Mit keiner anderen Stadt außer seiner Heimatstadt Lübeck war Willy Brandt so eng verbunden wie mit Berlin. "Berlin bleibt frei", lautete sein Motto, als er 1957 Regierender Bürgermeister West-Berlins wurde. Kein Wunder, dass es sein größter Wunsch war, nach dem Bau der Berliner Mauer noch einmal durchs Brandenburger Tor zu gehen. Dass dieser Lebenstraum schließlich Wirklichkeit wurde, dafür setzte sich Willy Brandt während seiner gesamten politischen Karriere ein. Als die Mauer am 9. November 1989 fiel, war das für ihn eine späte Bestätigung seiner Politik. Kurz danach sagte er am Brandenburger Tor seine inzwischen legendären Worte: "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört."Willy Brandt wurde 1913 unter dem Namen Herbert Ernst Karl Frahm in Lübeck geboren. Der Sozialdemokrat emigrierte bereits 1933 nach Norwegen, wo er sich auch den Decknamen Willy Brandt gab - einen Allerweltsnamen, wie er einmal selbst bekannte. Nach dem Krieg ging er 1947 nach Berlin, trat der SPD bei und engagierte sich für den Aufbau eines demokratischen Deutschland. 1949 wurde er in den Bundestag entsandt, von 1957 bis 1966 regierte er den Westteil Berlins. Kurz nach dem Mauerbau 1961 protestierte Brandt in einem Brief an den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy gegen die Tatenlosigkeit der Alliierten. Er stand mit Kennedy vor dem Rathaus Schöneberg, als dieser 1963 bei seinem Berlin-Besuch "Ich bin ein Berliner" sagte. Auch andere Staatsgäste empfing er in Berlin, zum Beispiel Queen Elizabeth II.Willy Brandt war stets um Verhandlungen mit dem Osten bemüht. Ihm war es zu verdanken, dass im Dezember 1963 das Passierscheinabkommen in Kraft trat - West-Berliner konnten wieder ihre Ost-Berliner Verwandten besuchen. Doch gewissermaßen brachte ihn die DDR zu Fall: Nach fünf Jahren als Bundeskanzler musste er 1974 zurücktreten. Sein Mitarbeiter Günter Guillaume war als Stasi-Spion enttarnt worden.Die Stadt Berlin ehrte Brandt 1970 mit der Ehrenbürgerschaft und nach seinem Tod am 8. Oktober 1992 mit einem Ehrengrab auf dem Friedhof Zehlendorf. Im Reichstag gab es einen Staatsakt mit vielen Staatschefs. (cls., ua.)------------------------------Foto: Mauerfall: Genscher, Brandt und Momper (v. l.) am Rathaus Schöneberg.
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