Nachruf

Der Regisseur Jurij Kramer ist tot: Von Moskau über das Theater zum DDR-Fernsehen

Der Schauspieler und Fernsehregisseur Jurij Kramer starb am 27. September. Er prägte die Literaturverfilmung beim DFF und arbeitete mit vielen Defa-Größen

3 Min
Jurij Kramer (1940–2026): Hier als sowjetischer Offizier im Film „Durchreise“ 1993 (Regie: Peter Weck)

Jurij Kramer (1940–2026): Hier als sowjetischer Offizier im Film „Durchreise“ 1993 (Regie: Peter Weck)

© CC BY 3.0

Der Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor Jurij Kramer ist am 27. September nach schwerer Krankheit in Berlin gestorben. Das teilte seine Frau Katrin Kramer dieser Zeitung mit. Kramer, 1940 in Moskau geboren, hinterlässt ein umfangreiches Werk für das Fernsehen der DDR. Im vereinten Deutschland fand er nicht mehr zurück ins Geschäft.

Kindheit zwischen Moskau und Berlin

Kramers Eltern lernten sich im Berlin der 1920er Jahre kennen, die Mutter war Tänzerin. Weil dem Vater, dem linksgesinnten Eisenbahningenieur Erwin Kramer, ein Hochverratsprozess drohte, emigrierte die Familie 1932 in die Sowjetunion. Nach Kriegsende kehrte sie nach Berlin zurück und bezog ein Haus in Kaulsdorf. Der Vater stieg in der DDR bis zum Minister für Verkehrswesen auf. Für den sechsjährigen Jurij war der Wechsel schwer: In der Sowjetunion galt er als „Fritz“, in der DDR als „Iwan“. Das Gefühl, nirgends ganz dazuzugehören, begleitete ihn sein Leben lang.

Von 1960 bis 1963 studierte Kramer an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin und spielte danach in Greifswald. Gemeinsam mit dem Regisseur Adolf Dresen wollte er das Theater erneuern, was 1965 hart geahndet wurde: Dresen musste sich auf einem Bohrturm bewähren, Kramer beim Grenzdienst. In Halle traf er den Fernsehregisseur Ulrich Thein, der ihn zur Regie brachte. Ab 1970 arbeitete Kramer beim Deutschen Fernsehfunk.

Literaturverfilmungen als Markenzeichen

Inspiriert vom sowjetischen Kino inszenierte Kramer Werke von Friedrich Wolf, Leonhard Frank, Günter Görlich und Lion Feuchtwanger und schrieb die Vorlagen oft selbst zu Drehbüchern um. Über ein Dutzend seiner Verfilmungen strahlte das DDR-Fernsehen aus. Für „Eine Anzeige in der Zeitung“ nach Görlich, in dem es um den Suizid eines Lehrers geht, erhielt er 1981 den Heinrich-Greif-Preis. Das Thema war heikel, der Film wurde kontrovers diskutiert. Nicht jedes Projekt gelang: Wenn sich Kramers Drehbücher zu weit von der Vorlage entfernten, unterbanden SED-Funktionäre das Vorhaben. Sein Defa-Projekt „Der Mann von außerhalb“ kam Mitte der 1980er-Jahre trotz weit fortgeschrittener Planung nicht zustande.

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Ein Regisseur, den Schauspieler mochten

Für „Cyankali“ (1977, nach Friedrich Wolf) gewann Kramer Renate Krößner und Hermann Beyer. Beyer lobte seine Arbeitsweise: „Klare Anweisungen. Unmissverständlich und machbar.“ Zu den frühen Weggefährten zählten auch Christine Schorn, Andreas Schmidt-Schaller, Ursula Werner, Jaecki Schwarz und Hansjürgen Hürrig.

Nach dem Mauerfall kam Kramer wie viele DDR-Regisseure mit dem schnellen, gewinnorientierten Filmgeschäft nicht zurecht; seine Literaturverfilmungen stießen nach 1990 kaum mehr auf Interesse. Als Schauspieler übernahm er kleine Rollen, oft russische Schurken. Politisch blieb er sich treu und saß für die PDS eine Legislaturperiode in der Bezirksversammlung Prenzlauer Berg, wo er seit vielen Jahren und bis zu seinem Tod wohnte.

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