Jonathan Siegel ist wegen des Master-Studiengangs der Humboldt-Universität nach Berlin gekommen.

Marion Meier
2 Min

Das Café, in dem Jonathan Siegel sitzt, liegt unter den S-Bahnbögen der Station Hackescher Markt. Wenn die Eingangstür geöffnet wird, flackern die Kerzen auf den Tischen. Rumpelt oben eine S-Bahn heran, vibrieren unten die Möbel. "Das Lokal hier finde ich sehr schön", sagt der 26-jährige Turiner, dessen Familie ursprünglich aus Neuseeland stammt. Er zieht die Jacke über einem hellbraunen Cord-sakko aus. Um seine Beine streicht die braune Mischlingshündin "Megane", die eigentlich seiner Freundin gehört. "Die kommt nur am Wochenende nach Berlin." Unter der Woche versuche er, seine Mitstudenten kennen zu lernen: "Ein guter Weg ist es zum Beispiel, sich gegenseitig die Nationalgerichte zu kochen." Die Auswahl dürfte groß sein, Siegels Kommilitonen im englischsprachigen Studiengang "Master in Economics and Management Science" (siehe Seite 25) kommen aus aller Welt aus China, Peru oder den USA.Die meisten seiner Kommilitonen hätten gute mathematische Vorkenntnisse, erzählt Jonathan. "Aber ich habe für das Studium wirklich einen Sprung gemacht." Schon sein Abitur legte er an einem humanistischen Gymnasium ab "wo man viel Latein und Griechisch lernt". Ein geisteswissenschaftliches Studium schloss sich an. Berufserfahrung sammelte er bei einer New Yorker Agentur für Öffentlichkeitsarbeit. "Doch da habe ich schnell festgestellt, dass ich keine Meinung vertreten möchte, hinter der ich gar nicht stehe." Da gefällt ihm der Internet-Bereich, mit dem er sich schon zu frühen Studentenzeiten beschäftigte, viel besser. So hat er nach dem Studium bei einem Internet-Provider in Mailand gearbeitet.Doch Jonathan will seinen Horizont erweitern. "Wenn ich mich bei Firmen beworben habe, hieß es immer, es sei ein Mangel, dass ich keine wirtschaftswissenschaftlichen Kenntnisse nachweisen könne." Da fiel ihm das Projekt der Humboldt-Universität auf. Jonathan bestand die Auswahltests. Ein Dreivierteljahr paukte er sich im Selbststudium mathematisches Fachwissen ein. "Heute bin ich froh über jedes kleine Bisschen, das ich vorsorglich gelernt habe."Nach Berlin sei er gerne gezogen: "Diese Stadt hat Flair." Sehr überrascht habe ihn aber das gemütliche Tempo. In Mailand und Turin herrsche ein viel schnellerer Takt. Dort telefoniere man abends um sieben und verabrede sich eine Stunde später. "Nach meinen Erfahrungen muss man in Deutschland eher zwei Tage vorher anrufen, dann wird in den Terminkalender geguckt und dann kann man sich treffen.""ES HIESS, ES SEI EIN MANGEL, DASS ICH KEINE WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHEN KENNTNISSE NACHWEISEN KÖNNE. " Jonathan Siegel, angehender Master in Economics and Management Science

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