Energie

Kälteeinbruch: Deutschland erzeugt so viel Gasstrom wie seit Februar nicht

Windräder liefern weniger Strom. Wegen der Kälte setzt Deutschland stärker auf Gas – dabei sind die Gasspeicher nur zu 61 Prozent gefüllt.

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Inbetriebnahme des GuD-Heizkraftwerks Berlin Marzahn von Betreiber Vattenfall Im Jahr 2020. Symbolbild

Inbetriebnahme des GuD-Heizkraftwerks Berlin Marzahn von Betreiber Vattenfall Im Jahr 2020. Symbolbild

© IMAGO / Berlinfoto

Deutschlands Gaskraftwerke haben am Mittwoch so viel Strom geliefert wie seit Ende Februar nicht mehr. Ihre durchschnittliche Leistung ist gegenüber Dienstag von rund 9,3 auf 10,1 Gigawatt gestiegen – um knapp neun Prozent. Am Mittwochabend erreichte sie gegen 19.30 Uhr knapp 13,7 Gigawatt. Das zeigt eine Auswertung der Berliner Zeitung auf Grundlage der Erzeugungsdaten von Fraunhofer-Energy-Charts.

Kälteres Wetter erhöht aktuell den Energiebedarf, während Deutschland mit vergleichsweise niedrigen Gasspeicherständen von aktuell nur 61 Prozent auf den Winter zugeht. Gleichzeitig haben Windkraftanlagen am Mittwoch deutlich weniger Strom geliefert als am Vortag.

Gaskraftwerke erzeugen binnen eines Tages rund 241 Gigawattstunden Strom

Insgesamt haben die erfassten Gaskraftwerke am Mittwoch rund 241 Gigawattstunden Strom für die öffentliche Versorgung erzeugt. Ihre durchschnittliche Leistung ist gegenüber Dienstag um rund 8,6 Prozent gestiegen. Am Montag hatte sie noch bei knapp acht Gigawatt gelegen.

Ein höherer Tagesdurchschnitt als am Mittwoch findet sich in der ausgewerteten Zeitreihe zuletzt am 25. Februar. Auch die abendliche Leistungsspitze war die höchste seit Februar.

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Die Daten erfassen die öffentliche Nettostromerzeugung. Sie zeigen, wie viel Strom die Kraftwerke ins Netz liefern – nicht Deutschlands gesamten Gasverbrauch für Heizungen, Industrie und Stromproduktion.

Windkraft liefert rund ein Viertel weniger als am Vortag

Die Stromproduktion aus Wind hat sich gleichzeitig deutlich abgeschwächt. Windräder an Land und auf See haben am Mittwoch zusammen eine durchschnittliche Leistung von rund 16 Gigawatt erreicht. Am Dienstag waren es noch etwa 21,7 Gigawatt gewesen. Damit lag die Windleistung rund ein Viertel niedriger.

Besonders deutlich fiel der Rückgang an Land aus: Dort sank die durchschnittliche Leistung von rund 15,4 auf 10,1 Gigawatt. Auf See ging sie von rund 6,3 auf 5,9 Gigawatt zurück.

Wenn Wind und Sonne weniger liefern, müssen andere Kraftwerke, Speicher und Stromimporte die Versorgung mit abdecken. Gaskraftwerke können ihre Leistung vergleichsweise flexibel anpassen. Ihr stärkerer Einsatz erhöht allerdings auch den Bedarf an einem Brennstoff, dessen Beschaffung sich zuletzt erheblich verteuert hat.

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Gasspeicher nur zu 61 Prozent gefüllt

Nach der aktuellen Lagebewertung der Bundesnetzagentur sind Deutschlands Gasspeicher zu rund 61,1 Prozent gefüllt. Darin liegen etwa 151 Terawattstunden Gas. Die Vorräte seien deutlich niedriger als in den Vergleichszeiträumen vergangener Jahre, schreibt die Behörde in ihrem Lagebericht vom 22. Oktober.

Insgesamt führt die Bundesnetzagentur aktuell (Stand Juni 2026) 769 erdgasbetriebene Stromerzeugungseinheiten in Betrieb, mit zusammen rund 26,2 Gigawatt Leistung. Das sind einzelne Blöcke, Turbinen oder Motoren. Mehrere können zu einem Kraftwerk gehören. Kleine Anlagen an Standorten mit insgesamt weniger als zehn Megawatt sind zusätzlich nur zusammengefasst erfasst.

Die Gasimporte sind demnach stabil. Vom 14. bis zum 20. Oktober kamen über Pipelines insgesamt 17,5 Terawattstunden nach Deutschland, über die deutschen LNG-Terminals weitere 1,6 Terawattstunden. Die Versorgungssicherheit bewertet die Bundesnetzagentur weiterhin als gewährleistet.

Ob höhere Großhandelspreise bei Haushalten und Unternehmen ankommen, hängt nach Angaben der Bundesnetzagentur unter anderem von der Dauer des Nahostkonflikts, den Einkaufsstrategien der Versorger und den jeweiligen Verträgen ab.

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