Absage

Nach Kritik an geplanter Ehrung: John Galliano und Met stoppen Ausstellung für 2027

John Galliano zieht seine geplante Ausstellung im Metropolitan Museum of Art zurück. Nach Kritik an der Ehrung reagiert der Designer nun mit einem Statement.

5 Min
John Galliano und Unterstützerin Anna Wintour: Die für 2027 geplante Met-Ausstellung wurde nach heftiger Kritik abgesagt.

John Galliano und Unterstützerin Anna Wintour: Die für 2027 geplante Met-Ausstellung wurde nach heftiger Kritik abgesagt.

© IMAGO/BERTRAND RINDOFF PETROFF / BESTIMAGE

Erst Ende Juli hatte das Metropolitan Museum of Art eine große Retrospektive für Designer John Galliano angekündigt, nun ist das Projekt bereits wieder abgesagt.

Die für Mai 2027 geplante Ausstellung „John Galliano: Horizons“ werde nicht wie vorgesehen stattfinden, teilte das Museum am Montag gemeinsam mit dem britischen Designer mit. Damit reagierten Galliano und das Met auf eine Kritikwelle, die sich in den vergangenen Wochen gegen die Ehrung des wegen antisemitischer und rassistischer Beleidigungen verurteilten Modemachers gerichtet hatte.

Scharfe Kritik an der geplanten Ausstellung

Zu den schärfsten Kritikerinnen zählte Julie Menin, die Sprecherin des New Yorker Stadtrats. Sie bezeichnete die Entscheidung des Museums, Galliano ins Zentrum seiner wichtigsten Modeausstellung zu stellen, als „schweren Fehler“. Auch jüdische Führungspersönlichkeiten sowie Spender des Museums äußerten erhebliche Bedenken. Berichten zufolge drohten einzelne Unterstützer sogar, ihre Zuwendungen zurückzuziehen, falls die Ausstellung wie geplant umgesetzt würde.

Die Kritik entzündete sich nicht allein an Gallianos Vergangenheit, sondern an der Symbolik der geplanten Ehrung. Eine Ausstellung des Costume Institute gilt als eine der höchsten kulturellen Auszeichnungen der Modebranche. Galliano wäre erst der dritte lebende Designer nach Yves Saint Laurent und Rei Kawakubo gewesen, dem das Met eine große Einzelschau widmen wollte.

Die Ausstellung sollte Entwürfe, Skizzen, Archive und Objekte aus vier Jahrzehnten zeigen – von Gallianos Abschlusskollektion am Central Saint Martins College über seine Jahre bei Givenchy und Dior bis zu seiner Arbeit für Maison Margiela.

Galliano: „Wiedergutmachung geschieht nicht durch eine Ausstellung“

In einem persönlichen Statement via Instagram erklärte Galliano, er habe sich nach Gesprächen mit dem Museum und weiteren Beteiligten „mit großer Traurigkeit“ entschieden, dass die Ausstellung „zu diesem Zeitpunkt“ nicht stattfinden solle. Er übernehme weiterhin die volle Verantwortung für den Schmerz, den seine Worte in der Vergangenheit insbesondere jüdischen und asiatischen Communitys zugefügt hätten.

Wiedergutmachung werde nicht durch eine Ausstellung, institutionelle Anerkennung oder eine einzelne öffentliche Geste erreicht, erklärte der Designer. Sie sei eine fortdauernde Verpflichtung, die sich im Zuhören, Lernen und im eigenen Verhalten zeigen müsse. Galliano betonte außerdem, er wolle nicht, dass die Debatte um seine Person das Met in eine schwierige Lage bringe oder die Arbeit des Costume Institute überlagere.

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John Galliano backstage bei der Christian-Dior-Prêt-à-porter-Show für Herbst/Winter 1998/99 in Paris, neben Naomi Campbell und Eva Herzigová

John Galliano backstage bei der Christian-Dior-Prêt-à-porter-Show für Herbst/Winter 1998/99 in Paris, neben Naomi Campbell und Eva Herzigová

© IMAGO/RINDOFF-GARCIA / BESTIMAGE

Das Met formulierte die Absage in der offiziellen Pressemitteilung wesentlich knapper; Direktor Max Hollein sprach von „gründlichen Gesprächen“ mit Galliano und einer gemeinsamen Entscheidung, die Ausstellung nicht weiterzuverfolgen.


