter Glückstein im Goya, in dem er nur noch "Frühstücksdirektor" ist.

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