MÜNCHEN. Jupp Heynckes und Hermann Gerland lächelten gequält. Es war ja auch eine merkwürdige Situation: Heynckes und Gerland standen um kurz nach vier Uhr auf dem Rasen des Trainingsplatzes an der Säbener Straße, direkt vor den Fotografen und Kameras, es war das erste Bild der neuen Trainer des FC Bayern. "Herr Heynckes, bitte mehr in die Mitte!" - "Hallo, hierher schauen!" - "Und jetzt bitte winken!" Da wurde es den beiden dann doch zu viel. Sie gingen wieder zurück zur Mannschaft. Heynckes stellte ein paar Pylonen auf, er hatte mehrere Notizzettel in der Hand, und dann sprach er zu den Spielern. Jupp Heynckes ist jetzt ihr Chef.Erdkunde für PappnasenEr ist nun auch der Chef von Hermann Gerland. "Er wird mir sagen, was ich zu tun habe", sagt Gerland, als er im prall gefüllten Mediencenter an der Säbener Straße von Uli Hoeneß zusammen mit Heynckes vorgestellt wird. Heynckes hatte nach kurzer Rücksprache mit seiner Frau schnell eine Zusage nach München gesandt, "für meinen Freund Uli", wie Heynckes formuliert. Es soll sein Wunsch gewesen sein, Gerland als Assistent zu bekommen; Gerland war bislang Trainer des Drittliganachwuchses beim FC Bayern. Gerland ist jetzt 54 Jahre, er hat viel Erfahrung, wenn auch nur national, und weil Jupp Heynckes schon 63 ist und noch mehr Erfahrung hat, ergab das schon ein interessantes Bild: Wie die beiden etwas betagteren Herren auf dem Podium sitzen, die neuen Retter des FC Bayern.Dass Heynckes und Gerland die Richtigen sind, um zumindest die direkte Qualifikation für die Champions League zu schaffen, daran haben sie beim FC Bayern keinen Zweifel. Ebensowenig daran, dass beide für die kommende Saison wieder in ihr altes Leben zurückkehren. Heynckes in sein Landhaus in der Nähe von Mönchengladbach, Gerland in die Dritte Liga. Und dort, sagt Gerland, "will ich dann ein entspanntes Jahr verbringen", Mehmet Scholl vertritt ihn ja die nächsten Wochen, "also gehe ich davon aus, dass ich die Mannschaft in einem deutlich besseren Zustand wieder zurückbekommen werde". Überhaupt, für ihn sei sofort klar gewesen, der Bitte von Uli Hoeneß nachzukommen, Heynckes zu assistieren, "und meine Frau habe ich auch nicht fragen brauchen", sagt Gerland. Da lachen alle, auch Heynckes schmunzelt. Auf einmal wirken die beiden alten Herren wie eine Frischzellenkur für den FC Bayern.Gerade Gerland ist legendär für seine knorrige Art, die nicht selten ins cholerische explodiert. Zu dem slowenischen Nationalspieler Borut Semler, der unter Gerland Stürmer war bei den Münchner Amateuren, der sich fühlte wie ein Star, aber nicht immer so spielte - zu Semler also hat Gerland einmal diesen Satz gesagt: "Pass mal auf, du Pappnase, als ich noch gespielt habe, da gab's dein Land noch gar nicht!"Hermann Gerland redet so, nicht selten bezeichnet er seine Spieler auch als "Osterhasen". Dass er derlei Begriffe auch bei den Profis verwendet, ist aber eher unwahrscheinlich. "Ich werde mich zurückhalten", sagt Hermann Gerland. Vielmehr wird seine Aufgabe sein, die tägliche Trainingsarbeit für Jupp Heynckes zu erledigen, der ja seit zwei Jahren nicht mehr im Fußballgeschäft gearbeitet hat und sich aufgrund von gesundheitlichen Problemen weitgehend zurückzog.Jupp Heynckes wurde vor allem deshalb auserwählt, weil er den Verein kennt und der Verein ihn. Heynckes sagt, er habe "eine andere Lebensplanung" gehabt, als noch einmal Trainer beim FC Bayern zu werden - aber weil ihm die Münchner neben Borussia Mönchengladbach und Athletic Bilbao nach eigenem Bekunden "besonders am Herzen liegen", konnte er nicht anders. Er musste es machen.Die Frage wird sein, wie Jupp Heynckes die Mannschaft nun anpackt, wie er sie zu besseren Leistungen bringen kann. Jupp Heynckes hat darauf immerhin schon vor seinem ersten Hallo zu den Spielern eine Antwort: "Ich muss viele Einzelgespräche führen, mein Knowhow einbringen."Sehen, ob sie lebenMit welcher Taktik und welcher Aufstellung er seine bevorstehende Bundesliga-Premiere - ausgerechnet - gegen Borussia Mönchengladbach am kommenden Samstag bestreiten will, das weiß Jupp Heynckes noch nicht; kann er auch noch nicht wissen, am Dienstagnachmittag beim ersten Training. Was er aber weiß: "Fußball muss mit Freude und Emotion gespielt werden, und das ist das, was ich wecken werde." Er will die Spieler nun kennenlernen, "sehen, ob sie aktiv sind, ob sie leben, wie sie sich bewegen". Und danach will er dann die Mannschaft aufstellen. Er ist sich sicher, dass das Problem der Mannschaft des FC Bayern ausschließlich "im Mentalbereich" liegt. Mit Jupp Heynckes also soll der Verein wieder so sein, wie er mit ihm schon einmal war: erfolgreich und dominant.Die Zeit dafür ist kurz, Jupp Heynckes weiß das. Und Hermann Gerland weiß das natürlich auch, weshalb er betont, man sei jetzt "in einer besonderen Situation", das bedeutet auch: "Wir können nicht ausprobieren, ob ein Thomas Müller vor 70 000 Leuten von Anfang an spielen kann."Ein bisschen ist es nun wieder so, wie es vergangene Saison unter Ottmar Hitzfeld war, als der wusste, dass er am Saisonende gehen wird: Alles, was zählt, ist der Moment. Die Zukunft kommt später.------------------------------Pressestimmen zu KlinsmannDie Revolution ist zu Ende. Jede Fußballrevolution benötigt das Brot der Resultate, um die Fans, Presse und Manager zu sättigen.Gazzetta dello Sport Fast keiner unter den Stars des Weltfußballs hat wie Klinsmann erlebt, wie ein großer Kicker zum mittelmäßigen Coach abstürzen kann. La RepubblicaBei der letzten WM hatte Klinsmann den dritten Platz als Erfolg gefeiert. Jetzt wurde ihm der dritte Platz zum Verhängnis.Tuttosport------------------------------Foto: Vorsicht Kamera(hinter)mann! Fußballlehrer Jupp Heynckes erkennt dank seiner Erfahrung sofort die Gefahr.
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