BERLIN, 11. November. Die VW-Affäre um Schmiergelder und Lustreisen hat Europas größten Autokonzern mindestens fünf Millionen Euro gekostet. Diese Schadenssumme geht aus dem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hervor, über den der Aufsichtsrat am Freitag beriet. Konzernchef Bernd Pischetsrieder kündigte als Konsequenz ein konzernweites Ombudsmann- System an. Damit soll die Vorbeugung von Korruption verbessert werden.Für den im Strudel der Affäre zurückgetretenen VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz bestellte der Aufsichtsrat den bisherigen Audi- Personalvorstand Horst Neumann als Nachfolger. Die Probleme, die vor Neumann liegen, sind heftig. Der Autohersteller leidet unter zu hohen Produktionskosten und fährt einen rigiden Sparkurs, der auch einen deutlichen Personalabbau umfassen wird. Dem Vernehmen nach sollen in den westdeutschen VW-Werken bis zum Jahr 2008 rund 10 000 Stellen wegfallen, davon vermutlich die Hälfte in Wolfsburg. Der 56-Jährige Neumann hat als Personalvorstand bei Audi sein Können unter Beweis gestellt. Dort trotzte er der IG Metall beim Abschluss eines Beschäftigungspaktes eine Einkommenssenkung für neu eingestellte Mitarbeiter sowie längere Arbeitszeiten für einen Teil der Beschäftigten ab. Die Gewerkschaft hat Neumann die abgetrotzten Zugeständnisse nicht übel genommen. Vermutlich sehen sie in ihm einen Garanten, der Schlimmeres verhindert. Schließlich hat der Mann "Stallgeruch" - Neumann hat 16 Jahre in der IG-Metall-Zentrale gearbeitet.Sein Start bei VW verlief indes nicht reibungslos. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeine Zeitung wurde Neumann gegen den Willen der meisten Anteilseignervertreter gewählt. IG-Metall-Chef Jürgen Peters habe seinen Wunschkandidaten im Schulterschluss mit Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch in einer Kampfabstimmung durchgesetzt. Peters und Piëch sei zu Gute gekommen, dass ein Kapitalvertreter wegen Krankheit nicht an der Sitzung teilgenommen habe. Mit 13 von 19 Stimmen sei die erforderliche Zweidrittelmehrheit knapp erreicht worden. Unter anderem hatte auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff gegen Neumann gestimmt. Dabei soll eine Rolle gespielt haben, dass Neumann mit der SPD-Parteilinken Andrea Nahles liiert ist.------------------------------Foto : Horst Neumann wird Nachfolger von Peter Hartz
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