Um Alltag und Probleme jüdischer Kinder und Jugendlicher nach 1945 dreht sich eine am Freitag eröffnete Zusatzausstellung im Jüdischen Museum in der Lindenstraße in Kreuzberg. "So einfach war das" lautet ihr Titel. 18 Juden berichten über ihre Erfahrungen in Deutschland - darunter der Schriftsteller Wladimir Kaminer. An Hörstationen in einem grün gestalteten Raum werden neben Bildtexten Geschichten erzählt. Bewusst hat das Museum zur Eröffnung den Gedenktag an die Holocaust-Opfer gewählt.Der 52-jährige Zwi Wasserstein berichtet in der Ausstellung von seinen Erlebnissen in der Schule: "Ich fühlte mich bestaunt wie ein ausgestorbenes Tier - so wie die Dinosaurier in einem Museum." Im Unterricht hätte ihn beispielsweise ein Junge ganz schüchtern gefragt "Bist du Jude?" Ruth Frisch wiederum musste sich immer wieder den Satz anhören: "Aber ihr glaubt schon an Jesus?" Den meisten Kindern in ihrer Umgebung sei eine Religion ohne Jesus offenbar unvorstellbar gewesen. In der Ausstellung geht es um Fremdheit und Zugehörigkeit, um Träume und Hoffnungen. Die sehr persönlich gefärbten Momentaufnahmen von 1947 bis in die 1990er-Jahre zeigen, dass es nicht einfach war, als Kind jüdischer Überlebender aufzuwachsen - egal, ob es sich um Prominente wie Salomon Korn vom Zentralrat der Juden, um Gläubige oder Nichtgläubige handelt. Zur Ausstellung gibt es ein Buch zum Preis von 12,90 Euro. Geöffnet ist täglich 10-20, montags bis 22 Uhr. (mm.)
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