Jüdische Organisationen fordern Klarheit über Herkunft

Schweden kaufte wissentlich Beutegold von den Nazis

BLZ
3 Min

Berlin. po Schweden hat den Nazis bis 1944 durch Ankäufe von Raubgold bei der Devisenbeschaffung geholfen. Jüdische Organisationen haben gestern die lückenlose Dokumentation der Herkunft des Goldes eingefordert.34 564 Tonnen Gold sind während des Zweiten Weltkriegs von Deutschland nach Schweden verkauft worden. Die NS-Führung in Berlin beschaffte sich so frei konvertierbare Schwedenkronen, um auf dem Weltmarkt Rohstoffe für die Rüstungsindustrie einzukaufen. Nach einem Bericht des schwedischen Diplomaten Sven Fredrik Hedin, der gestern in der Stockholmer "Dagens Nyheter" und in der "Frankfurter Rundschau" veröffentlicht wurde, belegen Dokumente, daß sich die Schweden dessen bewußt waren, daß ein Teil des Goldes aus Beutegut stammte.Wie andere neutrale Staaten, so Portugal, Spanien und die Schweiz, hat auch Schweden den Hinweis der Alliierten 1943 in den Wind geschlagen, daß die Deutschen mit geraubtem Gold, darunter beschlagnahmte Bestände aus den Nationalbanken eroberter Staaten, Handel trieben. Doch ließen die Warnungen vor späteren Restitutionsansprüchen den damaligen Chef der schwedischen Rijksbanken, Ivar Rooth, nicht unbeeindruckt. Eine von Hedin in schwedischen Archiven entdeckte geheime Notiz, die Rooth im Februar 1943 nach einem Gespräch mit dem Stockholmer Handelsminister Herman Eriksson anlegte, belegt Rooths Bedenken, weitere Goldgeschäfte mit Deutschland abzuschließen. Doch Rooths Vorschlag, die Sache bei der Deutschen Reichsbank anzusprechen, wurde von Eriksson abgelehnt, weil nach dessen Ansicht dazu "kein ausreichender Grund vorlag". Der Minister berief sich unter anderem auf die Zusage des deutschen Reichsbankchefs, Emil Puhl, nur Vorkriegs-Gold nach Schweden zu verkaufen. Rooth, der über Kontakte zu Bankern in aller Welt verfügte, wußte indessen laut Hedin, daß der Umfang des deutschen Goldhandels den Vorkriegs-Goldbestand des Reiches weit übertraf. Kurz vor der letzten Transaktion 1944 meldeten Schweizer Diplomaten, daß die Rijksbanken Goldbarren aus Deutschland mit schwedischen Identitätszeichen versehen ließ - eine Fälschung. Nach dem Krieg sperrte sich Schweden einer Rückgabe des Raubgoldes an dessen Eigentümer. Aus schwedischen Berechnungen von 1944 geht hervor, daß etwa 20 000 von den gekauften 34 564 Kilo Gold Beutegut sein könnten. Nach zähen Verhandlungen und Vorlage von Beweisen aus den Akten der Berliner Reichsbank gab Schweden 1946 über 7 000 Kilo Gold an Belgien zurück, weitere 6 000 Kilo an die Niederlande. Bleiben rund 7 000 Kilo, deren Herkunft ungeklärt ist. Die Zionistische Weltorganisation und die Jewish Agency haben gestern von Schweden Einsicht in alle relevanten Dokumente verlangt, da nicht ausgeschlossen werden könne, daß Schweden sich das Eigentum von Holocaust-Opfern eingehandelt habe. +++

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