Judith Arndt gewinnt die 51. Auflage von "Rund in Kreuzberg"

Eiskaltes Solo auf nassem Asphalt

Christian Schwager
3 Min

BERLIN, 13. April. Am Karfreitag ist Judith Arndt über die Bergmannstraße in Kreuzberg geradelt. Und das gleich 28-mal - in dichtem Schneeregen und bei eisiger Kälte. Die Bergmannstraße ist lang und schnurgerade, Judith Arndt war allein und sehr in Eile, sie war auf der Flucht. Also strampelte die 25-Jährige mit voller Kraft über den Rundkurs, der sie immer wieder auf die lange Gerade aus nassem Asphalt zurückführte. Sie versuchte der Konkurrenz beim Radrennen "Rund in Kreuzberg" zu entkommen. Es war ein erfolgreicher Versuch. Nach 58,8 Kilometern und 1:47,19 Stunden fuhr die Fahrerin vom Team Red Bull ein letztes Mal über die Bergmannstraße und hinein ins Ziel: Arndt hatte den Saisonauftakt der Frauen-Bundesliga gewonnen.Mit einem Rückstand von 3:32 Minuten passierte Tanja Hennes aus Greiz als Zweite den Zeitnehmer, dahinter die Berlinerin Hanka Kupfernagel. Die Olympia-Zweite von Sydney hatte in den Jahren zuvor das Rennen durch Kreuzberg vier Mal gewonnen. Diesmal aber musste sie sich Arndts Taktik geschlagen geben. Bereits in der fünften Runde war diese dem Feld der insgesamt 70 Fahrerinnen entwischt. Während ihres langen Solos vergrößerte sie beharrlich den Vorsprung Runde um Runde.Die Konkurrenz schaut zuSpäter, im Ziel, wunderte sich Arndt ein wenig über die dürftige Gegenwehr der übrigen Mannschaften, allen voran des niederländischen Teams Farm Frites von Hanka Kupfernagel. Dem gehört in Leontien Zijlaard immerhin die dreimalige Olympiasiegerin des vergangenen Jahres an. Doch Zijlaard ließ die spätere Siegerin ebenso gewähren wie Kupfernagel und die übrigen Verfolgerinnen."Eigentlich ist es nicht mein Ding, mich so früh abzusetzen", sagte Arndt nach dem Rennen. "Aber wenn ich etwas anfange, dann ziehe ich es auch durch." Es ist das Motto der in Leipzig lebenden Athletin für ihren Sport, in ihrer bisherigen Karriere ist sie damit ganz schön weit gekommen. Bei den Olympischen Spielen 1996 von Atlanta holte sie zum Beispiel Bronze in der Einzelverfolgung, sie gewann bei der Weltmeisterschaft 2000 in derselben Disziplin sowie im Punktefahren die Silbermedaille.In der vergangenen Saison aber nahm Arndt Abschied von der Bahn, sie will sich nun allein auf Straßenrennen konzentrieren, Arndt sucht nach "neuen Zielen und Anreizen". Die Tour de France der Frauen ist ein solcher Anreiz. Dieses Rennen möchte sie gewinnen, noch nicht in diesem Jahr, aber irgendwann einmal. Diese Saison soll zunächst dazu dienen, Erfahrungen im Straßenradmetier zu sammeln und das Training zu optimieren. Rund 5 000 Kilometer hat Arndt seit Jahresanfang in den Beinen. Sie fuhr in den USA bereits zwei Rennen, bei einem davon wurde sie Vierte. Nach "Rund in Kreuzberg" folgt nun an diesem Sonnabend der nächste Start, wieder in der Frauen-Bundesliga, diesmal in Berlin-Wannsee.Die nötige Form für dieses Frühjahrsprogramm hat sich Arndt auf Mallorca geholt, zu ihrem Bedauern allerdings auch eine Grippe. Dass sie sich davon aber gut erholt hat, zeigte sie am Freitag: Bei ihrem eiskalten Solo auf nassem Asphalt.JUERGEN ENGLER Auf der Flucht: Judith Arndt krönte ihre lange Alleinfahrt mit einem Sieg.

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