Journalist verschafft sich Zugang zum Weißen Haus

Genehme Fragen an den Präsidenten

Eva Schweitzer
3 Min

NEW YORK, 21. Februar. Die an Skandalen gewiss nicht arme Beziehung zwischen der Bush-Regierung und der amerikanischen Presse hat einen vorläufigen Höhepunkt erreicht: Ein Journalist namens James Guckert hat sich im Februar 2003 unter den Namen Jeff Gannon als Weiße-Haus-Korrespondent akkreditieren lassen. Guckert arbeitet für die Website www.talonnews.com, die Robert Eberle, einem republikanischen Delegierten aus Texas, gehört und vornehmlich Pressematerial der Bush-Regierung nochmal verwertet. Talon wurde allerdings erst 2004 gegründet. Deshalb bekam Guckert seinen Presseausweis als Repräsentant der offiziellen republikanischen Website Gopusa.com, die Eberle ebenfalls betreibt. Guckert nutzte die Zeit im Weißen Haus, um dem Präsidenten genehme Fragen zu stellen. Kostprobe: "Mr. President, wie wollen Sie bloß mit Leuten wie Hillary Clinton zusammenarbeiten, die den Kontakt zur Realität verloren haben?" Der Nachrichtensender MSNBC brachte inzwischen einen Zusammenschnitt von Guckerts zahlreichen Auftritten im Weißen Haus, bei denen Bushs Pressesprecher Scott McClellan ihn kumpelhaft mit "Jeff" anredet. Im Nebenjob CallboyAls sei das noch nicht bizarr genug, hat sich herausgestellt, dass sich Guckert in Anzeigen als Begleitung angeboten hat, für 200 Dollar pro Stunde, und zwar für Männer. Zudem arbeitete Guckert für mehrere Porno-Seiten, die sich an Homosexuelle richten. Nicht nur haben die Republikaner mit einer Anti-Schwulen-Agenda die Wahl gewonnen, Gannon denunzierte John Kerry als "womöglich ersten schwulen Präsidenten". Überdies hatte er Zugang zu geheimen Material im Fall der enttarnten CIA-Agentin Valerie Plame - hier sind noch nicht alle Details bekannt. TalonNews hat inzwischen die Zusammenarbeit mit dem Callboy eingestellt, der, wie die New York Times schrieb, "genauso ein echter Journalist ist wie die Korrespondenten der ,Daily Show'", wobei es sich um eine Satire-Show im Fernsehen handelt. Ungutes GefühlDie große Frage ist aber nun: Was wusste das Weiße Haus? Weiße-Haus-Sprecher McClellan hatte zunächst behauptet, er habe nicht gewusst, dass sich Guckert unter falschem Namen akkreditiert habe. Wenn es allerdings möglich ist, sich anonym zu den Pressekonferenzen des Präsidenten einzuschleichen, würde das ein bedenkliches Licht auf die Sicherheitsvorkehrungen im Weißen Haus werfen. Hingegen sagte McClellans Vorgänger Ari Fleischer zum Fachblatt "Editor and Publisher", er habe irgendwann ein ungutes Gefühl gehabt. Deshalb habe er Guckert nicht mehr aufgerufen. Ob ein Journalist in den Weiße-Haus-Pressekonferenzen aufgerufen ist, ist wichtig, denn diese Frage-Antwort-Sequenzen sind choreografiert: Journalisten müssen ihre Fragen vorher einreichen, die Berater des Präsidenten suchen aus, wer vor laufenden Fernsehkameras eine Frage stellen darf. Kritische Journalisten - und ausländische erst recht - werden dabei oft übergangen. Und der New-York-Times-Kolumnistin Maureen Dowd wurde ein Presseausweis fürs Weiße Haus gleich ganz verweigert.

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