Mit der abgesagten Ausstellung entfällt das bislang angekündigte inhaltliche Fundament der Met Gala 2027; ein neues Konzept hat das Museum noch nicht vorgestellt. Angaben zu einer neuen Frühjahrsausstellung des Costume Institute und zur Met Gala 2027 will das Museum zu einem späteren Zeitpunkt machen.

Met-Schirmherrin Anna Wintour bezeichnete Gallianos Rückzug als „sehr mutig“ und als Ausdruck seines Charakters. Die Entscheidung, die Ausstellung über sein Werk zum jetzigen Zeitpunkt nicht stattfinden zu lassen, sei richtig; Galliano und das Museum hätten ihre volle Unterstützung.

Die antisemitischen Äußerungen von 2011

Hintergrund der aktuellen Kontroverse ist ein Skandal aus dem Jahr 2011, der Gallianos Karriere abrupt beendete. In einem Pariser Café hatte der damalige Dior-Chefdesigner, der unter Alkohol- und Drogeneinfluss stand, Gäste antisemitisch beleidigt und Adolf Hitler verherrlicht. Ein Video der Szene verbreitete sich weltweit. Dior trennte sich nach 15 Jahren von seinem Star-Designer.

Ein Pariser Gericht sprach Galliano später in zwei Fällen antisemitischer Beleidigungen schuldig und verhängte Geldstrafen von insgesamt 6000 Euro auf Bewährung. Galliano führte sein Verhalten später auf seine damalige Sucht zurück, entschuldigte sich und begab sich in Behandlung.

Es folgte ein langer Weg zurück in die Branche. Galliano setzte sich mit jüdischen Persönlichkeiten und Organisationen auseinander, suchte Gespräche über Antisemitismus und die Shoah und übernahm 2014 die kreative Leitung von Maison Margiela. Vertreter der Anti-Defamation League und des Reformjudentums hatten seine Bemühungen um Einsicht und Veränderung zuletzt öffentlich anerkannt. Gerade diese Frage – ob persönliche Reue und eine nachweisliche Auseinandersetzung eine öffentliche Würdigung ermöglichen können – sollte laut Met auch Teil der Ausstellung werden.

Anna Wintour (l.) und Lauren Sánchez Bezos bei der Met Gala 2026 im Metropolitan Museum of Art in New York.

Anna Wintour (l.) und Lauren Sánchez Bezos bei der Met Gala 2026 im Metropolitan Museum of Art in New York.

© IMAGO/Andrea Renault

Met Gala: Neues Konzept noch nicht vorgestellt

Mit der Absage der Galliano-Show verliert die Met Gala 2027 vorerst ihr angekündigtes Thema. Die Gala ist traditionell an die jeweilige Costume-Institute-Frühjahrsausstellung gekoppelt; nun muss das Met ein neues Konzept entwickeln. Von einer Absage der Gala selbst ist bislang keine Rede. Das Museum kündigte lediglich an, zu Ausstellung und Gala später neue Informationen vorzulegen.

Für die Met Gala ist es dennoch der zweite große Imagekonflikt in kurzer Zeit. Bereits die diesjährige Ausgabe geriet stark unter Druck, nachdem Amazon-Gründer Jeff Bezos und Lauren Sánchez Bezos als Hauptsponsoren und Ehrenvorsitzende präsentiert worden waren. Das Met bestätigte ihre Rolle als Lead Sponsor der Gala und der Ausstellung „Costume Art“. Kritiker warfen der Veranstaltung vor, sich noch stärker der Macht von Milliardären und Konzernen auszuliefern; in New York kam es zu Protesten und Boykottaufrufen.

Für John Galliano bedeutet der Rückzug einen Verzicht auf die prestigeträchtigste Würdigung seiner Karriere. Für das Met ist er ein Eingeständnis, dass sich die moralische Dimension dieser Ehrung nicht in eine Ausstellung integrieren ließ.

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