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Richard Wagner ist der Fixstern der Ausstellung „„K.U.N.S.T.K.O.R.P.S.“ – RICHARD WAGNERZ“! (ERZVERBINDUNGEN DER TOTALSTLIEBE!!!!!!!!) TROMMELNDES GESAMTKUNSTWERK DE LARGE!“ von Jonathan Meese, zu der der Künstler ein Manifest geschrieben hat: „Richard Wagner ist totalste Liebe, … ist totalste Energie, … ist totalste Freiheit“ und vieles „totalste“ mehr. Auf großformatigen Bildern sind Figuren aus dem Werk des Komponisten dargestellt, Kämpfer, Zauberer, Könige. Meese hat sich jahrzehntelang mit Wagners Schaffen auseinandergesetzt. Erik Stephan, der Kurator der Kunstsammlung Jena, hat gemeinsam mit Meese weit über 300 Kunstwerke für die Ausstellung ausgewählt, die den Universalisten als Maler, Bildhauer, Bühnenbildner und Performer vorstellen.
„Parsifal“, Wagners letzte, 1882 erstaufgeführte Oper oder „Bühnen-Weihespiel“, wie er es nannte, begleitet Meese schon lange. 2005 hat er für die Staatsoper Berlin die Performance „Jonathan Meese ist Mutter Parsifal“ geschaffen. Drei Stunden spielte er allein in seinem eigenen Bühnenbild im Depot parallel zu Aufführung von „Parsifal“ auf der großen Bühne, die von Bernd Eichinger und Daniel Barenboim verantwortet wurde. Die Musik und alle Geräusche wurden live übertragen. In der Jenaer Ausstellung ist ein Mitschnitt der Performance zu sehen.
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Schon damals spielte er mit provokanten Symbolen wie dem Eisernen Kreuz und dem Hitlergruß. Zum Video werden zahlreiche Ausstattungsstücke gezeigt, darunter ein janusköpfiger Wagner, der sich auf der einen Seite mit leeren Augen, aber typischen Erkennungszeichen wie Samtbarett und Backerbart präsentiert. Auf der anderen Seite ist die Totenmaske zu sehen.
Die „geballte Richard-Wagner-Kraft“ steckte Meese in ein Projekt für die Bayreuther Festspiele. Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier beauftragten Meese 2012 mit der Neuinszenierung des „Parsifal“. Nach der Vorstellung des Konzeptes zwei Jahre später kam es zum Streit. Schließlich wurden offiziell finanzielle Gründe für die Lösung des Vertrages aufgerufen.
Jonathan Meese
© Kunstsammlung Jena
Begleitet von harten Auseinandersetzungen
„Ich wurde entfernt“, sagt Meese in Jena. „Sie wollen Wagner zur Karikatur machen, um sich selbst zu sehen.“ Sein künstlerischer Kommentar: Eine überdimensionale Wurst mit der Aufschrift „ich“, die die Bühne Bayreuth ausfüllt. Darüber schaut ein Kasper. In der Ausstellung sind aber auch Modelle und Skizzen für die abgesagte Parsifal-Inszenierung zu sehen.
Schließlich führte Meese seinen „Mondparsifal Alpha 1-8“ bei den Wiener Festwochen und 2018 den „Mondparsifal Beta 9-23“ bei den Berliner Festspielen auf. Dabei zeichnete er für Regie, Bühne und Kostüm verantwortlich. Auf mehreren Gemälden setzt er sich mit dem jungen Parsifal, mit Gralskönig Amfortas, dem Zauberer Klingsor und Kundry auseinander, die dicht beieinander die Wände füllen.
Überlebensgroß, zeichenhaft und farbgewaltig fordern sie den Betrachter zum Nachdenken auf. „Ich vertraue der Kraft der Kunst“, sagt Meese, der Rebell und Provokateur. Politik hält er für ein Auslaufmodell.
Zum Wagner-Gesamtkunstwerk, das Meese in Jena vorstellt, gehört auch die eigene Biografie. Der Künstler wurde in Tokio geboren. Ende der Siebzigerjahre trennten sich seine Eltern. Mutter Brigitte kam mit ihm und seinen Geschwistern nach Deutschland zurück. Ein Kunststudium in Hamburg brach er ab. Danach entwickelte er sich zu einer Institution, zu einem der gefragtesten deutschen Gegenwartskünstler, begleitet von Skandalen und harten Auseinandersetzungen.
Immer an seiner Seite: Mutter Brigitte, die ihn nicht nur mental unterstützte. Mit ihr bestritt er Bühnenauftritte und Performances. Begleitend zu „Mondparsifal 9-23“ gestalteten sie gemeinsam das Programm „Mutter und Sohn = Realität trifft Zukunft“. Zu Beginn der Jenaer Ausstellung gedachte Meese seiner 96 Jahre alten „Erzmami“, die einen Schlaganfall erlitten hat. Er hofft, dass sie sich so weit erholt, dass er ihr die Exposition zeigen kann.
Zwischen Popkultur und Science Fiction
In Vitrinen finden sich Dinge, die Meese in Kindheit und Jugend geprägt haben, darunter immer wieder Mumins, die Trollwesen von Tove Jansson. Die Geschichten haben für ihn immer noch so große Anziehungskraft, sodass er sie zu seinen Arbeiten in Beziehung setzt. Mumins können verschiedene Rollen übernehmen und die Tür ins Reich der Mythen öffnen.
Meese ist ein Geschichtenerzähler. Für seine Werke nutzt er unterschiedliche Stilmittel – Popkultur ebenso wie Science Fiction und die bereits erwähnten politischen Symbole. Wagner wird mit Superlativen zum Übervater der Kunst. Er zeigt ihn aber auch als Gartenzwerg, der an einen Stuhl gefesselt ist – darunter das „Universum der Unendlichkeit“.
Warum immer wieder Wagner, wo liegt die Verbindung? Dem Komponisten geht es in seinem Werk um Regeneration und Erlösung. Das ist auch für Meese, der der Politik keine Veränderung zutraut, eine faszinierende Vorstellung: Die Erlösung der Menschheit durch Kunst.
Doris Weilandt studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Alte Geschichte. Sie arbeitet als Journalistin, Autorin und Kunsthistorikerin.
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Info: „Mein/Dein „K.U.N.S.T.K.O.R.P.S.“ -Richard Wagnerz! - Jonathan Meese in der Kunstsammlung Jena bis 7. Juni 2026.
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