Rund 6 000 Austern, 100 Kilogramm Riesengarnelen und 250 Kalbsfilets müssen bis heute 14 Uhr ebenso im Hotel Intercontinental in der Budapester Straße eingetroffen sein wie das Equipment der britischen Rockband Status Quo, die Instrumente der Staatskapelle Berlin, der Blumenschmuck für die Tische im Ballsaal Potsdam und sogar die Ausrüstung der Sanitäter. Dann kommt das Bundeskriminalamt mit Spürhunden und stellt sicher, dass sich nirgends Sprengstoff befindet.Danach darf aus Sicherheitsgründen kein Material mehr in die Räume gebracht werden, und alle 900 Mitarbeiter des Hotels, die hinter den Kulissen für das Gelingen des 57. Bundespresseballs sorgen, müssen am Eingang Schleusen wie am Flughafen passieren. Schließlich werden am Abend Politiker sowie Prominenz aus Wirtschaft und Medien erwartet - darunter mit Bundespräsident Horst Köhler das Staatsoberhaupt des Landes. Kanzlerin Angela Merkel wird hingegen nicht kommen.Die Aufbauarbeiten für den Ball, der zum zehnten Mal in Berlin und im Interconti stattfindet, laufen seit Sonntag rund um die Uhr - 200 Mitarbeiter sind daran beteiligt. Die Planungen aber haben bereits nach dem Ball im vergangenen Jahr begonnen, wie Marietta Herman erzählt, die im Hotel zuständig für Special Events ist. Sie wacht darüber, dass alles pünktlich aufgebaut wird. Und aufzubauen ist vieles. Das diesjährige Motto lautet "Metropoly", anlässlich des Jubiläums in Berlin stehe das Thema Metropole im Vordergrund, sagt Veranstalter Alfred J. Gertler. Die Farben sind Weiß, Lila und Gold - folglich werden sämtliche Räume in diesen Tönen gestaltet. Die Holzvertäfelung des Ballsaals verschwindet hinter extra angefertigten weißen Verkleidungen, Scheiben im Eingangsbereich werden mit lila Folien beklebt, der graue Teppichboden mit einem weißen abgedeckt. Auf diesem Teppich liegt bis kurz vor Öffnung der Türen um 19 Uhr eine durchsichtige Folie. "Das soll ja für die Gäste alles makellos sein", sagt Herman.Vor dem Hotel ließ die 44-Jährige sogar Büsche ausgegraben, um Platz für einen Baldachin zu schaffen. Außerdem wurde ein u-förmiges, lilafarbenes Sitzmöbel mit zwei Meter hoher Rückenlehne gebaut: Auf der Bühne dazwischen werden Musiker über den Köpfen der Besucher spielen. "Der Ball soll ein einmaliges Erlebnis werden, gerade zum Jubiläum" sagt Herman. Man versuche, immer noch einen draufzusetzen. Es wird Büfetts mit Speisen aus verschiedenen Metropolen geben, drei Köche aus Beirut bereiten sich schon seit Tagen darauf vor.Der Aufwand hat seinen Preis: Eine Million Euro kostet der Ball, finanziert aus Eintritts- und Sponsorengeldern. Gertler sagt, weil die Nachfrage anlässlich des Jubiläums so groß war, dürfen dieses Jahr mit 2 800 Gästen 300 mehr mitfeiern als üblich - zum Preis von 350 Euro für eine Flanierkarte und 590 Euro für einen Tischplatz im Ballsaal, vorausgesetzt, man wurde zuvor eingeladen. Zudem spiele statt einer Bigband ein Symphonieorchester die ersten drei Walzer. Und eine Combo wie Status Quo könne man sich auch nicht jedes Mal leisten.Marietta Herman wird die ganze Nacht arbeiten, per Headset mit der Küche kommunizieren oder auch mal Sektkisten durch die Gegend schleppen. Vor neun Uhr morgens kommt sie nicht nach Hause. Ein Trost für sie und andere, die nicht mitfeiern können: Am 10. Januar findet der Berliner Presseball im Hotel Maritim statt - und jeder darf mittanzen.------------------------------Foto: Überwacht den Aufbau im Intercontinental: Marietta Herman.------------------------------Foto: Die Wand des Ballsaals Potsdam im Hotel Intercontinental wird komplett umgestaltet. Zwei Mitarbeiter schrauben Glühbirnen in die lila Wandverkleidung.
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