Gemeinschaft

„Es ist normal Jude zu sein“: So war das Straßenfest der Chabad-Gemeinde in Berlin

Vor 30 Jahren kamen Rabbi Teichtal und seine Frau Leah in die deutsche Hauptstadt. Im Gepäck hatten sie nicht viel mehr als ihren Glauben. Ein Ortsbesuch.

4 Min
30 Jahre Chabad: Die jüdische Gemeinde feierte in Charlottenburg.

30 Jahre Chabad: Die jüdische Gemeinde feierte in Charlottenburg.

© Kyle Knodell

Der Jüdische Kindergarten Gan Israel hat zur Feier des Tages ein Lied einstudiert: „Hevenu shalom alechem, shalom alechem, shalom. Wir wollen Frieden für alle!“, singen die Kinder im Chor – ohne Dirigent, aber trotzdem gut koordiniert. Sie repräsentieren das Motto der Veranstaltung: Das Straßenfest in der Westfälischen Straße an diesem Sonntag stand im Zeichen des Friedens.

Die Jüdische Gemeinde Chabad hatte anlässlich ihres dreißigjährigen Jubiläums geladen. Rabbiner Yehuda Teichtal war einst mit seiner Frau Leah per One-Way-Ticket nach Berlin gekommen. An diesem Sonntag  betonte er die Bedeutung der Sichtbarkeit jüdischen Lebens. Sein Wunsch: In jedem Kiez Berlins ein offenes Haus zu schaffen, in dem jeder willkommen ist. Seine Vision ist es, dass Berlin wieder zu einem der bedeutendsten Zentren jüdischen Lebens in Europa wird. „Juden sind nicht Opfer. Wir sind Gestalter als Teil der Gesellschaft. Und das ist unser Auftrag. Gemeinsam, offen, bewusst, freundlich, lebendig, positiv“, so der Rabbiner. Teichtal betonte energisch: „Whatever your name is, we love you!“

Der Chor des Jüdischen Kindergartens Gan Israel in Berlin.

Der Chor des Jüdischen Kindergartens Gan Israel in Berlin.

© Kyle Knodell

Zu dem Fest hat sich eine bunte Gemeinde versammelt: Aus der Ukraine geflüchtete Kinder springen neben hier Geborenen auf einer der beiden Hüpfburgen um die Wette; andere bemalen Kerzen, ein Mitzwa-Mobil erklärt jüdische Rituale wie das Anlegen der Tefillin (Gebetsriemen). Es gibt asiatische, jüdische und amerikanische Küche, Eis - und eine erstmals in Deutschland begonnene Tora, in die auch Gäste schreiben dürfen. Der Spitzenkandidaten mehrerer Parteien, darunter Stefan Evers von der CDU und Elif Eralp von der Linken sind ebenfalls gekommen.

Rabbiner Teichtal: „Wir wollen Gestalter sein“

Auch der Noch-Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, ist da. Er wolle nicht, dass Menschen mit Kippa in bestimmten Stadtteilen Angst haben müssen. „Aber es ist derzeit so“, räumt Wegner ein.

Der Charlottenburger Lior trägt Kippa. Der Teenager ist noch nicht lange Teil der jüdischen Community, sein Vater Aserbaidschaner mit armenischen Wurzeln. Seine Mutter ist nicht-praktizierende Jüdin aus der Ukraine. Lior selbst hat vor etwa einem Jahr – auf der Suche nach einem Fundament für sein Leben – über Studenten von Chabad den Weg zum Judentum gefunden. Gegenüber der israelischen Regierung äußere er sich auch manchmal kritisch. Er wirkt für sein Alter schon reifer als so anderer Junge: „Es ist normal, Jude zu sein“, sagt der 17-Jährige selbstbewusst.

Mit Blick auf die Sicherheitsschleuse am Eingang, stellt Jay fest: „Es ist schrecklich, dass es im Jahr 2026 noch notwendig ist, dass solch ein Familienfest geschützt werden muss.“ Der 30-Jährige hofft, dass die Politik hier künftig verstärkt tätig wird.

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Yehuda Teichtal zeichnet Silke und Holger Friedrich aus.

Yehuda Teichtal zeichnet Silke und Holger Friedrich aus.

© Kyle Knodell

Die Politikerin und Aktivistin Karoline Preisler (FDP) ist ebenfalls Teil der Gemeinschaft auf dem Straßenfest. Sie gehört zu den engen Freunden der Chabad-Gemeinde. Preisler sagt, sie habe selbst schon sehr oft Unterstützung durch die Gemeinde erfahren, beispielsweise nach dem Tod ihrer Mutter. „Deshalb sind 30 Jahre ganz wunderbar. Ich hoffe, es werden 120 und noch viel mehr. Happy Birthday, Chabad!“

Es wurden auch Preise vergeben für besonderes Engagement für die jüdische Community. Zu den Ausgezeichneten gehörten unter anderen auch die Verleger der Berliner Zeitung und der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung, Silke und Holger Friedrich.

Schließlich ruft jemand von der Bühne „Am Yisrael“ – Die Menge antwortet „Chai“. Das bedeutet in etwa so viel wie: „Das Volk Israel lebt“. Es ist ein Satz des Friedens.

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