Jetzt muss er wegen fahrlässiger Tötung in Haft

23-Jähriger fuhr drei Menschen in den Tod

Sabine Deckwerth
3 Min

Taxifahrer Michael B. fuhr mit höchstens 30 Kilometern pro Stunde durch die Nacht. Es war Sonnabend, der 2. März, morgens gegen 2.50 Uhr und B. fuhr langsam, weil es auf der Straße so glatt war, dass sich alles spiegelte. Über Radio und Funk wurde ständig vor Blitzeis gewarnt. Auf der Storkower Straße überholte ihn ein roter BMW mit etwa doppelter Geschwindigkeit. B. sagt: "30 Meter vor mir wollte er wieder auf meine Spur. Da drückte es das Heckteil weg und der Wagen schoss geradewegs auf einen parkenden Lkw auf der anderen Straßenseite zu."Der rote BMW wurde durch den Aufprall "völlig zerfetzt", wie Zeugen sagten. Nico, 21 Jahre alt, saß mit seiner Freundin Sabrina, 18, auf der Rückbank. Er starb zehn Minuten später im Notarztwagen, Sabrina viereinhalb Stunden später im Krankenhaus. Auf dem Beifahrersitz saß die 19-jährige Manuela. Sie starb sechs Stunden später im Krankenhaus. Der 23-jährige Fahrer überlebte. Rico B., Glas- und Gebäudereiniger, erlitt Blutergüsse und eine Rippenfraktur. Am Montag stand er wegen fahrlässiger Tötung von drei Menschen vor dem Amtsgericht Tiergarten. Nico nannte er einen seiner besten Freunde und sprach von ihm so, als ob Nico noch lebt. "Wir kennen uns seit drei Jahren." Manuela war seine Freundin. "Wir wollten uns verloben." Zusammen haben sie in der Wohnung eines Freundes gefeiert, auf dem Heimweg nahm Rico die anderen mit. Wie bei vielen solcher Fahrten war auch bei dieser Alkohol im Spiel, wenngleich man nicht sagen kann, dass Rico B. an jenem Abend völlig betrunken war. Er hatte 0,45 Promille Alkohol im Blut, so viel, wie nach nicht einmal drei kleinen Bier. Normalerweise geht ein Autofahrer bis 0,5 Promille straffrei aus, wenn er beim Fahren keinen Fehler begeht. Doch Rico hatte vorher auch Kokain geschnupft. Es gebe keinen Zweifel daran, sagte der Gutachter, dass Alkohol und Kokain zusammen die Fahrtüchtigkeit erheblich beeinträchtigten.Außerdem hatte Rico B. keinen Führerschein. Er wurde ihm abgenommen, als er das letzte Mal vor einem Verkehrsrichter stand. Rico B. ist wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort, wegen Urkundenfälschung und Fehlens einer Haftpflichtversicherung vorbestraft. Er habe kein Glatteis bemerkt, sagte er vor Gericht, und sei daher so schnell gefahren. Er sagte auch, dass ihm alles unendlich Leid tut. Sein Verteidiger wollte, dass er eine Bewährungsstrafe bekommt, weil Gefängnis in diesem Fall keine Buße sei. "Er wird ein Leben lang spüren, was er angerichtet hat." Vor allem wegen der Vorstrafen verurteilte das Schöffengericht Rico B. zu zwei Jahren und neun Monaten Haft und folgte damit weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die drei Jahre beantragt hatte. B. kann allerdings in Freiheit auf die Ladung zum Haftantritt warten.

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