Am Amtsgericht Riesa beginnt heute unter Ausschluss der Öffentlichkeit der Prozess gegen einen Jugendlichen aus Zeithain im Landkreis Meißen. Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft ihm Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor. Der damals 16-Jährige soll in einem selbst eingerichteten Labor im Dachgeschoss des elterlichen Wohnhauses ein hochgefährliches Gemisch aus den Giften Rizin und Aconitin hergestellt und im Kühlschrank der Familie gelagert haben. Außerdem soll der Jugendliche 13 Mal aus online bestellten Chemikalien Böller gebastelt haben, die er im Garten und in der Nähe des Elternhauses explodieren ließ.
Der Jugendliche geriet bereits früher in das Visier der Ermittler: Im Dezember 2024 führte die Polizei eine erste Hausdurchsuchung durch, bei der geringe Mengen des Giftgemisches sichergestellt wurden. Die Ermittlungen gegen den Jugendlichen wurden eingeleitet, nachdem Händler den Behörden verdächtige Bestellungen von Chemikalien gemeldet hatten. Eine EU-Verordnung verpflichtet Unternehmen, solche Transaktionen anzuzeigen, wenn sie auf die Herstellung explosiver oder chemischer Stoffe hindeuten könnten.
Im April 2025 folgte eine zweite Razzia, bei der Beamte in Schutzanzügen das Wohnhaus durchsuchten. Experten des Robert Koch-Instituts unterstützten den Einsatz, bei dem das Labor des Jugendlichen untersucht und weitere Substanzen beschlagnahmt wurden.
Keine Hinweise auf Anschlagspläne
Laut Staatsanwaltschaft gebe es keine Hinweise, dass der Jugendliche jemanden habe schädigen oder verletzen wollen. Nach eigenen Angaben habe der Tatverdächtige aus wissenschaftlichem Interesse in einem Labor unter dem Dach herumexperimentiert.
Rizin, ein Eiweißstoff aus den Samen des Wunderbaums, und Aconitin, ein Alkaloid aus dem Blauen Eisenhut, gehören zu den tödlichsten natürlichen Giften. Bereits kleinste Mengen können beim Menschen innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Rizin gilt aufgrund seiner Gefährlichkeit zudem als biologische Waffe im Sinne des Kriegswaffenkontrollgesetzes.
Während der damaligen Razzien wurde das Wohngebiet in Zeithain großräumig abgesperrt, auch die angrenzende Kindertagesstätte und Grundschule wurden informiert. Laut dem Landeskriminalamt bestand jedoch zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Anwohner. Wegen des jugendlichen Alters des Angeklagten findet der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Rückblick: Anschlagspläne mit Rizin in anderen Fällen
Das hochgiftige Rizin wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach im Zusammenhang mit kriminellen oder terroristischen Straftaten bekannt. 2020 verurteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf ein Ehepaar zu mehrjährigen Haftstrafen, weil es für einen islamistischen Anschlag an einem belebten Ort eine hochgefährliche Biowaffe aus Rizin hergestellt hatte. 2023 sprach das Landgericht Dortmund gegen einen Mann aus Castrop-Rauxel eine Strafe aus, der einen islamistisch motivierten Giftanschlag plante und dafür unter anderem Rizin einsetzen wollte.
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