HELLERSDORF. Das Hellersdorfer Jugendamt mußte im vergangenen Jahr 3 568 Mal einen Unterhaltsvorschuß an Alleinerziehende bezahlen, weil Väter oder Mütter ihren Verpflichtungen nach einer Trennung nicht nachgekommen sind. Damit liegt der Bezirk in Ostberlin an der Spitze und wird im Westen nur noch von Neukölln (3 962 Fälle) übertroffen. Auf der ganzen Welt forscht das Hellersdorfer Jugendamt nach abgetauchten Unterhaltspflichtigen, zumeist Vätern. Über die deutschen Botschaften versucht die Behörde, den Verbleib des Schuldigers zu ermitteln. Schwierig wird es bei kulturellen Unterschieden. So erhielten die Mitarbeiter des Hellersdorfer Vormundschaftswesens bei einer Anfrage in Kuba von den Behörden die lapidare Antwort: "Unterhaltsschuld ist keine Schuld. Mit revolutionärem Gruß." In den meisten Fällen ist nicht Böswilligkeit der Grund für eingestellte Zahlungen. "Viele sind arbeitslos oder haben ein zu geringes Einkommen", sagt Margot Redel, Leiterin des Vormundschaftsamtes in Hellersdorf. Nur eine Minderheit verweigere aus "Trennungsfrust" die Unterstützung. Wer zahlen kann, aber nicht will, muß mit Anzeige und Pfändung rechnen. Mit Hilfe des Jugendamtes kann das geprellte Elternteil das Geld über den Arbeitgeber des Schuldners einziehen. (mir.)
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