John Malkovich wird im April 2027 nicht in Tel Aviv auf der Bühne stehen. Der Hollywoodstar hat seine Teilnahme an der Theater-Musik-Satire „The Music Critic“ im Charles-Bronfman-Auditorium abgesagt – wegen eines Zitats, das er nie geäußert hat. Ursprünglich hatte der „Hollywood Reporter“ den Auftritt noch als Coup gefeiert, inzwischen ist der Artikel um die Absage ergänzt.
Ausgelöst hatte den Eklat eine Pressemitteilung vom 5. September, die zunächst in der „Jerusalem Post“ erschien. Darin wurde Malkovich mit den Worten zitiert, er sei „begeistert, nach Israel zurückzukehren“, und empfinde eine „starke Nähe und Solidarität“ mit dem israelischen Publikum.
Malkovich: Auftritt bedeute keine Billigung der Politik
Das Problem: Diese Sätze stammten nicht von ihm. Wie NBC News berichtet, habe eine vom israelischen Veranstalter beauftragte PR-Agentur das Zitat verfasst und ihm zugeschrieben, ohne ihn vorab zu konsultieren. Vom Wortlaut der Ankündigung seines eigenen Auftritts habe er erst aus der Presseberichterstattung erfahren.
In seiner Stellungnahme gegenüber dem „Hollywood Reporter“ wurde Malkovich deutlich: Die Veröffentlichung erfundener Aussagen als angebliche O-Töne sei nicht hinnehmbar, weshalb er sich zum Rückzug entschlossen habe. Deadline dokumentiert seine vollständige Erklärung, in der er zudem klarstellt: Ein Auftritt in einem Land bedeute niemals eine Billigung von dessen Politik oder Regierung – und schon gar nicht eine „Solidarität“ mit Kriegshandlungen oder Gewalt gegen Zivilisten.
Fehler bei der Übersetzung aus dem Hebräischen?
Die verantwortliche PR-Firma räumte den Fehler inzwischen ein und entschuldigte sich ausdrücklich bei Malkovich und seinem Team; auch Produzent Alon Yurik bat öffentlich um Entschuldigung und sprach von einem Missverständnis bei der Übersetzung des ursprünglich auf Hebräisch verfassten Zitats. Die „Jerusalem Post“ korrigierte ihren Artikel nachträglich. Wie die Times of Israel berichtet, ist bislang offen, ob „The Music Critic“ nun ohne Malkovich in Tel Aviv gezeigt wird oder ganz entfällt.
Für den 72-Jährigen fällt die Affäre in eine ansonsten glänzende Karrierephase: Sein neuer Film „Wild Horse Nine“, in dem er neben Sam Rockwell zwei CIA-Agenten vor dem Militärputsch in Chile 1973 spielt, wurde in Venedig mit einer 14-minütigen Standing Ovation gefeiert und gilt seither als aussichtsreicher Oscar-Kandidat.
Malkovich in Israel: Ein Fall von Artwashing?
Euronews ordnet die Absage explizit in diesen Kontext ein und spricht von einem möglichen Fall von „Artwashing“ – gemeint ist der Vorwurf, dass Länder mit umstrittener Politik gezielt prominente Kunst- und Kulturauftritte nutzen, um ihr internationales Image aufzupolieren, ähnlich wie beim sogenannten „Sportswashing“ durch Großereignisse wie Fußball-Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele.
Der Fall John Malkovich reiht sich zudem in eine größere Debatte ein: Seit Beginn des Gaza-Kriegs meiden zahlreiche internationale Künstlerinnen und Künstler Auftritte in Israel, während israelische Veranstalter verstärkt um prominente Namen werben. Malkovich war bereits 2008 als Ehrengast des Jerusalem Film Festivals und 2013 mit der Bühnenshow „The Infernal Comedy“ in Israel zu Gast gewesen.
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