Juniorprofessoren sollten jung sein und eigenständig forschen. Doch die Realität sieht anders aus, hat eine Umfrage ergeben

Ein altes System im neuen Gewand

Alexander Mäder
3 Min

Die Juniorprofessur hat nach Ansicht der Jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften bislang ihre Zwecke verfehlt. Der neue Stellentyp war im vergangenen Jahr eingeführt worden, um auf lange Sicht die Habilitation zu ersetzen. Als Assistent an einem Lehrstuhl zu habilitieren, ist derzeit der übliche Weg, um eine Professur auf Lebenszeit zu erlangen."Das System weist jedoch ähnliche Schwächen auf wie die Habilitation", kritisiert die neue Sprecherin der Jungen Akademie, Katharina Landfester. Juniorprofessoren seien zu alt und zu sehr an einen Lehrstuhl gebunden. Zudem hätten sich viele von ihnen nicht im offenen Wettbewerb für ihre Stelle qualifizieren müssen.Die Junge Akademie widerspricht damit der jüngsten Feststellung von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn, die Juniorprofessur ermögliche es jungen Nachwuchswissenschaftlern schon früh, eigenständig zu forschen. Seit der entscheidenden Novellierung des Hochschulrahmengesetzes im vergangenen Jahr sind nach Angaben des Bundesforschungsministeriums rund 800 Juniorprofessuren ausgeschrieben worden. Bis Februar wurden davon etwa 350 besetzt. Ihre Schlüsse zieht die Junge Akademie aus einer Befragung von 160 Juniorprofessoren.Fast die Hälfte der befragten Stelleninhaber gibt an, direkt an einen Lehrstuhl angebunden zu sein. Darüber hinaus verfügt etwa jeder dritte Befragte über keine eigenen Forschungsmittel. "Das ist erstaunlich, weil das Bundesforschungsministerium die Einrichtung von Juniorprofessuren mit jeweils 60 000 Euro fördert", sagt Landfester. "Die Universitäten dürfen allerdings selbst entscheiden, wofür sie das Geld verwenden - und man kann daher vermuten, dass sie das Geld für andere Dinge ausgeben."Auch die Verjüngung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist bislang nicht gelungen. Juniorprofessoren treten ihre Stelle durchschnittlich im Alter von 34 Jahren an, so dass sie nach Ablauf ihrer auf sechs Jahre angelegten Juniorprofessur über 40 Jahre alt sein werden. Das entspricht dem bisher üblichen Alter bei der Habilitation. Obwohl Juniorprofessoren in einem öffentlichen Verfahren ausgewählt werden müssen, scheinen persönliche Beziehungen durchaus eine Rolle zu spielen. Fast die Hälfte der Befragten hat an ihrer derzeitigen Hochschule bereits promoviert oder eine Stelle als Mitarbeiter innegehabt. "Mir sind einige Fälle bekannt, in denen bereits langjährig angestellte Assistenten auf Juniorprofessuren berufen worden sind", sagt Landfester. "Das war sicher nicht die Intention des Gesetzgebers."Um die Ziele der Reform zu verwirklichen, schlägt die Junge Akademie vor, die Auswahlkriterien für Nachwuchswissenschaftler zu verschärfen und bessere Bedingungen für unabhängige Forschungsarbeit zu schaffen. "Es sollen die Besten durchkommen und nicht die Zähesten", sagt Landfester. Und der scheidende Sprecher der Jungen Akademie, Ulrich Schollwöck, ergänzt: "Wir müssen potenzielle Spitzenleute schon früh ins Auge fassen - und diese dann stärker fördern als bisher.""Wir müssen den wissenschaftlichen Nachwuchs früher auswählen und stärker fördern als bisher. " Ulrich Schollwöck, Junge Akademie

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