Die Berliner Ärzte lehnen das umstrittene Krankenhaus-Gutachten ab. "Wir haben eine objektive Entscheidungsgrundlage für eine neue Krankenhausplanung erwartet das hat sich nicht erfüllt", sagte am Dienstag der Vize-Präsident der Berliner Ärztekammer, Günther Jonitz, vor mehr als 500 Ärzten im Audimax der Technischen Universität. Nachdem die Krankenkassen, wie berichtet, das Gutachten befürwortet haben, warten die Mediziner jetzt auf ein Signal aus der Politik.Bisher haben sowohl der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) als auch Gesundheitssenatorin Beate Hübner (CDU) mitgeteilt, daß der Senat um die Schließung von Kliniken nicht herumkomme."Bevor die Patienten aber auf die Straße gesetzt werden, gehen wir auf die Straße", kündigte Jonitz an, der als Chirurg im Krankenhaus Moabit arbeitet. Er schlägt vor, daß die Mitarbeiter der Kliniken aus Protest die Zubringerstraße zum Flughafen Tegel blockieren. Das Kieler Institut für Gesundheits-System-Forschung habe die Kliniken "ausschließlich auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft", die medizinische Versorgung interessiere nicht. Wie berichtet, schlagen die Prüfer vor, bis zum Jahre 2002 mehr als 3 500 Betten abzubauen. Dafür sollen unter anderem sieben Krankenhäuser schließen, wie das Urban-Krankenhaus, das Wenckebach-Krankenhaus sowie das Krankenhaus Moabit. Wenn die Kliniken dichtgemacht werden, ändere sich nach Aussage von Jonitz in den anderen Krankenhäusern nichts: "Es löst unter den Beschäftigten vielmehr Mißtrauen, Angst und Ärger aus." Hintergrund ist, daß rund 8 000 Arbeitsplätze bedroht sind, davon bis zu 1 000 Arztstellen. Nach Aussage von Volker Gernhardt, Personalratsvorsitzender des Krankenhauses Neukölln, kürzen die Kassen schon in diesem Jahr kräftig. 200 Mitarbeiter sollen 1998 abgebaut werden. Pro Station heißt das zwei bis drei Beschäftigte, die bei der Betreuung fehlen: "Das ist Körperverletzung am Patienten", so Gernhardt. Die niedergelassene Ärztin Monika Kalkbrenner sagte, sie wisse bereits heute nicht, wo sie ihre Kranken stationär unterbringen solle. "Und kaum sind sie drin, werden sie auch gleich wieder nach Hause entlassen viel zu früh", kritisiert Kalkbrenner. Ärztekammer-Chef Ellis Huber setzte sich für eine "Gemeinschaft für neue Gesundheit GmbH" ein, an der sich Krankenkassen, Senat, Wohlfahrtsverbände, Ärztekammer und Gewerkschaften beteiligen sollen. Der Chef des Kieler Institutes für Gesundheits-System-Forschung, Fritz Beske, hat auf die Kritik von Gesundheitsfachleuten reagiert und die Schließung von Kliniken verteidigt. Eine in allen Kliniken vorgenommene Betten-Streichung würde dazu führen, daß in manchen Häusern unwirtschaftliche Abteilungen entstünden. Sie seien dann zu klein.
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