Schach-Rekord

Jüngste Frauen-Großmeisterin aller Zeiten: Elfjährige schlägt sogar eine Ex-Weltmeisterin

Schach-Rekord: Die Engländerin Bodhana Sivanandan holt mit elf den WGM-Titel bei der Schacholympiade 2026 in Samarkand und überholt Kateryna Lagno.

4 Min
Konzentriert am Brett: Bodhana Sivanandan beim Internationalen Schachkongress in Hastings im Dezember 2023. Damals war sie acht Jahre alt. (Archivbild)

Konzentriert am Brett: Bodhana Sivanandan beim Internationalen Schachkongress in Hastings im Dezember 2023. Damals war sie acht Jahre alt. (Archivbild)

© Imago/Lee Floyd / Avalon

Elf Jahre, sechs Monate und drei Wochen: So alt ist Bodhana Sivanandan an dem Tag, an dem sie Schachgeschichte schreibt. Keine Frau vor ihr war jünger, als sie den Titel Großmeisterin der Frauen erhielt.

Die Schülerin aus Harrow im Nordwesten Londons sicherte sich den Rekord am Sonntag. Der Weltschachverband Fide hat ihn bestätigt, wie die BBC berichtet.

Schacholympiade Samarkand: acht Punkte an Brett eins

Die entscheidende dritte Titelnorm holte Bodhana bei der 46. Schacholympiade im usbekischen Samarkand. Eine Norm ist eine offiziell anerkannte Leistung auf Titelniveau, drei davon sind nötig.

Für England spielte sie alle elf Runden an Brett eins. Dort sitzt die stärkste Spielerin eines Teams. Sie holte acht Punkte.

Die zweite Bedingung, eine Elo-Zahl von mindestens 2300, hatte sie bereits vorher erfüllt.

Alter Rekord: Kateryna Lagno und Hou Yifan waren zwölf

Bisher lag die Bestmarke bei Kateryna Lagno, die erst für die Ukraine und später für Russland antrat. Sie war zwölf, als sie den Titel bekam. Die Chinesin Hou Yifan schaffte es ebenfalls mit zwölf.

Einen Rekord behält Hou Yifan: Mit 14 wurde sie jüngste Frau mit dem offenen Großmeistertitel. Der steht zwei Stufen über dem Frauentitel, den Bodhana nun auf Lebenszeit trägt.

Ausruhen will sie sich darauf nicht. Im Interview mit der Fide sagte sie, sie wolle „weitermachen und weiter Geschichte schreiben“.

Schach gelernt im Corona-Lockdown

Das Spiel brachte sich Bodhana während der Pandemie selbst bei. Im Juli 2021 trat sie zum ersten Mal bei einem Turnier an, im Schachklub von Harrow.

Ein Jahr später, mit sieben, gewann sie bei der europäischen Schulmeisterschaft alle 24 Partien. Mit neun nominierte sie der englische Verband für die Schacholympiade 2024 in Budapest.

Laut Verband hat nie ein jüngerer Mensch England international vertreten. In keiner Sportart.

Siege gegen Großmeister und eine Ex-Weltmeisterin

Im August 2025 besiegte sie bei der britischen Meisterschaft in Liverpool den 60-jährigen Großmeister Peter Wells. Sie war damals zehn Jahre, fünf Monate und drei Tage alt und damit jünger als die bisherige Rekordhalterin Carissa Yip, wie CNN unter Berufung auf die Fide berichtet.

Beim European Club Cup auf Rhodos fiel danach Mariya Muzychuk, eine frühere Weltmeisterin. Darauf verweist der Bezirk Harrow, dessen Bürgermeisterin die junge Spielerin anschließend zur Partie ins Rathaus bat.

Im Juli 2026 schlug Bodhana beim Dole Open in Frankreich Großmeister Marc’Andria Maurizzi. Er hat eine Wertungszahl über 2600. Ein jüngeres Mädchen soll nie einen so starken Spieler in einer klassischen Partie besiegt haben.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Bodhana Sivanandan: Nächstes Ziel Internationale Meisterin

Aus Samarkand nahm sie noch eine zweite Norm für den Titel Internationale Meisterin mit. Den vergibt die Fide an Frauen und Männer gleichermaßen, er steht über dem Frauen-Großmeister.

Ihr fehlen dafür noch eine Norm und eine Elo-Zahl von 2400. Die eigentliche Messlatte hängt höher. Schon mit zehn erzählte sie ABC News, sie wolle Großmeisterin werden und eine Weltmeisterschaft spielen.

Schach-Talent mit Vollzeitschule

Nebenbei besucht Bodhana ganz normal die Schule. Schach helfe ihr dort, sagte sie der Fide, weil es mit vielen Fächern zusammenhänge. Und sie reise gern.

Woher das Talent stammt, kann sich die Familie selbst nicht erklären. Beide Eltern sind Ingenieure und nach Aussage des Vaters gegenüber dem britischen Sender keine guten Schachspieler.

Über die Frage, wer am Küchentisch die Partie gewinnt, dürfte bei den Sivanandans also längst niemand mehr streiten.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner